Chongqing Summer School 2015

Ein kleiner Erfahrungsblog

Inhalt

Uhrzeiten und KTV

Der Blog heute ist etwas später dran. Das liegt aber nicht an den Uhrzeiten, die wir in der Chinesischstunde durchgenommen haben. Es liegt daran, dass wir im KTV unterwegs waren. Das sind Karaoke-Dienstleister – Es ist keine Bar, sondern ähnelt einem Hotel. Man kann sich Zimmer verschiedener Größe mieten. In diesen steht dann ein Fernseher, Sofas, eine Spiegelkugel, Tische und ein Terminal für die Liedersuche. Zwei drahtlose Mikrofone bekommt man noch und dann kann es schon losgehen. Im Angebot sind chinesische und englische Songs, aber auch der koreanische „Gangnam Style“ findet sich.  Es war eine witzige Erfahrung, die man mitgenommen haben muss, besonders weil fast alle Teilnehmer meinten „Ich kann ja nicht singen“.

Heute gibt’s kein Bild, auch wenn ich heute kurz den Eling-Park besucht habe. Es ist zwei Uhr Ortszeit…..

Kultur: Hühner im Bus

Lehrer Yang war auch heute nicht da. Hoffentlich ist es nichts Schlimmes. Wir haben auch heute wieder Fragen für alles Mögliche erlernt und unsere Aussprache verbessert. Was wir noch nicht schaffen, ist Korea und China einwandfrei zu trennen. Beides spricht man „hanyü“, allerdings mit zwei verschiedenen Betonungen, die für uns aber gleich klingen.

Die Vorlesung über chinesische Kultur entpuppte sich leider als weitere Stunde zur Kalligraphie. Wir hätten doch zu gerne eine Teezeremonie abgehalten… Die Geschichte der Schönschrift lässt sich einfach zusammenfassen (wenn man sich nicht zu genau damit beschäftigt und Satire mag): Mal kann man es lesen und mal nicht. Mal wird gerade und mal wird kursiv geschrieben. Die kursive Schrift wurde uns dann auch vorgeführt. An der Tafel entstand ein Kunstwerk: Ein in China bekanntes Gedicht. Aber wir durften auch wieder den eigenen Pinsel schwingen.

Das deutsche Quartett machte sich nach der Vorlesung auf den Weg in die Stadt. Wir legten den Weg aber nicht ganz mit dem Bus zurück, denn heute stand für uns die Seilbahn auf dem Programm. Sie überspannt den Jangtse und lässt interessante Einblicke in hochgewachsene Straßenzüge sowie schöne Aussichten über den Fluss zu. Auch wenn die Fahrt schnell geht ist die Seilbahn kein täglich zu nutzendes Transportmittel. Mit 10 Yuan ist sie viel teurer als der Bus, der über die nahegelegene Brücke fährt. Auch den Blick von der Brücke haben wir uns nicht nehmen lassen. Im Dunkel der Nacht leuchten die Flussfahrtschiffe und die Stadt in vielen Farben.

A propos Bus: Zwei lebende Hühner mit zusammengebundenen Beinen zählen scheinbar als Handgepäck, wie der restliche Einkauf vom Markt eben auch. Das war bisher das Unüblichste, das wir in den öffentlichen Verkehrsmitteln gesehen haben. Dass man in China brav Schlange steht, wenn man einen Sitzplatz im Bus will und man zwei Yuan pauschal zahlt, egal wie lange man fährt, klingt dagegen normal.

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Chinesiche Kunst die 2.

Der Unterricht am Vormittag fand heute bei uns zum ersten Mal nicht bei Herrn Yang statt. Der war wegen einer medizinischen Untersuchung nicht da. Sein weiblicher Ersatz nahm uns gleich mit Pīnyīn (Lautschrift in europäischem Alphabet) und Aussprache hart ran. Da weht ein anderer Wind, was nicht negativ für uns ist. Neben Sprachen und Ländern lernten wir, zu fragen wohin jemand geht.

Die zweite Kunststunde stand ab 15 Uhr an. Statt Papier zu bemalen wurde es heute zerschnitten. Feinste Schnitte können zu extrem schönen und aufwendigen Bildern führen, von denen uns auch Beispiele präsentiert wurden. Wir beschränkten uns zuerst auf eine einfache symmetrisch ausgeführte Einführung. Ein quadratisches Papier wird hierbei in die Form von 吉吉 (gesprochen jíjí), dem doppelten Zeichen für Glück gebracht. Rote Farbe (die das Papier übrigens auch loslässt wenn es feucht wird) steht ebenfalls für Geldsegen, Glück und Freude. Dieses Zeichen wird traditionell an die Türe eines frisch verheirateten Paares gehängt, ist aber auch anderswo anzutreffen. Eine Anleitung um es selbst herzustellen findet sich hier.

Natürlich versuchten wir unser Können auch an komplizierteren Formen wie Blumen. Hierzu wird das Quadrat mittig in ein Dreieck gefaltet und dieses wieder in ein halb so großes Dreieck. Dann wird dieses Dreieck kompliziert gedrittelt, geschnitten und wieder aufgefaltet. Fertig ist ein blumenförmiges, rundliches Muster. Auch andere Faltungen sind möglich und die Kreativität grenzenlos. Fast so wie die Anzahl an herumfligenden roten Papierschnipseln.

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Kalligraphie mit Pinsel und Tusche

Der Unterricht am Vormittag erweiterte unser Wissen um die Fragen „Was ist das?“ und „Wem gehört das?“. Außerdem erklärte uns Lehrer Yang, wie man gebratenen Reis mit Ei kocht: Eier durchmischen (geht mit Stäbchen wenn mans kann), grüne Gemüsezwiebeln kleinschneiden und untermischen, salzen. Öl im Wok heiß werden lassen, dann eine Prise Salz reinwerfen (dann spritzt es angeblich nicht so). Die Eier anbraten und zerkleinern, gekochten Reis dazugeben und auch mit anbraten. Klingt so, als müsste man das zuhause mal testen, auch wegen der fehlenden Mengenangaben.

Am Nachmittag ging es nicht um Kochkunst sondern um die Kunst des Schönschreibens. Wir durften mit Tusche und Pinsel zuerst die Grundstriche der chinesischen Kalligraphie austesten. Kunstwerke können wir damit noch nicht herstellen, aber unseren Namen können wir schon in den Schriftzeichen aufs Papier bringen. Wer es genau machen will, sollte ein paar Regeln beachten. Zum Beispiel sollte ein Zeichen immer irgendwie quadratisch werden. Und seine einzelnen Striche müssen in einer ganz genau festgelegten Reihenfolge gemalt werden. Dazu muss man wissen, aus wie vielen Strichen das Zeichen besteht (auch Wörterbücher kann man nach Anzahl der Striche sortieren). Solche Sachen sind natürlich auf die kurze Zeit unseres Kurses nicht erlernbar. Spaß hat es trotzdem gemacht.

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Besuch bei den Pandas

Tatsächlich, das Militär ist fertig. Aufstehen muss man trotzdem, der Chinesisch-Unterricht will besucht sein. Heute haben wir gelernt, dass chinesische Familiennamen oft genauso ausgesprochen werden wie ein Tier (Ochse, Schaf, Pferd), aber ein anderes Schriftzeichen haben. Andere Namen lassen sich einer Region zuordnen, manche gehen auf die Vorfahren zurück. Kompliziert….

Am Nachmittag stand der Besuch bei den Pandas im Zoo auf dem Programm. Die helle Fellfarbe ist nicht rein weiß so wie in diversen Filmen, sie ist eher dreckig weiß. Dass ihnen Bambus schmeckt, stimmt aber. Er schmeckt auch manchen Menschen: Bambussprossen finden auch in der chinesischen Küche Verwendung.

Der Aufenthalt war etwas kurz, um alle Tiere anzusehen. War vielleicht auch besser so. Während die Pelikane auf dem Wasser herumschwimmen und dem Besucher nahe kommen können, sind andere Tiere wie Menschenaffen und Tiger durch Stromzaun und Glas vom Menschen getrennt. Die Gehege sind zu klein und unserer Meinung nach oft ungeeignet: Zum Beispiel stehen die Zebras nicht auf Gras. Das Yak [2. Bild, links des Zaunes] und viele andere haben nicht viel Auslauf. Der europäische Rotfuchs muss sich mit geschätzt 6 m² begnügen, hinter Gitter wohlgemerkt.

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Caribbean Waterpark

Das Miltiär IST ein Wecker. Kein guter, aber ein zuverlässiger. Und wenn man schon nicht mehr schlafen kann, kann man zumindest zuschauen. Das hat sich auch gelohnt, denn heute war scheinbar der letzte Tag, an dem alles perfekt Einstudierte ein letztes Mal aufgeführt wurde. Zumindest flogen nach Marschieren und Theater spielen die Mützen der Auszubildenden. Theater? Ja, das Militär demonstrierte, wie mit Attentätern umgegangen wird, die in einen Kursraum eindringen und eine Geißel nehmen. Ob das zu Anschauungszwecken dient, wie man sich verhält und dass man sich mit einem Stuhl (dessen Beine in Richtung des Angreifers zeigen) gut verteidigen kann oder einfach nur Eigenlob sein soll, ist uns leider nicht bekannt.
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Bekannt ist uns nun aber, dass es zwei Kilometer von der Uni entfernt einen Wasserpark gibt – einfach der Straße nach Norden folgen. Ein dreisitziges Motorradtaxi brachte uns zu unserem Treffen mit einer chinesischen Couchsurferin und zwei Freunden. Zum Studentenpreis verbrachten wir etwa 6 Stunden mit Wellenbad und Wasserrutschen. Egal ob mit Teppich, Gummifloß, vorwärts oder rückwärts, fast senkrecht oder kindgerecht: Alles ist zu befahren/berutschen wenn man sich nur anstellt. Nur im Wellenbad gibt es keine Schlange. Hier kann jeder einfach so rein. Natürlich nur mit Schwimmreifen, denn die meisten Chinesen können nicht schwimmen.

Warum nicht? Nur wenige Chinesen wohnen überhaupt an großen Gewässern, besonders in den Bergen mangelt es daran. Schwimmunterricht gibt es in der Schule nicht, dazu ist die Sportart wohl zu unpopulär. Und im Freibad wird man braun, was nicht als schön empfunden wird. Deshalb findet man hier auch alles vom minimalen Bikini bis hin zum „Schwimmkleid“ und anderen verhüllenden Oberbekleidungen.

Zurück ins Wasser: Ohne einen eigenen Reifen wird es schon manchmal eng. Auch dicht gedrängt ist man im Umkleidebereich, der eigentlich nur aus Duschen besteht und wenige kleine Bänke enthält – nicht vergleichbar mit einer deutschen Massenumkleide, aber ok. Auf dem Nachhauseweg legten wir einen Stopp bei einem kleinen Restaurant ein. Alle anderen Läden und Stände hatten schon geschlossen. Sie verkaufen meist, wer hätte es gedacht, Schwimmbekleidung und Schwimmringe. Schwimmflügel, Schwimmwesten, Gummitiere und Wasserpistolen sind komischerweise seltener.
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Weltkulturerbe im Schnelldurchgang

Früh aufstehen am Wochenende ist nicht Jedermanns Sache. Doch alle Teilnehmer nahmen an der Tour zu den „Dazu Rock Carvings“ teil. Der Bus brachte uns aus der Stadt, was ewig gedauert hat. Diese Stadt ist einfach so riesig, dass es mehrere Innenstädte gibt (für jeden Stadtteil eine) und ein Zentrum ganz in der Mitte. Doch nach einer 2,5-stündigen Fahrt erreichten wir Dazu. Zuerst besichtigten wir im Schnelldurchgang (20 Minuten) einen alten Stadtteil, in dem der Lokaladministrator seinen Sitz hatte.

Eine halbe Stunde Fahrt später kamen wir an unserem eigentlichen Ziel an und wir mussten nur noch eine halbe Stunde laufen. Über Artikel aus der Heimat wie diesen hier können wir dabei übrigens nur lachen, denn „feuchte Heißluft“ heißt hier 60% Luftfeuchte und 30°C Minimum – dauerhaft.

Doch dann sahen wir die uralten Steinskulpturen, die in den Wänden des Berges Baoding saßen. Sie erzählen Buddhistische Geschichten über die Wiedergeburt und andere Themen. Bemerkenswert ist der frisch renovierte „Buddha mit 1000 Armen“. Vor der Renovierung blätterte das Gold ab, wie auch bei manchen anderen Statuen, die wir sahen. Doch nun erstrahlt sie in altem/neuen Glanz. Gleich daneben: der größte liegende Buddha der Umgebung. Steinerne Wächter und Parabeln, Drachen und viele kleine Buddhastatuen säumen den Weg. Die vielen Symbole wurden zwar auf der Führung erklärt, doch war der Aufenthalt nicht von Freizeit geprägt. Nur 10 Minuten bekamen wir nach kurzem Verhandeln, um uns die farbigen Skulpturen nochmal näher ansehen zu können. Zu wenig für ein Weltkulturerbe!

Nach einem Mittagessen fuhren wir auch schon zurück durch die hügelige Landschaft, in der meist Bauern leben. Sie pflanzen Getreide, Mais oder Trauben (die gerade Saison haben).

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Der alte Stadtteil Ciqikou

Leider wurde der Film von gestern im Unterricht nicht fortgesetzt – egal, wir haben ja sowieso nix verstanden. Dafür hat uns Lehrer Yang nach Vokabeln und Aussprachetraining einen seiner Auftritte gezeigt. Er singt gerne und so versucht er auch, uns ein paar Lieder beizubringen.

Da am Freitagnachmittag immer frei ist, hat sich das deutsche Quartett entschlossen, nochmals nach Ciqikou zu fahren. Diesmal auf eigene Faust, also mit dem Bus bis Nanping und von dort aus mit der U-Bahn zum Ziel. Im Untergrund unterwegs zu sein ist einfach, übersichtlich und ausländerfreundlich (Stationsnamen in der Lautschrift Pinjin zum Beispiel). Kein Zeitdruck gegenüber dem letzten einstündigen Aufenthalt und weniger Leute waren der Lohn. Gemütlich konnten wir durch die kleinen Gassen schländern und einige Geschäfte genauer betrachten. Es gibt viele kleine Geschäfte, die aber irgenwie das gleiche verkaufen. Essbares, Chilis, Haarnadeln, Fächer und diverse Andenken werden feil geboten. Hier gibt es an manchen Orten noch den Marktschreier, teilweise elektronisch verstärkt oder gleich vom Band. Wer ausgefallende Andenken sucht, kann auch fündig werden. Je weiter man dem großen Strom der Touristen entrinnen kann desto besser und ruhiger wird es.

Die Fahrt zurück war nicht ganz so angenehm wie die Anreise, da wir den Berufsverkehr und die vielen Umsteiger zwischen den U-Bahnlinien zu spüren bekamen. Die Bushaltestelle zu finden war auch nicht einfach, da sich die Straße an unserer Haltestelle in zwei Einbahnstraßen teilt, die weit voneinander getrennt verlaufen: Der ganze Busbahnhof Nanpin liegt dazwischen und wir fahren nicht von diesem ab. Doch dank dem Charme meiner drei Mitreisenden halfen uns die angesprochenen Chinesen gerne weiter.

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Wieder Wushu

Der Vormittag verlief ruhig. Wir lerneten erneut Vokabeln und sahen eine halbe Stunde lang einen Film von Jackie Chan. Da der Film auf chinesisch war und chinesische Unterttel hatte, sind wir uns über die Handlung sowie den Filmtitel nicht ganz im Klaren. Wir hoffen trotzdem, dass Morgen eine Fortsetzung folgt.

Am Nachmittag bauten wir unsere Wushu-Kenntnisse weiter aus. Wieder mit dem selben Aufwand an Schweiß, aber auch dem selben Spaß wie vor wenigen Tagen. Doch wir sind nicht die Einzigen auf dem Campus, die diese Kampftechnik erlernen. Jeder Student im ersten und zweiten Semester muss an militärischen Übungen teilnehmen. Dazu zählt

  • marschieren (Formen wie ein Stern inklusive)
  • in der Sonne herumstehen (das Schlimmste laut Erzählungen)
  • ausländische Studenten mit lautem Geschrei wecken (weil die länger als 7 schlafen und der Übungsplatz versehentlich nebenan ist)
  • rythmisches Bewegen in Form von Wushu

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Essen ist fertig!

Am Vormittag haben wir diverse Vokabeln besprochen, die uns bei späteren Restaurantbesuchen noch helfen werden. Dazu gehören zum Beispiel das Zeichen für Schweinefleisch und Huhn. Damit wir auch kulturell gesättigt den Klassenraum verlassen, haben wir uns eine Tanz-Aufführung des „tausendarmigen Buddha“ angesehen. Natürlich hatten wir nach dem Unterricht Huger und sind erstmal Essen gegangen. Das wenige Chinesisch reicht uns jetzt schon immerhin, um nicht zu verhungern.

Am Nachmittag stand wieder ein kalorienreiches Thema an. Die Lobby des Studentenwohnheims wurde in eine Küche verwandelt: Einige Tische zum Zubereiten und einige Töpfe zum Kochen wurden aufgestellt. Wir durften dann selber jiǎozi 饺子 herstellen. Aus Mehl und Wasser wird ein Teig gefertigt, der rund ausgestochen wird (kann man auch kaufen). Darin wickelt man Fleisch, vermischt mit Gemüse, Gewürzen und Ei ein. Ähnlich einer Maultasche wird die Sache durch zusammendrücken der Ränder verschlossen. Nach dem Kochen kann man die jiǎozi mit Soße oder ohne essen.
Nicht verwechseln sollte man jiǎozi mit den bāozi 包子. Die sind ähnlich wie Dampfnudeln und auch extrem lecker. Sie sind zwar auch aus Teig gefertigt und gefüllt, aber größer und gedämpft. In Englisch werden sie meist als dumpling bezeichnet.
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