Israel-Exkursion 2017

Inter-religiöse Begegnungen in Israel und Palästina

Inhalt

Tag 2: Der Nachmittag und Abend

Nach dem wunderbaren Mittagessen und dem aufschlussreichen Gespräch bei Frau Faten Mukarker, setzen wir unsere Reise mit dem Reisebus fort.

Unser nächstes Ziel: Herodium.

Schon von weitem sieht man nach einigen Wohngebieten einen großen Berg, der sich in der Landschaft erhebt. Maurice erklärt uns, dass es sich um einen teilweise künstlich errichteten Berg handelt.

Am seinem Fuße sind schon die ersten Ausgrabungen zu sehen, doch das eigentliche Ziel ist der Gipfel des Berges. Auf diesem hatte sich einst König Herodes eine Festung als königlichen Palast erbauen lassen, außerdem sollte dieser Ort auch seine Grabstätte sein.

Wir erfahren in einem Film im Informationszentrum, dass der König sich in einem Mausoleum hatte prunkvoll bestatten lassen.

Danach geht es einen steilen Fußmarsch hinauf zum höchsten Punkt des Berges. Doch schnell wird klar, dass sich der Anstieg in der prallen Sonne durchaus bezahlt gemacht hat: Unter uns erstreckt sich eine atemberaubende Aussicht über die umliegende  Umgebung.

Wir nutzen die Zeit – wie immer – für ein paar schöne Fotos und setzen unseren Weg fort in die Ausgrabung, die sich in der Mitte des Berges befindet.

Nach einer kurzen Pause im Schatten des Empfangssaals betreten wir die unterirdischen Tunnelgänge des Herodiongrabes, die uns zum Ausgang des Mausoleums und somit wieder ans Tageslicht führen.

Nächster Halt: Die Hirtenfelder mit der Verkündigungsgrotte

Wir betreten eine kleine Parkanlage. Der Weg ist umsäumt von Olivenbäumen, Grillen zirpen. Im Herzen des Parks befindet sich ein Brunnen, geschmückt mit Hirtenmotiven und Schafen. Von hier aus gehen wir in eine Grotte mit einer kleinen Kapelle.

Dies ist der Überlieferung nach der Ort, an dem den Hirten die Geburt Jesu verkündigt worden war. (Lukas 2,8-20)

In der Kapelle singen wir eine selbstverfasste Version des Liedes „Stern über Bethlehem“ und bekommen auf diesem Weg Informationen über Bethlehem.

Hier finden wir außerdem eine Krippe, an der sich unsere bekannten Weihnachtskrippen orientieren.

Jesu Geburtskirche

Etwas müde erreichte die Reisegruppe am Nachmittag die Geburtskirche in Bethlehem. Von außen ist es ein imposantes und helles Bauwerk, die Atmosphäre war eher ruhig. Einige Straßenverkäufer boten ihre Waren feil. Ein Eingang nicht höher als ein durchschnittlicher Zweitklässler führte uns in das Innere des sagenumwobenen Geburtsortes Jesu. Innen verdeckten Bauplanen die facettenreichen Kunstwerke an Wänden und Decke. Dennoch, der Weihrauchgeruch dieses orthodoxen Ortes trat uns in die Nase, und von Maurice geführt stellten wir uns zunächst in der Reihe für die Besichtigung der Grotte an. Vor uns befand sich eine slowenische orthodoxe Gruppe, die, vom eigenen Priester geführt, in die Grotte hinabtrat. Unter religiösen Gesängen, die den kleinen, eher stickigen Raum erfüllten, küssten alle den Stern, an dem die Geburt Jesu verortet sein soll. Die restliche Einrichtung blieb auch nicht von Küssen und Liebkosungen verschont. Wir hielten uns dezent zurück, um die Andacht nicht weiter zu stören, und verließen nach einigen Eindrücken und Fotografien wieder die Tiefe. Die frühabendliche Sonne warf ein warmes Licht auf den wunderschönen Innenhof, in dem gerade eine Tauffeier zelebriert wurde. Ein interessanter Fakt war, dass die frühchristliche (mittlerweile orthodoxe) Kirche auf dem Geburtsort Jesu errichtet wurde, und die katholische ihre Heiligen in der Grotte unter ihrem Bauwerk, die auf dem gleichen Platz zu finden ist, begrub. Hieronymus, ein berühmter Kirchenvater, hatte in einer der Grotten eine Bibliothek, in der er die griechische Bibel in das Lateinische übersetzte (Vulgata).

Gespräch mit Suleiman und Dana Abu Dayyeh

Gegen 20.30 Uhr traf sich die Reisegemeinschaft frisch gestärkt mit Suleiman und Dana AbuDayyeh. Herr AbuDayyeh studierte in mehreren deutschen Städten Wirtschaft und Sozialwissenschaften. Er engagierte sich Zeit seines Lebens in Politik und Gesellschaft und arbeitet derzeit für die Friedrich-Naumann-Stiftung. Seine Tochter Dana studiert momentan in Berlin die Studiengänge Publikation und Politische Bildung. Sehr demokratisch und diplomatisch legen die beiden ihre persönliche Stellung dennoch klar offen. Mit interessanten Anekdoten gespickt, eröffnen sie uns ein Stück ihrer Lebenswirklichkeit. Zur momentanen Lage gilt, dass es weder Krieg noch Frieden gäbe und sich morgen der Sechs-Tage-Krieg bereits zum fünfzigsten Mal jähre. Sie beschreiben den Zionismus als Zentralproblem. Dem derzeitigen Staat Israel spricht er eine religions- bzw. ethnodemokratische Haltung zu. Er selber lebe seit mehr als zwanzig Jahren mit seiner Frau zusammen in Jerusalem, und sein Antrag auf einen israelischen Status unterläge nach wie vor der jährlichen Pflicht der Verlängerung. Er sei zwar steuerpflichtig wie jeder andere, trotzdem ist er irgendwie doch nur geduldet. Dana beschrieb uns ihre Sicht in klarer Abgrenzung mit ihren Erfahrungen aus Berlin. Checkpoint-Kontrollen bestimmen hier den Alltag. Auf einem Camp mit dem Ziel des interreligiösen Dialoges lebte sie zwei Monate mit einer Jüdin in einem Zimmer zusammen. Am Ende der Zeit wollte sie wissen, ob sie sich, würden sie sich auf einem Checkpoint in anderen Rollen wiedertreffen, der gleichen Kontrolle unterziehen müsse wie andere Palästinenser. Das jüdische Mädchen antwortete: „Natürlich, weil am Ende bist du auch nur eine Palästinenserin!“

(Bilder und Text: Clara Thummernicht und Ines Rottammer)