Israel-Exkursion 2017

Inter-religiöse Begegnungen in Israel und Palästina

Inhalt

Tag 4: Der Nachmittag

Nach dem spontanen und anstrengenden Gespräch mit dem Rabbiner freuten wir uns sehr auf eine Pause und das Mittagessen. Hier entschieden wir uns, das jüdische Viertel zu erkunden und die dort angebotenen Köstlichkeiten zu probieren. Neben den typischen Burger-Läden und europäisch angehauchten Restaurants entdeckten wir auch landestypisches Essen. Wir – eine kleine Gruppe von vier Mädels – entschieden uns für eine landestypische Bäckerei in einer Seitengasse, abseits des Trubels am Hauptplatz. Dort probierten wir uns einmal quer durch die herzhaften und süßen Backwaren und stärkten uns bei einem netten Gespräch mit einem guten Kaffee für die nächste Station.

Um 14.30 Uhr trafen wir uns wieder mit der Gruppe am Hauptplatz und shoppten noch kurz ein paar jüdische Souvenirs, bevor uns Maurice zum Western Cardo führte, welcher quer durch das jüdische Viertel verläuft. Die liebevoll restaurierte Nord-Süd-Verbindungsstraße aus der Römerzeit war ein Handelsplatz mit unterirdischen Abwasserkanälen, der auch heute noch zum Shoppen einlädt. Besonders beeindruckend war das Wandgemälde mit 3D-Effekt, das eine Szene aus der damaligen Zeit darstellt. Wenn man aber genau hinsieht, entdeckt man auf dem Bild ein kleines Mädchen, das einem Jungen einen Granatapfel überreicht. Dieser Junge ist allerdings etwas anders als die übrigen Menschen auf dem Bild. Er entstammt unserer Zeit! Beeindruckend war auch die Mosaikkarte von Madaba, die als älteste im Original erhaltene kartografische Darstellung des Heiligen Landes bedeutende Bauwerke in Jerusalem abbildet.


Unsere nächste Attraktion war die Davidstadt, die laut unserem Reiseleiter nicht zum Standardprogramm einer Touristengruppe gehört. Kaum erreicht, fanden wir uns unter vielen einheimischen lautstarken Schulklassen wieder. Hauptattraktion ist der Hiskia-Tunnel, ein 500 Meter langer Durchgang, der mit 70 cm hohem Wasser gefüllt ist. Beim langatmigen Anstellen fragten wir uns schon, warum die Kinder allesamt mit Taschen- und Stirnlampen ausgestatten waren?! Bald fanden wir es heraus …! Wir wateten durch einen stockdunklen Gang, der durch die Orientierungslosigkeit, den rutschigen Untergrund sowie Kurven und unterschiedliche Ganghöhen zum Abenteuer wurde. 25 Minuten im Nass und teilweise nur 40 cm breite Spalten werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Einfach nur GENIEßEN – diesen Tipp gab uns unser Reiseleiter am Einlass des Tempeltunnels.

Besonders beeindruckend war die lebhafte Darstellung von Maurice über den Bau des Tempels am Stein der Schöpfung bzw. der Stelle, wo Abraham seinen Sohn Isaak opfern sollte. Dort baute David einen Altar, der später von einem mächtigen Plateau überdeckt wurde. Während die Klagemauer sehr bekannt ist, kennen die unterirdischen Gänge vermutlich deutlich weniger Menschen. Dieses Tunnelsystem wurde von König Herodes in Auftrag gegeben, der den zweiten Tempel ausgebaut und deutlich prachtvoller gestaltet hat. Nachdem die Gänge verschüttet wurden und muslimische Wohngebiete entstanden, wurde der Tunnel im 19. Jahrhundert während der Ausgrabungen an der Klagemauer wiederentdeckt. Beeindruckend ist, dass vom oberen Teil der Klagemauer nur 60 Meter zu sehen sind, unterirdisch jedoch ein fast 500 Meter langer Teil freigelegt werden konnte. Dies führt allerdings zu Konflikten zwischen Juden und Moslems. Da es Nicht-Muslimen nicht gestattet ist, auf dem Gelände des Tempelbergs zu beten, jedoch an der Klagemauer, sehen es Juden als ihr Recht an, auch an den unterirdischen Gängen der Klagemauer zu beten. Dies ist wiederum eine Provokation für Muslime, die ihre Häuser oberhalb der entdeckten Gänge gebaut haben. Geographisch befindet sich der Tunnel zwischen Klagemauer und Via Dolorosa.

Am Ende machten wir uns nach zwölf Stunden Exkursion und mit neuen Erfahrungen auf den Rückweg zum Hotel.

(Bilder und Text: Andrea Klein und Verena Leithel)