Israel-Exkursion 2017

Inter-religiöse Begegnungen in Israel und Palästina

Inhalt

Tag 5: Der Vormittag und Nachmittag

  1. Der heutige Vormittag startete mit einem wichtigen und emotionalen Thema. Wir besuchten Yad Vashem, die zentrale Gedenkstätte für die Opfer der Judenvernichtung des Holocaust. Neben dem Museum besichtigten wir die Halle der Erinnerung, die Allee der Gerechten, die Säule des Mutes, die Kindergedenkstätte sowie das Tal der Gemeinden.

Durch viele originale Ausstellungsstücke und die bewegende  Dokumentation von Einzelschicksalen zeigt die Gedenkstätte den Schrecken der Vergangenheit. Durch die positiven Beispiele von Menschen, die Juden geholfen haben, wird Hoffnung spürbar. Dieser Ort macht deutlich, dass wir als zukünftige Lehrkräfte die Pflicht haben, diese Thematik mit Schülerinnen und Schülern weiter aufzuarbeiten.

Gedanken, die die Studierenden nach dem Besuch bewegten:

„Dieses Thema ist ein wichtiger Teil unserer Geschichte, die immer wieder aufgearbeitet werden muss, um in Erinnerung zu bleiben, und damit wir für die Zukunft lernen: A country is not just what it does – it is also what it tolerates…“ (Kurt Tucholsky) Unsere Mitmenschen und was in der Welt passiert darf uns nicht egal sein!“

„Eine bewegende Ausstellung mit vielen Orginalausstellungsstücken. Vor allem die Zeitzeugenberichte haben einen sehr berührt.“

„Ich war bereits vor zwei Jahren in Yad Vashem. Damals habe ich mich geschämt, Deutsche zu sein, auch wenn unsere Generation keine Schuld trifft. Die gesamte Gedenkstätte ist ein emotionaler Ort und versucht, einen schrecklichen Teil der Geschichte aufzuarbeiten. Beeindruckend finde ich das Children’s Memorial. Trotz der vielen Eindrücke bleibt die Zeit des Nationalsozialismus für mich unvorstellbar.“

„Im ganzen Museum herrschte eine sehr bedrückende Stimmung. Ich habe mich als Deutsche sehr unwohl gefühlt.“

Im Anschluss an die Gedenkstätte Yad Vashem war eine Verschnaufpause nötig. Bei Falafel und Beilagen konnte die Reisegruppe ihre gesammelten Eindrücke austauschen und aufarbeiten.

Am Nachmittag trafen wir in der Dormitio in Jerusalem den deutschen Benediktinermönch Pater Nikodemus Schnabel zum Gespräch. Der Nahostkonflikt sowie die Situation der Christen im Heiligen Land waren Themen, die uns Studierende interessierten und zu denen er offen seine Meinung darlegte. Durch seine langjährigen Erfahrungen als Seelsorger in sowohl israelischen als auch palästinensischen Gebieten kommt er zu dem Schluss, dass beide Seiten eine durchaus in sich geschlossene und nachvollziehbare Sichtweise haben. Für Israelis spielt das Sicherheitsnarrativ eine wichtige Rolle, dagegen steht das Freiheitsnarrativ der Palästinenser. Laut Pater Nikodemus lässt sich die Leidensspirale und jeweilige Opferrolle nur durch eine emotionale, nicht politische Lösung durchbrechen. Er kann die Positionen beider Parteien nachvollziehen, ist jedoch weder pro-israelisch noch pro-palästinensisch, sondern pro-Mensch. Ein besonderes Anliegen ist für ihn die Ökumene. Ein für ihn vorbildliches Beispiel geben die christlichen Gemeinden im Gazastreifen. Gemeinsame Gottesdienste und Feste gehören dort zum Alltag. Diese Gemeinden sieht er in diesem heiklen Gebiet als Ruheoasen.

Am Nachmittag besuchten wir abschließend das 1965 gegründete, modern gestaltete Israel-Museum. Neben Kunst- und Archäologiesammlungen sind dort auch Teile der Schriftrollen von Qumran aufbewahrt und dokumentiert.

(Bilder und Text: Carolin Simon und Larissa Brenner)