Israel-Exkursion 2017

Inter-religiöse Begegnungen in Israel und Palästina

Inhalt

Tag 8: Der Vormittag

Mit dem reparierten Bus sowie laufender Klimaanlage wurden wir, wie jeden Tag, von unserem begnadeten Busfahrer Ali durch jede noch so enge Gasse sicher gefahren. Auf dem Weg zu unserem ersten Ziel am frühen Morgen durften wir zunächst einen Blick auf die Golanhöhen werfen. Hierbei handelt es sich um ein Hochplateau mit tollem Blick auf den See Genezareth. Dort gibt es viele Rinderfarmen, Obstplantagen und Weinberge zu sehen. Für Israelis ist dieses Gebiet ein beliebtes Urlaubsziel. Während des Sechstagekriegs im Jahre 1967 besetzte Israel das Gebiet und vertrieb 90% der Einwohner.

Uns bewegt, dass genau heute vor 50 Jahren der Krieg endete und überall in der Region noch Zeugnisse dieses Konflikts zu sehen sind.

Danach konnten wir in Banyas die Jordanquellen sowie das eindrucksvolle Pan-Heiligtum besichtigen. Bei schönstem Wetter und angenehmen 25 Grad bestaunten wir die Ruinen, die einst der Sohn des Herodes, Philippus, hatte bauen lassen. Benannt ist das Heiligtum nach dem Gott des Waldes und der Hirten: „Pan“. Laut einer Überlieferung hatte er seine Freude daran, den Frauen beim Baden in den Jordanquellen zuzusehen und ihnen auch gerne mal die Kleider zu klauen.

Wir durften unsere Kleider zum Glück behalten.

Von dem damaligen Heiligtum (19 v. Chr.) sind heute nur noch Überreste zu sehen. Eine Grotte in der Mitte des großen Felsens, so heißt es, war das Tor zur „Unterwelt“. Je nach dem, wie trüb das Wasser war, das aus dieser Grotte kam, so glaubte man, mussten weitere Opfer erbracht werden. Dies wurde so lange zelebriert, bis das Wasser wieder klar in den Jordan floss.

Es ging weiter – auf zur christliche Gemeinde unseres Reiseführers in Mi’ilya.

Die Straße dorthin war nur wenige Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt. Häuser und Landschaft des Nachbarlandes waren zu erspähen. Unterschwellig war ein mulmiges Gefühl der Gefahr wahrzunehmen.

Angekommen in Mi’ilya, erfuhren wir, dass es in ganz Israel nur zwei Dörfer gibt, in denen nur Christen leben. Mi’ilya ist eines davon. 2800 Einwohner wohnen dort in freundschaftlicher und familiärer Gemeinschaft. Viele von ihnen sind hochgebildet und haben einen akademischen Hintergrund. Junge Christen von dort studieren in Israel oder im Ausland.

Uns überraschte der große überdachte Vorplatz der Kirche. Während des Gespräches in der doch etwas kleinen Kirche wurde uns bewusst, warum. In ihr ist kein Platz für die 3000 Gemeindemitglieder, die regelmäßig den Gottesdienst besuchen. Denn im Gegensatz zu unseren Gottesdiensten in Deutschland erscheinen Jung und Alt äußerst zahlreich. Um dem Andrang gerecht zu werden, erscheint ein solcher Vorplatz mehr als notwendig. Die Kirche wurde im Jahr 1846 renoviert und ist vom byzantinischen Stil geprägt.

Der Gottesdienst dauert etwa 1,5 Stunden und ist an die Ostkirchenliturgie angelehnt. Das bedeutet, dass der Pfarrer, je nachdem, ob er eine Bibel in der Hand hält oder nicht, verschiedene Wege zum Altar nimmt. Denn nur mit dem „Wort“ und dem Kelch geht er auf dem direkten Weg dorthin. Ansonsten nähert er sich dem Altar über einen der Seitenzugänge. Frauen haben jedoch keinen Zugang.

Natürlich ergab sich auch hier ein Gespräch über den Konflikt, worauf der Pfarrer sagte: „Wir nutzen keine Waffen – das Gebet ist unsere Waffe“. Er wird von allen nur „Abuna“ genannt, was so viel bedeutet wie „Vater“. Auch er unterliegt dem Schicksal, ein Flüchtling im eigenen Land zu sein. Seit nun elf Jahren ist er Pfarrer der Gemeinde, verheiratet und hat vier Kinder.  An unsere fleißigen Leser sollen wir von ihm eine Nachricht überbringen: „Hiermit lade ich Sie ein, zu übernachten, um die christlichen Menschen hier vor Ort kennenzulernen und mit ihnen in Dialog zu treten“.

(Bilder und Text: Laura Stelzer und Alina Warling)