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260 Jahre Bergkirchweih – Ein Blick zurück

Ansicht der Bergkirchweih 1853

Ansicht der Bergkirchweih 1853. Bild: Wiki-Commons

Auch dieses Jahr werden wieder Tausende Menschen den Ruf des Berges folgen und einige feucht-fröhliche Stunden an den verschiedenen Kellern der Erlanger Bergkirchweih verbringen. Wo man hinblickt sieht man Menschen in Dirndl und Lederhosen. Dass das so gar nicht typisch Bergkirchweih ist, zeigt ein Blick zurück in die Vergangenheit des nun schon 260 Jahre währenden Traditionsfestes. 260 Jahre heißt in diesem Fall aber nicht gleich 260-mal Bergkirchweih, denn während der Hungersnot 1770-1772 sowie während der Zeit des ersten und zweiten Weltkriegs fand keine Bergkirchweih statt.

Die Entstehung der Erlanger Bergkirchweih – Eine Kirchweih, die gar keine ist

Schon seit dem 15. Jahrhundert gab es das Vogelschießen der Altstädter Schützen an Pfingsten, die ab 1729 ihr Schießhaus in der Nähe der Felsenkeller hatten. 1755 wurde dieser Event mit dem Pfingstmarkt, der vorher in der Altstadt stattfand, zusammengelegt. Darüber hinaus boten die Felsenkeller am Burgberg, die im 16. Jahrhundert entstanden waren, den perfekten Ort, um die immer zahlreicher werdenden Besucher zu versorgen. Später bekam der Pfingstjahrmarkt wohl auf Druck der Erlanger Kirchenväter seinen heutigen Namen „Bergkirchweih“ – eigentlich eine Kuriosität, denn es handelt sich weder um ein Fest zur Weihe einer Kirche, noch um einen richtigen Berg, eher einen Hügel. Dennoch hat sich der Name etabliert und ist weit über die Erlanger Stadtgrenzen hinaus bekannt. Übrigens ist auch nicht bekannt, woher der Burgberg seinen Namen hat, da dort nie Überreste einer Burg gefunden wurden.

Menschenmassen strömen in den 80ern zum Berg - auch hier noch kein Dirndl weit und breit. Foto: Hilde Stümpel

Menschenmassen strömen in den 80ern zum Berg – auch hier noch kein Dirndl weit und breit. Foto: Hilde Stümpel – www.berch.info

Seit den Anfängen befindet sich der Berg im stetigen Wandel der Zeit. Einst wurde mit Waren gehandelt und Schützen konnten  ihre Treffgenauigkeit unter Beweis stellen. Über die Jahre  kamen immer mehr Vergnügungsangebote (Fahrgeschäfte, Live-Music) hinzu, die den Warenhandel ablösten. Auch die Dauer der Bergkirchweih verlängerte sich von Anfangs drei auf zwölf Tage im Jahre 1955.

Doch einige alte Traditionen sind noch heute bemerkbar: Am Donnerstag vor Pfingsten fand immer die Bierprobe statt, wobei entschieden wurde, welches Bier das Beste ist. Heute ist dieser Tag der Anstich, an dem der Oberbürgermeister traditionell das erste Fass anschlägt und den ersten Krug des Hopfensaftes probiert. Aber auch die eigentliche Bierprobe gibt es noch, diese findet 6 Wochen vor Pfingsten statt. Das ehemalige Vogelschießen ist der Grund, warum noch heute am Pfingstdienstag die Erlanger Geschäfte ihre Pforten früher schließen. Der sogenannte „Firmendienstag“ wird dann dazu genutzt, mit der ganzen Belegschaft auf den Berg zu gehen. Seit 1950 wird „Lili Marleen“ als Trauerlied zum Abschied gesungen, dies sollte an die im Krieg Gefallenen erinnern und an die, die noch nicht aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt waren. Auch die legendären Tonkrüge überdauern die Zeit genauso wie die Beliebtheit eines frisch gezapften Bieres. Eine fast schon traurige Konstante in der Geschichte der Erlanger Bergkirchweih ist der stetig steigende Bierpreis.

Bei der Kleidungsfrage scheiden sich die Geister

Grüße von der Bergkirchweih 1900 - schon damals wurde viel geboten. Bild: Wiki-Commons

Grüße von der Bergkirchweih 1900 – schon damals wurde viel geboten. Bild: Wiki-Commons

Die wachsende Beliebtheit des Dirndls und der Lederhosen ist eher ein Phänomen, das ab den 90ern zu beobachten ist. Die Menschen in früheren Zeiten gingen in ihren schönsten Sonntagskleidern auf die Bergkirchweih. Prof. Dr. Georg Seiderer vom Lehrstuhl für bayrische und fränkische Landesgeschichte beschreibt den neuen Trend als eine „anlassgebundene Kostümierung oder Verkleidung“, die nichts mehr mit einem Identifikationsbedürfnis zu tun hat. Gerade im fränkischen Erlangen ist es der neue Trend zur „sexy Tracht“ eher ein Dorn im Auge, da es sich dabei eigentlich um bayrische Kleidungsstücke handelt. Die traditionelle fränkische Tracht, mit ihren langen eher hochgeschlossenen Kleidern sucht man auf dem Berg meist vergeblich. Es ist also definitiv erlaubt auch in Alltagsklamotten mitzufeiern, auch wenn man mittlerweile riskiert, so zur Minderheit zu gehören.

Ob nun mit oder ohne Tracht, im Vordergrund steht am Ende des Tages die Geselligkeit, das gemeinsame Trinken und Singen, um dann um 23 Uhr mit zig Tausenden den Berg hinunter getrieben zu werden und auf einer der After-hours zu versacken. Ein Gefühl, das man einem Außenstehenden nur schwer erklären kann und das bestimmt auch schon vor etlichen Jahrzehnten genau das Gleiche war. In diesem Sinne: Ein hoch auf die fünfte Jahreszeit!

PS: Wichtig für alle, die zu viel Zielwasser getrunken haben: Seit 1923 ist das Werfen von Maßkrügen ausdrücklich verboten!

 

Janine Walter