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Mit Engagement und Spaß zur ausgezeichneten Lehre

Professor Dr. Martin Emmert: „Der Preis hat mich eigentlich mehr gefreut als die meisten meiner Publikationen.“

Jedes Jahr verleiht das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultur, Wissenschaft und Kunst den „Preis für gute Lehre“ an staatliche Universitäten. Diese mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung ging vergangenes Jahr zwei Mal an unsere FAU. Einer der Glücklichen ist Prof. Dr. Martin Emmert, Inhaber der Juniorprofessur für Versorgungsmanagement, mit welchem ich die Ehre hatte ein ebenso interessantes wie aufschlussreiches Interview führen zu dürfen. Freundlich empfing mich Herr Emmert in seinem Büro in Nürnberg. 

Haben sie eine spezielle Definition davon, was gute Lehre zu bedeuten hat?

Dr. Martin Emmert: Es besteht oft ein großer Interessensunterschied zwischen Lehrenden und denen die Zuhören, den Studierenden. Die Klausur soll fair sein, die Vorlesung soll Spaß machen, es soll nicht zu viel Stoff eingebracht werden. Die Liste der Kriterien von einer guten Lehrveranstaltung ist lang und bei niemandem gleich. Für mich bedeutet gute Lehre zunächst das Vermitteln von Wissen. Das ist natürlich obligatorisch, aber dabei geht es mir nicht nur um reine Fakten, sondern auch um Methodenwissen. Wie suche ich systematisch Literatur, wie gehe ich mit Daten um und welche Regeln müssen beachtet werden. Aber das Wichtigste ist, dass man die Persönlichkeiten der Studenten weiterentwickelt. Es geht mir nicht um auswendig lernen, sondern darum, die Dinge kritisch zu sehen, zu reflektieren und auszudiskutieren und dabei unterschiedliche Perspektiven zu beleuchten. Ich möchte Interesse am Fach wecken und die Theorie mit der Praxis verbinden. Am Anfang meiner Vorlesungen wird deshalb zehn Minuten über aktuelle Themen aus Zeitungen, der Tagesschau oder den Wahlprogrammen von Parteien diskutiert.

Haben sie sich aktiv ein Konzept für das Unterrichten von Studenten erarbeitet?

Dr. Martin Emmert: Mein Konzept ist eine Mischung aus aktiver Gestaltung und Erfahrungen aus der eigenen Studienzeit. Ich würde nicht sagen, dass ich der innovativste Lehrende bin. Vielmehr versuche ich, die Leute zu motivieren, zu begeistern, Grundlagen zu lehren und das Gelernte auch anwenden zu lassen. Meinen Studenten soll die Nachricht vermittelt werden: „Denkt nach, seid kritisch und hinterfragt“.  Das natürlich auch durch Feedback entstandene Ergebnis ist ein Mix aus Gruppendiskussionen, Einzelgesprächen – aber auch mal Frontalunterricht.

Was motiviert Studenten, was motiviert sie selbst?

Dr. Martin Emmert: Es freut mich sehr, dass es solche Preise gibt. Ich wusste nichts davon, habe also auch nie aktiv darauf hingearbeitet. Im Grunde genommen ist meine Motivation der Spaß am Lehren an sich, die Diskussionen mit den Studenten und auch die Möglichkeit, im Rahmen der Unterrichtsvorbereitungen selbst die Möglichkeit zu haben etwas dazu zu lernen. Es ist meine Überzeugung, dass wenn man Begeisterung für ein Fach empfindet und dann gewisse Methoden erlernt, um die eigenen Fragen zu diesem Fach beantworten zu können, Arbeit und Interesse verschmelzen – und dann wird das Ergebnis dieser Arbeit auch gut. Diese Mischung muss einfach zusammenkommen.

Was halten sie von Ihrer Auszeichnung, unter die besten Lehrenden der FAU gezählt zu werden?

Dr. Martin Emmert: Der Preis hat mich eigentlich mehr gefreut als die meisten meiner Publikationen, denn ich habe weder damit gerechnet ihn zu bekommen, noch wusste ich, dass es ihn überhaupt gibt. Als Inhaber einer Juniorprofessur steht man den größeren Lehrstühlen – vor allem was Ressourcen angeht – um einiges nach. Solche Preise gehen natürlich aufgrund eines größeren Spektrums an Möglichkeiten und Kapazitäten eher dorthin. Wir als Juniorprofessoren sind abgesehen von ein paar Hilfskräften oder Mitarbeitern mehr Einzelkämpfer, weswegen es mich auch umso mehr freut mit dem Preis beehrt worden zu sein.

Wie möchten sie gesehen werden als Lehrender?

Dr. Martin Emmert: Das Bild was ich gerne von mir vermitteln würde ist: „ Der fordert zwar viel, aber er gibt auch viel und begeistert“, frei nach dem Motto „hart aber fair“. Es muss nicht jeder sagen, dass ich einen netten Kerl abgebe, dass man alles verstanden hat was in meinen Veranstaltungen zur Sprache kam oder dass ich der beste Lehrer bin. So etwas gibt es einfach aufgrund der Interessensvielfalt nicht. Es ist mein Ziel, dass diejenigen die motiviert sind und lernen wollen sagen können, „das hat Spaß gemacht, ich habe viel gelernt, es war auch anstrengend aber genauso war es fair und ich habe etwas mitnehmen können“. Kein Mensch gleicht dem anderen, der eine ist extrovertiert der andere eher introvertiert. Man muss versuchen seine eigene Begeisterung auf andere überspringen zu lassen und dann verzeihen einem die Leute auch eventuelle charakterliche Mängel. Einen guten Unterhalter abzugeben ist keine Voraussetzung um auch ein guter Lehrer zu sein, aber egal wie man gestrickt ist, man kann sich immer verbessern und versuchen seinen Unterricht interessanter zu gestalten, diese Option hat jeder.

Vielen Dank für das Interview!

David Schönenberger

Der Preis ist definitiv eine wichtige Ehrung, wenn es darum geht bayrischen Dozenten und Professoren den Anreiz zu schaffen, ihrem Lehrauftrag ebenso Energie und Liebe zuteilwerden zu lassen wie ihren Forschungsarbeiten. Nur müsste der Preis um seine motivierende Wirkung vollends entfalten zu können, vor allem in universitären Kreisen eine höhere Prominenz erlangen als es bisher der Fall ist. Denn eins dürfte klar sein, unter dem Aspekt, dass in unserer Gesellschaft tausende Studenten – du und ich – die Zukunftsträger für wissenschaftliche Arbeit verkörpern, Lehre mindestens genauso wichtig ist wie Forschung.