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AG Medizin und Menschenrechte – zukünftige Ärzte schauen über den eigenen Tellerrand

Anne Blindert, 22 und Medizinstudentin, gehört zum harten Kern der AG. Foto: Anna Appel

Anne Blindert, 22 und Medizinstudentin, gehört zum harten Kern der AG. Foto: Anna Appel

Die AG Medizin und Menschenrechte ist eine Fachschaftsuntergruppe der FSI Kanüle (Fachschaft Medizin Kanüle Erlangen) und deutschlandweit organisiert über die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V.. Als Nichtregierungsorganisation setzt sie sich für die medizinische Versorgung von Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus ein und bildet eines der zahlreichen deutschen Medinetze. Diese vermitteln anonym und kostenlos medizinische Hilfe für Migranten ohne Krankenversicherung. Wie genau sich die Mitglieder der „AG Medizin und Menschenrechte“ engagieren und warum ihre ehrenamtliche Tätigkeit so wichtig ist, durfte ich von Anne Blindert aus dem Orga-Team erfahren.

Anne, seit wann gibt es die „AG Medizin und Menschenrechte“ und was macht ihr genau?

Anne: Im Jahr 2009 entstand die Idee, sich für die gesundheitlichen Belange von Flüchtlingen einzusetzen. Angefangen hatte alles mit einer locker organisierten Gruppe von Studierenden, welche sich ab und zu mit Flüchtlingen traf und dadurch auch auf ihre ungeklärten Fragen im gesundheitlichen Bereich aufmerksam wurde. So kam es zur Gründung unserer AG. Seitdem bieten wir eine kostenlose Sprechstunde an, in der wir Flüchtlinge in medizinischen Fragen beraten. Außerdem begleiten wir sie zu Ärzten und helfen ihnen mit Behörden. Andere ehrenamtliche Gruppierungen wie EFIE (Ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuung In Erlangen E. V.) unterstützen wir ebenfalls gerne. Wenn es Probleme mit Ärzten oder Arztbriefen gibt, sind wir zur Stelle. Und es gibt ein Notfallhandy, dessen Anrufbeantworter von einem Mitglied unserer Gruppe einmal täglich abgehört wird.

Wie organisiert ihr euch?

Logo AGAnne: Zusammen mit Hausärzten, Kinderärzten, Hebammen, Psychologen, Heilpraktikern und Krankenpflegern bilden wir ein Netzwerk von Ehrenamtlichen. Aufgrund unserer Kooperation mit Ärzten, welche uns während der Semesterferien vertreten, können wir ein durchgehendes Beratungsangebot gewährleisten. In unserer AG kann sich jeder interessierte Student engagieren. Auch Nichtmediziner können Sprechstunden anbieten, denn wir beraten ja nur. Zur konkreten Behandlung leiten wir die Flüchtlinge immer an Ärztinnen und Ärzte weiter. Jeden zweiten Mittwoch findet unser AG-Treffen statt, bei dem auch Zeit für das gegenseitige Kennenlernen der Gruppenmitglieder bleibt.

Was genau ist deine Aufgabe in der AG, Anne?

Anne: Ich bin nur eine von vielen engagierten Studierenden und gehöre quasi zum harten Kern der Gruppe. Insgesamt haben wir 30 bis 40 Mitglieder – vor allem vor einem Jahr, als so viele Flüchtlinge kamen, gab es einen großen Ansturm an Helfern. Innerhalb der AG bin ich im Orga-Team tätig, das heißt, ich checke und schreibe Mails, koordiniere Mitglieder und Treffen und knüpfe Kontakte. Gerade der Kontakt mit EFIE ist sehr wichtig. Wir helfen nämlich nicht nur im medizinischen Bereich, sondern überall dort, wo wir gerade gebraucht werden.

Wie bekommst du deine ehrenamtliche Tätigkeit und dein Studium unter einen Hut?

Logo MedibürosAnne: Gerade in den ersten Semestern bleibt nicht viel Zeit für Nebenaktivitäten, obwohl es so wichtig ist, sich neben dem Studium auch mit anderen Dingen zu beschäftigen. Die Arbeit in der AG erfüllt mich, weil ich dabei Spaß haben und gleichzeitig etwas Sinnvolles mit meiner Freizeit anfangen kann. Außerdem sammeln wir als Medizinstudenten durch die AG Erfahrungen, die für uns später im Berufsleben sehr hilfreich sein können. Besonders schön ist der Kontakt zu den verschiedensten Menschen und dass man Integration hautnah miterleben kann. Man kommt heraus aus seinem Studentenalltag und lernt Erlangen von ganz neuen Seiten kennen.

Gibt es weitere Projekte innerhalb eurer AG?

Anne: Neben der medizinischen Beratung von Flüchtlingen helfen wir auch bei der Kinderbetreuung in der Erlanger Erstaufnahmeeinrichtung. Und wir arbeiten mit EFIE zusammen, indem wir Dolmetscher für Flüchtlinge vermitteln, uns bei der Familienbetreuung und als Sprach-/ Spielpaten engagieren. Auch bieten wir eine Zahnputzaktion für Flüchtlingskinder an. Jeden November beteiligen wir uns zudem an „Weihnachten im Schuhkarton“, einer großen Geschenkeaktion für Bedürftige im Ausland. Daneben organisieren wir von Zeit zu Zeit Fundraising Partys.

Was habt ihr schon konkret erreicht und was sind eure Ziele?

Anne: Erst einmal möchte ich klarstellen, dass wir zum Beispiel mit der Dolmetschervermittlung eine Aufgabe übernehmen, der sich eigentlich öffentliche Stellen oder Ärzte annehmen müssten. Aber natürlich freuen wir uns immer über Erfolge. Vor einiger Zeit gab es für Flüchtlinge noch kein Taschengeld, sondern es wurden ihnen Essenspakete ausgegeben. Diese waren allerdings sehr schlecht sortiert. In einigen Paketen war beispielsweise nur ein bestimmtes Nahrungsmittel enthalten oder das Essen war nicht mehr frisch genug. Also sammelten wir alle Pakete ein und kochten aus den verschiedenen Zutaten leckere Mahlzeiten für die Flüchtlinge, aber auch für Erlanger StudentInnen und BürgerInnen. Die Spenden für das Essen verteilten wir an die Flüchtlinge, die sich davon wiederum gute Nahrungsmittel kaufen konnten. Vielleicht auch aufgrund dieser Aktion änderte sich die Gesetzeslage, sodass es nun ein Taschengeld für Flüchtlinge gibt. Auch konnten wir im letzten Semester in Kontakt mit der Erlanger SPD-Bundestagsabgeordneten treten. In Zukunft würden wir uns gerne noch mehr politisch einbringen. Leute mit guten Ideen sind bei uns immer herzlich willkommen!

Vielen Dank  für das Interview!

Seid ihr interessiert an der Mitarbeit in der AG? Dann schaut auf der Facebook-Seite vorbei und kommt einfach bei den Treffen vorbei.

Anna Appel