Inhalt

Arbeitsalltag als Bibliothekshilfskraft

Die Teilbibliothek Germanistik. Foto: Leonie Kästner

Jede Bibliothek ist ein kleines bisschen anders, sowohl auf der für alle zugänglichen Ebene der Aufteilung und des Buchbestands als auch hinter den Kulissen. Dies lässt sich bereits nach zwei Stellen an verschiedenen Teilbibliotheken der FAU sagen: Alte Geschichte und Klassische Philologie und die der Germanistik. Während bei letzterer die Aufsicht an der Theke und das einstellen der Bücher zwei voneinander getrennte Aufgabenbereiche mit jeweiliger Einteilung bilden, fällt bei der ersten beides zusammen. Die Pflanzen, die in der Alten Geschichte und Klassischen Philologie zweimal in der Woche gegossen gehören, sucht man in der Germanistik vergebens.

Erzählt man jemanden, dass man in einer Bibliothek arbeitet, so lautet eine häufige Frage: „Was macht man da eigentlich?“

Für manche Stunden lautet die Antwort: „Nicht viel.“

Aber das ist natürlich nicht alles – ganz im Gegenteil.

Wie kann eine Schicht in der Teilbibliothek der Germanistik aussehen? Tritt man den Dienst gleich in der Früh um 9.00 Uhr an, kann es geschehen, dass bereits Menschen vor der Tür warten. Dann werden morgendliche Begrüßungen ausgetauscht, während man die Tür aufschließt. Ein Stapel Neuerwerbungen wartet bereits, der darauf wartet mit Signaturen versehen zu werden. Der Computer ist an diesem Tag schnell hochgefahren – für seine Verhältnisse –, auch eine zügige Runde durch die Bibliothek selbst lässt nichts zu wünschen übrig. Zurück zu dem Stapel: Es befinden sich in Leinen eingebundene Bücher darunter, das bedeutet, Zeit für einen Aufgabenbereich, der einem nicht als erstes einfällt, denkt man an Bibliotheken – bügeln. Hierfür wird ein kleines Bügeleisen erst aus einem Schrank, dann aus seinem Karton genommen, um anschließend mithilfe eines Verlängerungskabels mit Strom versorgt zu werden. Bei dieser Gelegenheit fällt der Blick vielleicht aus einem der zwei Fenster des Vorraums, von denen man nur eines öffnen darf, hinaus auf grüne Baumwipfel, die sich unter Schnee in eine richtige Winterlandschaft verwandeln. Zur Zeit der Bergkirchweih kann man von hier aus das Riesenrad sehen. Solange das Bügeleisen erhitzt, wird der betreffende Buchrücken mit der beigelegten Signatur und einer durchsichtigen Folie beklebt – gleiches gilt für die Bücher ohne Leineneinband. Sobald alles bereit ist, wird ein spezielles Papier auf die Stelle gelegt und darüber gebügelt. Nun bleibt alles an Ort und Stelle. Es dauert nicht lange bis die ersten Lehrenden hereinschauen, um nach Neuigkeiten in ihren Fächern zu sehen, aber: „Nein, die Post ist noch nicht gekommen.“ Eine Gruppe ehemaliger Studenten folgt, die aufgeregt nochmal einen Blick in die Bibliothek werden möchten und manches aus der Vergangenheit zu berichten haben. Und dann klingelt auch noch das Telefon, jemand beklagt sich wegen der Leihfrist.

Die Hauptaufgabe soll jedoch bei diesem Bericht nicht zu kurz kommen: Die Ausleihe und Rückgabe der Bücher. Codes einscannen, Daten prüfen, Ausleih- und Rückgabescheine abreißen und übergeben. Daneben von Zeit zu Zeit ein Plausch mit den sogenannten Benutzern und Benutzerinnen. Bücher, die zurückkommen, werden, nach Signaturen geordnet, auf einem Wagen abgelegt bis die Person, die an diesem Tag dafür zuständig ist, diese zurück in die Regale stellt. Eine Stunde wie ein Ersatz fürs Fitnessstudio, wenn man dabei häufig die Leitern hinaufklettert, die man lieber doppelt prüft bevor man sie benutzt, ob sie auch wirklich richtig eingehakt sind. Man hört schließlich so manche Geschichte…

Als die Ablöse schließlich erscheint, gibt es an manchen Tagen Interessantes zu berichten.

Leonie Kästner