Inhalt

Born to Rock

martinrocktz

Martin Grosse vor einigen Jahren – damals noch Jura-Student. Foto: Minnelli Jade Britto Furtado

Heute stelle ich euch einen Alumnus aus der FAU vor, der an der FAU Rechtswissenschaften studiert hat. 2009 hat er sein erstes Staatsexamen absolviert und war dann nicht nur Referendar – sondern in einigen Rockbands aktiv. Bewegt zwischen Leidenschaft und Gesetzen, hat ihn sein Weg schließlich zu einem ganz anderen Beruf geführt. Heute lebt Martin Grosse in München und betreut als Account Manager Kunden aus der Automobilbranche. Das Unternehmen, für das er arbeitet, entwickelt Software zur High-End-3D-Visualisierung, die bei den Kunden Einsatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette findet. Als Vertriebsmitarbeiter ist es dabei wichtig, Kontakte zu knüpfen und diese auch zu pflegen. Während er früher das Publikum mit Musik ansprach, zeigt er heute unter anderem Performance bei seinen Kunden mit Sound und Bild bei 3D-Visualisierungen. Falls ihm das am Ende des Tages noch zu wenig Performance ist, dann muss die Firmenband mit der Musik herhalten. In einem Interview blickt er mit uns zurück auf seinen ungewöhnlichen Lebenslauf.

Wieso hast du dich damals für Jura entschieden?

Erst wollte ich Theater- und Medienwissenschaften studieren, weil es zunächst sehr kreativ klang. Lehramt schien dann aber ebenso attraktiv. Dadurch, dass ein Schulfreund mir schließlich davon erzählt hat, dass er Jura studieren will, bin ich auf denselben Gedanken gekommen. Immerhin verbindet alle Studiengänge die Sprache, und in Latein hatte ich auch meine Facharbeit geschrieben. Bis 1900 waren in Deutschland viele juristische Texte in lateinischer Sprache verfasst. Letztendlich habe ich dann ganze 14 Semester verbissen durchgezogen. Mein Ziel war damals, Fachanwalt für Medien- und Urheberrecht zu werden.

Und dann hat in deinem Studium plötzlich die Leidenschaft angeklopft?

Schon während der Schulzeit habe ich mit Leidenschaft im Chor gesungen, und Musik gemacht. Kaum hatte ich angefangen zu studieren, habe ich den Gitarristen aus meiner alten Schulband wiedergetroffen, der mir von dem Vorhaben erzählte, eine neue Band zu gründen. Dem Herz folgend, war ich gleich mit dabei, und es ging nach Hamburg für weitere Gespräche. Schon wenig später stand eine Reise nach Hollywood vor uns um eine Aufnahme mit den Bon Jovi Produzenten durchzuführen und natürlich wollten wir dann auch gleich das bisschen Musikgeschichte weiterschreiben: Wir hatten einen Showcase Gig vor einer großen Plattenfirma in Deutschland und waren dann noch mehrere Jahre parallel auf der Suche nach weiteren Unterstützern. Leider haben wir den englischsprachigen „New Metal“ Sound genau dann aus den USA hergebracht, als in Deutschland die „Neue Deutsche Welle“ startete.

Ein Referendariat hast du dir während dieser Zeit dennoch zugetraut?

Ja, in der Zeit von 2009 bis 2012 habe ich das Referendariat am Oberlandesgericht Nürnberg bestritten. Das war schon deshalb sehr interessant, da man hier in einige juristische Berufe schlüpfen konnte und Stationen machte bei Anwälten, der Staatsanwaltschaft oder beispielsweise beim Landratsamt. Das war mir im Studium noch nicht so ganz bewusst, weil es hier ja erstmal auf das Bestehen des Ersten Staatsexamens ankam. Spannend war hier insbesondere die Zeit meiner Referendarstation in der Kanzlei von Stefan Raab in Köln, 2011. Parallel habe ich noch weiter Musik gemacht, jetzt aber schon auf Sparflamme. Daraus geworden ist dann letztlich am Ende des Tages nichts, aber es war eine super Erfahrung!

Mit Jura wolltest du dann also nicht mehr weitermachen?

Doch, ich bin zum Zweiten Staatsexamen angetreten – und das sogar zweimal mit Vorbereitung und eisernem Willen. Habe es dann aber leider nicht geschafft. In einer folgenden Auszeit habe ich mir bewusst gemacht, was meine Stärken eigentlich sind. Ich hatte neben dem Studium viel Anderweitiges ausgeübt und dadurch außeruniversitäre Schlüsselqualifikationen erlangt, die ich für den weiteren Lebensweg ja auch nutzen konnte. Ein Praktikum später also, bin ich in meinem jetzigen Beruf angekommen.

Und an dem Beruf, den du jetzt rockst, gefällt dir welche Tätigkeit am meisten?

Der Ton macht die Musik: Als Account Manager Global Accounts übe ich eine sehr abwechslungsreiche und anspruchsvolle Tätigkeit aus. Schließlich ist jeder Kunde anders und hat eigene Wünsche und Vorstellungen. Meine Kontakte aus der Band-Zeit konnte ich für berufliche Zwecke auch sinnvoll nutzen. Einen sehr bekannten Gitarristen konnte ich zum Beispiel für den Soundtrack unseres Showreel gewinnen. Und genau das gefällt mir, mit kreativen Menschen zu arbeiten und mit diesen gemeinsam einzigartige Eindrücke zu hinterlassen.

Danke für das sehr interessante Interview und weiterhin viel Erfolg!

Für all diejenigen, denen Martin bekannt vorkommt: Er war einer der Kandidaten, die letztes Jahr bei der ZDF-Kerner-Show 1000 – Wer ist die Nummer 1? ins Viertelfinale gekommen sind.

Nursel Esma Ayar