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„Build your own Potato“

Yusuf Halistürk sorgt mit der Krummbeere für Geschmacksexplosionen mitten in Gostenhof. Foto: Milena Kühnlein

Yusuf Halistürk sorgt mit der Krummbeere für Geschmacksexplosionen mitten in Gostenhof. Foto: Milena Kühnlein

Immer wieder stellen wir auf unserem Blog ausgefallene, süße, besondere, schöne oder coole Cafés, Bars und Restaurants der Region vor. Diesmal: Das Café Krummbeere im Nürnberger Stadtteil Gostenhof.

„Ich wollte einfach keine belegten Bagels verkaufen.“, meint Yusuf Halistürk schulterzuckend und mit einem glücklichen Lächeln, während er an seiner Theke lehnt und durchs Fenster auf Gostenhof blickt. „Ich wollte eine gesunde, leckere Alternative zu gängigem Fast Food.“ Und als Gast merkt man sich bei diesem Projekt nicht nur bei der Einrichtung viele Gedanken gemacht hat. Während ich meinen Milchkaffee (der mit einem Herz verzieht war, und das meinige damit nicht nur wegen des Koffeingehalts zum klopfen brachte) wieder auf einer alten Nähmaschine, die als Tisch fungiert, abstelle, lehne ich mich entspannt auf gefühlte 20 Kissen in meine Bank zurück. Mit viel Liebe und Herzblut hat sich Inhaber Yusuf ein gemütliches, Hipster-Bistro in bester Lage an der Führter Straße geschaffen.

Das Café Krummbeere hat erst vor 5 Monaten eröffnet. Krummbeere ist das pfälzische Wort für Kartoffel – und der Name ist hier Programm. „Kartoffeln gibt es überall zu kaufen, allerdings frittiert und verarbeitet. Bei mir backt jede einzelne Kartoffel 90 Minuten lang schonend“, erklärt Yusuf. Die rund 400g schweren Erdäpfel werden als Kumpir, sprich Backkartoffeln, nach türkischem Rezept im Basisrezept mit Butter, Salz und Käse zubereitet. Danach darf jeder seine Krummbeere toppen, wie es ihm gefällt. Oder man entscheidet sich gleich für Tunfisch-Kumpir, Humus-Kumpir oder andere Varianten des außergewöhnlichen Gerichts. An Vegetarier und Veganer hat Yusuf natürlich auch gedacht. „Das war mir sehr wichtig.“, erklärt der gebürtige Nürnberger, der aus der Gastronomie kommt. Für alle die möchten, ersetzt er die Butter und den Käse der Basis-Kartoffel mit Wallnussöl. Kurzum: Schmeckt lecker und macht lange satt. Für die Süßigkeiten-Nascher gibt es im Café Krummbeere natürlich auch Leckereien. Die Kekse, Nachspeisen und Kuchen werden direkt im Haus von der Gattin des Inhabers gebacken und zubereitet. Für Veganer gäbe es beispielsweise einen Sesam Walnuss Cookie zum Kaffee.  Ansonsten gibt es üppiges Tiramisu, leckere Obsttorten und einen Kuchen der sich Schokotraum nennt, aber eher Schokoporn heißen sollte, weil er naja…pervers gut aussieht – und schmeckt. Der Käsekuchen schmeckt wie bei Mama, süß, kalorienreich, eben einfach so wie ein Käsekuchen schmecken soll. Die Kuchensorten werden ständig gewechselt, denn er wolle nicht immer das Gleiche servieren, meint Yusuf. „Die Leute haben Lust auf was Neues.“

Ein bisschen Glück gehörte auch dazu

Kaffee und Kuchen gibt es in der Krummbeere natürlich auch. Foto: Milena Kühnlein

Kaffee und Kuchen gibt es in der Krummbeere natürlich auch. Foto: Milena Kühnlein

Lange habe er nach dem passenden Laden gesucht, der hier hat es ihm wegen der Lage besonders angetan. „Es war schwer sich gegen große Namen durchzusetzen, die den Laden ebenfalls haben wollten,“ erzählt der Yusuf, „ein bisschen Glück gehört dazu.“ Als er den Zuschlag bekommen hat, war die Freude natürlich groß. Kumpir gehört in Deutschlands Großstädten schon lange zum Standard-Essen, in Nürnberg hat Yusuf etwas Vergleichbares allerdings vermisst. „Ich esse auch mal gerne Fastfood, aber Bratwurst, Burger, Pizza – das ist immer das Gleiche.“ Kumpir kann man gar nicht wirklich als Fastfood bezeichnen, denn die Kartoffel ist schonend gegart und mit frischen Zutaten belegt. „Wusstest du, dass eine mittelgroße Kartoffel, deinen kompletten Tagesbedarf an Vitamin C deckt?“, strahlt Yusuf, wie ein Kind am Weihnachtsabend. Er hat sich ausgiebig mit den Produkten, die er verkauft und anbietet, beschäftig.
Kurz zum Ambiente: Typische Hipstereinrichtung trifft auf kleines Bistro in Paris. Allerdings wurden im Café nicht einfach die Ausbeuten der letzten zehn Flohmärkte aufgestellt, so dass es irgendwie nicht nach Mainstream aussieht, aber doch irgendwie den Nerv der Zeit trifft: Es soll gemütlich und einladend aussehen, ein bisschen wie ein hübsches Wohnzimmer – und das tut es. Gechillte, schwer einzuordnende Musik, untermalt das ruhiges Ambiente, in dem man gerne einkehrt um Freunde zu treffen, das erste Date zu haben, oder ein paar Texte für die Uni zu lesen. Zur Mittagszeit wird es allerdings schlagartig voller. Das liegt daran, dass es ab circa 11.30 Uhr die leckeren Kumpir gibt. Wer also Lust auf gesunde, alternative Gerichte zur Mittagszeit hat, schaut am besten mal bei Yusuf und seinem Café Krummbeere vorbei. Es lohnt sich, versprochen!

Das Café Krummbeere auf einen Blick:

Personal: Netter können Menschen nicht sein.
Essen: Geschmacksexplosionen, mit Liebe hausgemacht.
Getränke: Normal bis zu ausgefallenen Auswahlmöglichkeiten.
Kaffee: Sehr gut.
Einrichtung: Hipster verliebt sich in Austauschstudentin aus Toulouse.
Preise: Normal bis studentenfreundlich.
Ambiente: Reinkommen, hinsetzten, wohlfühlen.
Wiedererkennungswert: Hoch.
Potential für das neue Stammcafé: Mittel bis hoch.

Milena Kühnlein