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Charity Poetry Slam

Ein alter Hase und großer Name im Poetry Slam-Zirkus: Michael Jakob

Ein alter Hase und großer Name im Poetry Slam-Zirkus: Michael Jakob

Von einer Poetry Slam haben wahrscheinlich die meisten schon einmal gehört. Mehrere Künstler treten auf die Bühne und tragen selbstgeschriebene Texte vor. Diese Texte werden dann von einer Jury bewertet und die beiden besten Künstler treten sich im Finale noch einmal gegenüber. Die einzige Bedingung bezüglich der Texte ist, dass sie selbst geschrieben sein müssen. Die Texte müssen sich nicht reimen oder eine besondere Struktur haben. Es kann alles Mögliche sein, von einem Gedicht bis hin zu einer Kurzgeschichte.

Ich selbst war am Montag, dem 26.10.15, zum ersten Mal auf einer solchen Veranstaltung und war sehr positiv überrascht. Da es eine Charity Veranstaltung war, ging das eingenommene Geld komplett an Asylanten, die sich damit Bücher und Lernmaterial oder gemeinsame soziale Unternehmen leisten können. Der Charity Poetry Slam fand in der LUX Jungen Kirche statt und bot ein modernes und aufregendes Ambiente durch kritische Musik und angenehmes Licht. Es herrschte viel Andrang, von jung bis alt war alles vertreten. Die Organisation wurde von Lara Ermer geleitet, die sonst auch selbst auf der Bühne slammt, und die Künstler wurden von dem zweifachen fränkischen Meister Michael Jakob eingeleitet. Die Moderation von Lara und die Begleitung von Michael rundeten den Event sehr gut ab und banden die Zuhörer an das Geschehen.

Als dann die Künstler auf die Bühne traten und ihre Texte vortrugen, brachten sie einen zum Lachen und auch zum Nachdenken. Alle Texte gestalteten sich sehr unterschiedlich; manche reimten, andere brachten Emotionen durch Gestik und Geschrei zum Ausdruck. Die Geschichten, die diese Künstler erzählten, reichten von unerfüllter Liebe und Eifersucht, über alltäglichen Wahnsinn bis hin zu Kritik an unserer Gesellschaft. Das Aufgebot war sehr vielfältig und machte den Abend zu einem denkwürdigen Ereignis.

Heide

Die Nürnbergerin Heide Roser gab auch ihre Visitenkarte ab.

Raus aus den Schubladen

All dieser Texte waren hervorragend, doch ein paar von ihnen ließen mich einfach nicht mehr los. Eines dieser Texte ging um Stereotypen, wie wir andere immer gleich in Schubladen stopfen. Grundsätzlich ist Kategorisierung nichts schlechtes, da man ja irgendwie die Welt verstehen muss, nur sollte man öfters mal nachsehen, ob diese Einteilung wirklich noch passt. Der Künstler rief dann zum Ausbruch aus diesen Rollenverteilungen auf und sei es nur, um mal was anderes zu tun, als das, was alle immer von einem erwarten.

Ein Gedicht über die Liebe, ließ das Publikum auch in sich hineinhorchen, ob so eine Situation einem selbst wiederfahren könnte. Die Künstlerin erzählte eine Geschichte über eine wunderbare Liebe zwischen zwei Menschen, eine Liebe, die dann leider verloren ging und schließlich zerbrach. Die beiden trennten sich und sie heiratete schließlich einen anderen. Doch im Laufe einiger Jahre, trafen sich die beiden immer wieder und ihr wurde klar, dass sie sich gegenseitig immer noch liebten, und stellte sich die Frage, ob sie damals nicht mehr hätte tun können. Mehr miteinander reden, statt sich abzuschotten. Mehr aufeinander zugehen. Doch dafür war es nun zu spät.
Dieser Text ließ einen selbst grübeln, ob man sich genug Mühe gegeben hat in den Beziehungen zu anderen Personen, die einem am Herzen liegen.

Sprachkenntnisse sind der Schlüssel zur Integration

slam vor der Vorstellung

Vor dem großen Ansturm: Wer nicht früh kam, musste sich mit den billigen Plätzen begnügen.

In der Pause konnte ich mich mit den Künstlern unterhalten. Es war eine sehr freundliche und aufgeschlossene Gruppe, jeder kannte sich nur über die Slams. Einige besuchten einmal ein Seminar über das Slammen und fanden dann die Begeisterung daran. Manche sind auch schon seit vielen Jahren dabei und haben den Poetry Slam mit etabliert. ‚Slammily‘ ist der liebevolle Ausdruck, der den Gruppenzusammenhalt beschreibt.

Nach der Vorstellung unterhielt ich mich noch kurz mit den Asylanten und ihrem Betreuer. Die meisten konnten besser Englisch als Deutsch, wodurch sie leider nicht viel von der Slam verstanden haben. Ich erkundigte mich, was sie mit dem Geld machen würden und sie meinten sie bräuchten mehr Möglichkeiten, um besser Deutsch lernen zu können. Denn dadurch, dass sie in ihren Unterkünften meistens unter sich sind, fehlt ihnen die Übung, die sie für das Deutschlernen dringend bräuchten.
Die Asylanten brauchen bessere Unterstützung, was ihre Sprachkenntnisse betrifft. Denn durch ihre Sprachbarriere werden sie von der deutschen Kultur und den deutschen Mitmenschen abgeschottet. Mehr Sprachkurse und Lernmaterial, aber vor allem mehr Kontakt zu Deutschen wäre sehr wichtig für sie.

Am Ende des Abends hatte ich viel gelernt. Sowohl über Poesie und was sie für einen bedeuten kann, als auch über Probleme in der Gesellschaft, die wir noch angehen müssen.

Der Poetry Slam war wirklich ein großer Erfolg, ein Ereignis, das man sich nicht entgehen lassen sollte!

 

Isabel Steuer