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Christian Lindner an der FAU

Prof. Clemens Kauffmann (links) mit seinem prominenten Gast Christian Lindner. Foto: Peter Bartels

An den Türen des Großen Hörsaals in der Bismarckstraße 1a in Erlangen herrschte am 3. Mai 2018 bereits Einlasstopp, da Christian Lindner – Bundesvorsitzender der FDP – als Gastredner auftreten sollte. Im Rahmen eines wissenschaftlichen Kolloquiums zum Thema „Zukunft der Demokratie in Europa“ wurde er von Prof. Dr. Clemens Kauffmann eingeladen. Kauffmann ist geschäftsführender Vorstand des Instituts für Politische Wissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, sowie Vertrauensdozent der „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“ – eine FDP-nahe Stiftung.

Da sich der prominente Gast verspätete, wurde ein Präludium genutzt, um Diskussionen um die Beschaffenheit des Vortrages zu führen. Die anonym ausgelegten Flugblätter zu den Parteispenden der FDP verdeutlichten die Kontroversität der Thematik. „Deutsche Universitäten müssen frei sein und einen Raum für gesellschaftliche und politische Auseinandersetzung bieten“, entgegnete der Gastgeber auf Fragen um den Zweck der Veranstaltung. Der Charakter müsse aber wissenschaftlich sein und es sei „wichtig, dass man die Universität freihält von parteipolitischer Agitation und Propaganda.“

Um 12.15, ca. eine Stunde und 15 Minuten nach Beginn der Veranstaltung, ergriff Christian Lindner schließlich das Mikrophon. Der Politiker kam gerade aus München, wo er einen Tag zuvor bereits einen Vortrag vor Studierenden hielt. Vor den Landtagswahlen im Oktober besuchte er zudem noch die Universitäten in Regensburg und Bayreuth.

Mit rhetorischer Kompetenz, Humor und Charme konnte er sich den Beifall der Zuhörer beschaffen. So könne der Fachkräftemangel Deutschlands nur durch inländische Bürger bewältigt werden, wenn die deutschen Mütter im Durschnitt zehn Kinder bekommen, „Das schafft vielleicht Ursula von der Leyen“, aber doch nicht die Normalverbraucherin. Und die Große Koalition erinnere an das Ausschütten von Karamellen während des rheinischen Karnevals. „Du verstehst viel. Es kommt nicht da an, wo es soll. Aber es ist zunächst ein Mittel, um kurzfristig populär zu werden.“

Das eigentliche Thema der Veranstaltung wurde in Form eines kleinen Exkurses über Liberalismus und Autoritarismus jedoch eher angerissen, als wissenschaftlich analysiert. So schrieben die Nürnberger Nachrichten von „nordbayern.de“ am 03.05.2018, der Vortrag habe „die politische Wissenschaft nicht bereichert, aber mit großer Eloquenz einen Einblick in die aktuelle „Denke“ des (oder der) Freidemokraten gegeben.“Die politische Ideengeschichte musste vor Parteipolitik weichen. Die Kritik an der CSU und ihren Forderungen nach Christuskreuzen in den bayrischen Ämtern, die Programmatik der AFD, die Kritik an Grünen und Linken für ihre Haltung gegenüber der Migration, sowie das generelles Unvermögen der großen Koalition dominierten die Veranstaltung. Der Zukunft der Demokratie in Europa wurde weniger Bedeutung zugemessen.

Peter Bartels

 

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