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Dank einer Friseurschere auf Abenteurreise

Kleiner Geldbeutel, große Reise? Das geht. Foto: Milena Kühnlein

Kleiner Geldbeutel, große Reise? Milena zeigt, wie es geht. Foto: Milena Kühnlein

Neulich auf Jodel: „ Travel is the only thing you buy that makes you richer.“ – Anne, 22, Studentin, hat in ihrem Leben noch keinen Tag gearbeitet. Wer kennt sie nicht? Die USA-Backpacker, die Globetrotter, die Jakobsweg-Geher, diese Clubhotel-Chiller und all die Bali-Surfanfänger? Reisen ist wundervoll. Reisen ist vielleicht sogar das Beste, das man mit seinem Geld anfangen kann. Doch da wären wir auch schon beim Thema:  Das liebe Geld. Ohne Moos nix los, ohne Knete keine Fete, ohne Geld keine Welt: Sehr viele Studenten müssen auf ihre Ausgaben achten, sich mit Nebenjobs finanzieren und an allen Ecken und Enden sparen. Bei manchen widderrum gestaltet sich der Studentenalltag etwas anders. Reich geerbt, reich geboren  oder einfach einen verdammt gut bezahlten Job geangelt, müssen sich manche Studis über das Moos keine großen Gedanken machen. Da muss dann auch nicht lange überlegt werden, wo es in den Urlaub hingeht: Weit weg und am besten so lange es die Semesterferien zulassen. Otto-Normal-Student sieht dann auf Facebook die geteilten Urlaubsbilder und Verlinkungen auf noble Strandclubs. Doch was ist an dieser Stelle besser als Neid? Nachdenken. Wie kann ich mir trotz Minigeldbeutel eine lange und teure Reise finanzieren?

Ich habe dieses Experiment selbst gewagt, es hat nur leider zwei Jahre gedauert. Genau vor zwei Jahren erfasste ich mit einer Kommilitonin den Entschluss, für mehrere Wochen durch die USA zu tingeln. Der Wunsch war nun laut ausgesprochen, der Grundstein gelegt, der Traum sollte wahr werden. Zunächst suchte ich mir – ganz regulär wie andere Studenten – einen Job auf 450 Euro-Basis. So konnte ich schnell pro Monat eine schöne Summe wegsparen. Doch als ich begann realistisch zu kalkulieren, wurde mir klar, dass es für eine wochenlange Reise in ein teures Land mehr bedurfte.

Ohne Moos nix los

Das Projekt „Reisefinanzierung“ musste also angegangen werden. Ich kaufte mir eine Friseurschere für rund 30 Euro. Seither war ich seit zwei Jahren nicht mehr in einem Friseurstuhl gesessen. (Pluspunkt: Wenn ich mir selbst die Spitzen schneide, fehlen nicht auf einmal zehn Zentimeter auf dem Kopf!). Alle paar Wochen kaufte ich mir günstige Haarfarbe in der Drogerie, was einen Friseurbesuch für mich schlicht unnötig machte.  Was mich früher alle paar Wochen rund 60 Euro gekostet hat, kostete mich nun nur fünf. Ach und übrigens: Es ist seither noch keinem einzigen Menschen aufgefallen, dass ich mir die Mähne selbst mache. Nächster Tipp: Niemanden, nicht mal euch selbst, euren Freunden, eurem Hund oder eurem Kopfhaar fällt auf, ob das Shampoo einen Euro oder 30 Euro gekostet hat. Glaubt mir, auf diese Kosten könnt ihr getrost verzichten. Als Student mit geringem Einkommen muss das nicht sein; wir werden dieses Geld ausgeben können, wenn wir nach unserem Abschluss reich und erfolgreich sind. (Stoßgebet!) Ich kann euch persönlich nur empfehlen, jeweils die günstigeren Produkte zu kaufen. Bestes Beispiel: Eine bekannte Makeup-Linie, die sich preislich im absolut untersten Segment anordnet, verzichtet im Gegensatz zu einer teuren, schickeren Marke auf Tierversuche. Teuer ist also nicht gleich besser.  Dass Kaffee, Schokolade und Brot meist in teurerer Variante besser schmeckt, ist mir bewusst, hier haben wir wohl einen klassischen Fall von Prioritätensetzung.

Das Sparen wurde also in allen Lebensbereichen immer interessanter für mich. Klamotten kaufte ich in der Zeit vor der Reise so gut wie gar nicht mehr. Für einige mag das hart klingen aber Fakt ist: Man hat sowieso schon alles in fünffacher Ausführung und doppelt. Hier ist es übrigens wieder das gleiche wie mit den Haaren: Wenn ich die Jeans vom Vorjahr rauskrame, werde ich von Freunden nur gefragt, ob diese denn neu sein. Es fällt schlichtweg niemanden auf. Wer neue Klamotten braucht, kann sich auf Flohmärkten umschauen. Nein, nicht was ihr denkt. Ich rede von nachhaltig strukturierten Online-Shops, wo User ihre getragenen Sachen billig weiterverkaufen, damit weniger Neues gekauft werden muss. Eine gute Sache! Außer für den Paketzusteller, aber das ist ein anderes Thema. Nächster Punkt: Mein Handyvertrag kostet mich genau 15 Euro im Monat. Ich kann anrufen und schreiben, wem und wann ich will. Youtube-Videos im Zug anschauen fällt für mich leider flach, aber die damit einhergehende Ersparnis hinsichtlich meiner Reise tröstete mich darüber ganz gut hinweg. (Wie seltsam sich dieser Text wohl für reiche Studenten lesen mag?  Egal, weiter im Text.) Unterwegs Essen und Trinken zu kaufen versuchte ich ebenfalls weitestgehend einzuschränken, obwohl das fast unmöglich ist, wenn man den ganzen Tag in der Uni verbringt. Würde man sich allerdings jeden Montag bis Freitag vor der Uni einen Cappuccino für 2,50 Euro zum Mitnehmen kaufen, sind das im Monat schon 50 Euro. Wenn man sich diese Tatsache vor Augen hält, schränkt man auch diese Angewohnheit schnell ein.

Ohne Knete keine Fete

Doch! Auch der kleine Geldbeutel möchte in der Hosentasche getragen mal im Club hin- und her gewackelt werden. Natürlich ist feiern auch günstig möglich. In Erlangen und Fürth gibt es in fast jedem Club Studentenspecials, bei welchem die Eintrittspreise entweder winzig oder nicht vorhanden sind. Wenn ihr euch dann vorher noch mit den Freunden zuhause trefft und mit billigem Diskounter-Wein vorglüht, steht einem gelungenen und günstigen Abend nichts mehr im Wege. (Außer vielleicht ein im betrunkenen Zustand genommenes Taxi für 25 Euro. Geld, das ich nie wieder sehen werde.)  Um sich mehrere tausend Euro für einen Trip zu finanzieren (Auch wenn wir hier in der Feierabteilung sind: Die Reise, keine Drogen!) muss leider das allseits beliebte  Essen gehen etwas eingeschränkt werden. Würde man zweimal die Woche für 15 Euro essen gehen, würde sich das am Ende des Monats mit insgesamt 120 Euro niederschlagen. Tipp:  Lieber Essen und Freunde einpacken und sich in den Schlossgarten setzten. Was gibt’s im Sommer Schöneres?

Ohne Arbeit kein Lohn

Ohne verrückte Arbeit erst Recht nicht, denn Job ist nicht gleich Job! Neben den klassischen Nebenjobs kann man als Student auf vielen Wegen Geld verdienen. Da wären einmal gut bezahlte und (gut angesehene) Werkstudentenstellen. Diese sind zwar schwer zu bekommen – hat man aber einmal eine ergattert, darf man sich freuen und bald anfangen, die Scheinchen zu zählen.  Typische Schülerjobs wie Zeitungen austragen, Nachhilfe geben oder dem Nachbarn im Garten helfen sind zwar wenig spannend, bessern das Urlaubskonto aber auf. Gut bezahlt, aber unfassbar nervig und lästig sind Messe- und Promotion-Jobs. Es soll ja Leute geben die Spaß daran haben, Leuten Abonnements und Flyer anzudrehen, ich persönlich habe es gehasst. Jede Minute in der ich Tätigkeiten wie jenen nachgegangen bin, habe ich mich gefragt warum, ich meine Zeit auf die Weise verschwende. Als am Ende des Monats aber ein Batzen Geld auf dem Konto gelandet ist, fiel es mir wieder ein: Die Reise! Die Mühen haben sich gelohnt. Auch wenn diese Art Jobs unfassbar nervig und lästig sind, falls ich es noch nicht erwähnt habe. Neben dem klassischen Arbeiten kann man tatsächlich auch fürs Nichtstun bezahlt werden, indem man zum Beispiel bei bezahlten Umfragen oder Produkttests mitmacht. Reich wird man davon nicht, aber jede Cent in unserer Reisesparbüxe ist ein guter.  Ansonsten bietet es sich an Altes, Ungeliebtes und Hässliches auf dem Flohmarkt zu verkaufen (Achtung Faschingswitz: Nein, nicht eure Ehefrau!) Ihr entrümpelt damit nicht nur den Kleiderschrank, sondern verdient euch der ein oder andere Penny dazu.

Fazit:

Reiche Eltern sind, anders als der Reisepass und Sonnencreme, nicht zwingend erforderlich, wenn es in den Urlaub oder auf eine Abenteuerreise gehen soll. Es kann schon reichen, sich seine tagtäglichen Ausgaben und Einnahmen etwas genauer anzusehen. Etwas Zeit, Verzicht und Disziplin sind allerdings in jedem Fall erforderlich, um zum Reiseselbstfinanzierer zu werden. Das Gefühl sich eine Reise zu 100% aus eigener Tasche erarbeitet und geleistet zu haben, lässt einen übrigens alle Mühen und Zweifel vergessen. Also los geht’s, sparen, arbeiten, Koffer packen und Geschichten schreiben, die sich die Enkel später anhören müssen!

Milena Kühnlein