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Das „Innere Erlangen“: Ausflug in das Stollensystem des Burgbergs

Nur einige Kerzen leuchten den Weg in das Innere des Berges. Foto: Salome Mayer

Nur einige Kerzen leuchten den Weg in das Innere des Berges. Foto: Salome Mayer

„Während im Rest von Deutschland das Bier gegen Sommer immer schlechter wurde, wurde das Leben und das Bier in Erlangen immer besser“, erzählt Friedrich Engelhardt, Besitzer von „Entlas Keller“. Das Geheimnis der Erlanger Brauer? Ein weitverzweigtes, fast ebenes Stollensystem im Innern des Burgbergs, wo sie über das ganze Jahr über das im Winter hergestellte Bier lagern konnten. Bei konstant acht Grad Celsius blieb es frisch und wurde immer besser. So stieg Erlangen im 19. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Bierexporteure auf und wurde weit über deutsche Grenzen hinaus bekannt. Dieses 21 Kilometer lange Kellersystem besteht bis heute, wenn auch einige Gänge eingestürzt sind. 1711 gab es sieben Keller im Besitz der Altstädter, heute sind es insgesamt 16.  Der älteste Keller, Entlas Keller, sowie der größte Keller am Berg, der Henninger Keller, sind in einer Führung mit Friedrich Engelhardt zu besichtigen.

„Erlanger Schlaftag“ nach der Bierprobe

Es heißt: Warm anziehen!, wenn man sich in die kühlen, nur von Kerzenlicht erleuchteten Keller, die 70  bis 100 Meter in den Berg hineinragt, wagt. Beinahe in dichterischer Weise erzählt Friedrich Engelhardt in Mundart von längst vergangenen Zeiten, als auf die 3000 Erlanger 23 Brauereien kamen. Die Bierprobe was das damalige Highlight. 16 von den 23 Brauereien nahmen daran teil. Am nächsten Tag war „Erlanger Schlaftag“ – klar nach 16 Maß Bier…. Als ausgerechnet ein Kulmbacher, Carl von Linde, 1867 die Kühlmaschine erfand, war die Blütezeit der Erlanger Brauer vorbei. Die Keller waren kein Vorteil mehr. Es begann der Abstieg des bekannten Erlanger Bieres. 1916 mussten einige der Keller zur Champignonzucht herhalten – „eine unsägliche Zeit“, in Engelhardts Augen. Im zweiten Weltkrieg baute man die Stollen aus, Rüstungsgüter sollten produziert werden; gleichzeitig dienten die Keller als Schutz vor feindlichen Bomben.

„Dunkelheit muss man spüren“

Friedrich Engelhardt erzählt lebendig von erlanger und forchheimer Bierbrauern. Foto: Salome Mayer

Friedrich Engelhardt erzählt lebendig von erlanger und forchheimer Bierbrauern. Foto: Salome Mayer

Geht man heute an einem sonnigen Spätsommertag hindurch, taucht man in die Vergangenheit ein. Vorsichtig tasten die Füße über den glitschigen Boden, die spärlich aufgestellten Kerzen werfen gruselige Schatten an die Wand. An manchen Wegen fehlen die Kerzen ganz. Im stockdunklen, kalten Keller ist man auf den anderen angewiesen. Nervöses Lachen ertönt. „Halte dich doch an Papa fest“, hört man eine Stimme aus dem Dunkeln. An Engelhardts Gebot, die Dunkelheit zu ertragen – „Es gibt Dinge im Leben, die kann man nur spüren – wie die Dunkelheit“ – und als Gemeinschaft da hindurchzugehen, halten sich nicht alle. Hier leuchtet ein Handydisplay auf, dort erscheint bläuliches Licht. Die meisten sind jedoch dankbar dafür. Nun sieht man zumindest die schemenhaften Umrisse des Vordermanns wieder.

Heilige Hallen

„Nur wer seine innere Ruhe findet, kann Ruhe nach außen ausstrahlen und weitergeben“, sagt Friedrich Engelhardt. Er fand diese Ruhe in den kalten Kellern. Für ihn wurden die unterirdischen Gewölbe zu einem beinahe heiligen Ort. Das lässt die Skulptur des Erlanger Bildhauers Heinrich Kirchner vermuten, die er im Innern des Bergs aufstellen ließ. Das filigran gearbeitete Werk erinnert an eine Heiligenfigur in einer Kapelle, die Kerzen verstärken den Eindruck eines meditativen Orts. Auch die Akustik in den heiligen Hallen ist besser als in so mancher Kirche. Einen tollen Chorraum würden die hohen Kavernen abgeben. Engelhardt sieht seinen Sinn des Lebens in den Kellern. Manchem Besucher mutet das ein wenig esoterisch an, ihnen ist es zu viel des Quasireligiösen. Doch der Besuch der Keller lohnt sich auch für sie. Bekommt man doch einen Blick in das „Innere Erlangen“, das im Burgberg versteckt liegt. Möglich ist das von April bis September jeden Sonntag um 11 Uhr in Entlas Keller. Der Eintritt für die 75-minütige Führung beträgt sechs Euro, enthalten ist ein 0,4l Kellergetränk.

 

Salome Mayer

 

 

Ein Kommentar zu “Das „Innere Erlangen“: Ausflug in das Stollensystem des Burgbergs

  1. Ava sagt:

    Schade, dass es hier kein Bild der Hallen und der aufgestellten Figur gibt. Das würde schon noch einen Anreiz mehr zum Besuch schaffen…
    LG A.Felsenstein

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