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Das Innovationslabor für Wearable und Ubiquitous Computing

Markus Zrenner vom Department of Computer Science. Fotorechte: Markus Zrenner

Alles um uns herum wird smart. Das Auto, der Kühlschrank, die Heizung – alles ist in einem riesigen Netzwerk miteinander verbunden. Das Thema Digitalisierung dringt in alle Lebensbereiche vor und spielt eine immer größere Rolle. An der FAU gibt es ein Innovationslabor, in dem sich Bachelor- und Masterstudenten verschiedener Fachrichtungen in einer Lehrveranstaltung mit dem Thema praktisch auseinandersetzen können. Ich habe mich mit Markus Zrenner, dem Coach des Innovationslabors, getroffen und mit ihm über das Labor gesprochen.

Gab es dieses Projekt schon vorher oder gibt es diese Veranstaltung erstmals seit dem Wintersemester 17/18?

Markus Zrenner: Das Innovationslabor wird vom Zentrum Digitalisierung Bayern (ZD.B) gesponsert. Der Freistaat Bayern investiert gerade viel Geld in den zukunftsträchtigen Bereich der Digitalisierung. Eine von vielen Maßnahmen ist die Errichtung von Innovationslaboren für Studierende in Bayern. Nach einer Ausschreibung für diese Labore haben wir einen Antrag geschrieben und haben glücklicherweise den Zuschlag bekommen, sodass wir das Labor letztes Jahr aufbauen konnten und somit dieses Wintersemester die zugehörige Lehrveranstaltung erstmals durchführen können.

Mit welchen Firmen wird hier zusammengearbeitet und welche Technologien werden genutzt?

Markus Zrenner: In diesem Semester haben wir drei Partner: den Sportartikelhersteller Adidas, ein Architekturbüro aus Erlangen (Gräßel Architekten) und Bosch Sensortec – eine Firma mit Sitz in Reutlingen, die verschiedene Sensoren produziert, die unter anderem in fast jedem Smartphone verbaut sind. Zudem haben wir ein Projekt, von welchem die Idee aus dem Machine Learning and Data Analytics Lab stammt.

Durch unsere Themenbereiche Wearable und Ubiquitous Computing sind wir sehr breit aufgestellt, was wir an Technologien umsetzen können. Wearables sind kleine am Körper tragbare Sensoren. Die Bandbreite der bereits erhältlichen Geräte ist sehr groß: Smartwatches, Smartphones, intelligente Tattoos, intelligente Kleidungsstücke oder VR bzw. AR Brillen, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wir wollen solche Sensoren sowohl hardwareseitig entwickeln, als auch interessante Applikationen softwareseitig mit den Studierenden umsetzen.

Zudem bearbeiten wir Projekte aus dem Anwendungsfeld Ubiquitous Computing, dem allgegenwärtigen Rechnen. Dieser Zweig befasst sich mit der immer stärker zunehmenden „smarten“ Welt um uns herum. Inzwischen sind viele Geräte in verschiedensten Bereichen miteinander verbunden und kommunizieren untereinander. Ein anschauliches Beispiel sind „Smart Home“ Applikationen. So lässt sich die Beleuchtung zu Hause per Smartphone steuern, man kann die Heizung von der Arbeit aus anstellen, bevor man nach Hause kommt oder der Staubsaugerroboter fängt an zu saugen, wenn man das Haus verlässt. Ein anderes Beispiel ist die Industrie 4.0, in welcher Produktionsprozesse mit Hilfe miteinander kommunizierender Sensoren optimiert werden können

Liegt der Fokus auf einem bestimmten Thema wie z.B. Sport oder sind die Studenten frei in ihrer Wahl?

Markus Zrenner: Unsere wissenschaftlichen Arbeitsfelder waren in der Vergangenheit zumeist im Sport- und Gesundheitswesen, wodurch wir hier einige Erfahrung haben und Projekte in diesen Feldern gut umsetzen können. Allerdings haben wir auch Projekte in anderen Bereichen. Nehmen wir als Beispiel das Architekturthema dieses Semesters: Wir versuchen mit einer Microsoft Hololens Architektur Modelle zu visualisieren. Im Moment bauen Architekten für Großbauten Miniaturmodelle der Gebäude per Hand, was extrem zeitraubend ist. Häufig liegen aber auch schon digitale Modelle der Gebäude vor, um Bilder der Bauten rendern zu können. Diese digitalen Modelle lassen sich mit Hilfe einer Hololens als Hologram in die Realität projizieren, sodass man genau wie mit dem händisch gebauten Modell das Bauprojekt von allen Seiten inspizieren kann. Als weiteren Aspekt wollen wir mit den Modellen interagieren können, um Modifikationen zu ermöglichen. Somit können Architekten recht anschaulich und interaktiv die Modelle verändern, was mit einem mit Hand gebauten Modell deutlich schwieriger wäre.

Gab es schon erste Startup-Gründungen, die aus diesem Projekt hervorgegangen sind oder ist das noch zu früh?

Markus Zrenner: Es wird sich zeigen, ob in diesem Semester schon ein Startup entsteht. Aus vergleichbaren Lehrveranstaltungen wissen wir, dass das aber funktionieren kann. Aus diesem Grund lehren wir den Studierenden während des Semester auch Entrepreneurship (dt. Unternehmertum). So gibt es Tutorials zu Design Thinking, agilen Entwicklungsmethoden, Schutzrechten, Business Modellen, Business Plan Anfertigung und Pitches. Wir stehen diesbezüglich auch zum Zollhof Tech Incubator in Nürnberg im Kontakt). Der Zollhof stellt Startups aus dem Technikbereich sehr kostengünstig Arbeitsplätze zur Verfügung. Somit ist das ein Ort, wo sehr viele Gründer zusammenkommen und sich austauschen können.  Zudem helfen die Mitarbeiter des Zollhofs den Gründern beispielsweise mit Kontakten zu möglichen Förderern und unterstützen die Startups mit ihrer Erfahrung. Es wäre schön, wenn wir in Zukunft in diesem Gebäude auch Startups aus dem Innovationslabor unterbringen könnten. Man muss aber natürlich sagen, dass das Ziel einer Lehrveranstaltung nicht sein kann, dass die Studierenden am Ende Startups gründen (müssen). Unser Ziel ist es, dass die einzelnen Gruppen am Ende des Semesters einen innovativen Prototypen in Händen halten und die Entrepreneurship Tools besitzen, sodass sie bei Interesse sagen können: Okay, ich schreibe jetzt meinen Businessplan und bewerbe mich um Fördermittel.

Welche Projekte sind noch mit dem Innovationslabor geplant?

Markus Zrenner: Viele weitere spannende! Im nächsten Semester wollen wir z.B. das Thema „Future of Work“ angehen – d.h. ein Ubiquitous Computing Thema im Arbeitsumfeld. Außerdem haben wir schon wieder interessante Industriepartnern gewinnen können. Ab ca. Mitte nächstem Semester werden wir außerdem einen Raum für das Innovationslabor an der Universität haben, der mit Computern und vielen anderem Prototyping Material ausgestattet sein wird. Hier können sich die Studierenden dann zum Arbeiten treffen!

Vielen Dank für das Interview!

Weitere Informationen zum Innovationslabor finden Sie auch auf der Homepage des Innovationslabors.

Carmen Oberlechner