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Der größte Kindergarten der Welt – UN-Jugenddelegierter Johannes Wagner in Nairobi

Johannes und Rebecca mit den UN-Delegierten für Deutschland bei den Verhandlungen in Nairobi. ©Johannes Wagner

Seit November 2016 ist der FAU-Student Johannes Wagner deutscher UN-Jugenddelegierter für Nachhaltige Entwicklung bei den Vereinten Nationen und repräsentiert mit seiner Kollegin Rebecca Freitag junge Menschen aus Deutschland bei wichtigen UN-Versammlungen. In einem früheren Interview hat er bereits über seinen Amtsantritt und über Nachhaltigkeit gesprochen, jetzt erzählt er ein bisschen genauer, wie es ist, bei den Verhandlungen der UN dabei zu sein.

Das Konzept der UN-Jugenddelegierten

Da gerade Themen wie Nachhaltigkeit besonders junge Menschen betreffen, die schließlich mit den Konsequenzen der heute getroffenen Entscheidungen leben müssen, werden in Deutschland von dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) Jugenddelegierte zu Nachhaltigkeitskonferenzen mitgenommen. Dort können sie ihr Mitspracherecht nutzen und sich für die Interessen der jungen Generation einsetzen. Bisher machen das aber nur wenige Länder, teils aufgrund der entstehenden Kosten, oft aber auch aus Transparenzgründen – immerhin dürfen die Jugenddelegierten auch an internen Sitzungen teilnehmen.
Es sind vor allem Länder des globalen Nordens, die Jugenddelegierte ernennen und sie auf Konferenzen mitnehmen. Deutschland finanziert zwei Programme mit jeweils zwei Delegierten, eines davon ist die Jugenddelegation für nachhaltige Entwicklung zum HLPF (High Level Polical Forum) mit aktuell Johannes (2016 bis 2018) und Rebecca (2017 bis 2019) als Vertreter, das andere begleitet die deutsche Delegation zur UN-Generalversammlung.

Die Umweltschutzkonferenz der UNEA in Nairobi

Nachdem Johannes und seine damalige Kollegin Jasmin die deutsche Delegation im letzten Jahr bereits zu zwei UN-Konferenzen nach New York begleitet haben, hatten er und seine neue Kollegin Rebecca im Dezember die Möglichkeit, die Hauptversammlung des UN-Umweltprogrammes, die sogenannten „UNEA“ zu besuchen. Die UNEA (UN Environment Assembly) ist das weltweit höchste beschlussfassende Gremium in Umweltschutzfragen und hat sich bei ebenjenem Treffen im Dezember vor allem mit dem Themenbereich „Pollution“ auseinandergesetzt. Dabei wurde über die Bekämpfung von Luft-, Wasser- und chemischer Verschmutzung verhandelt. Also welche Regelungen benötigt werden, was die Länder verbessern können und wie man gegen die aktuellen Probleme vorgehen kann, beispielsweise in Sachen Luftverschmutzung in Städten und dem zunehmenden Plastikmüll.

Es wurde diskutiert, ob gesetzliche Regelungen wie das Plastiktütenverbot in Kenia notwendig sind oder ob freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen wie z.B. hier in Deutschland ausreichen, wo Plastiktüten nun nur mehr gegen ein geringes Endgeld verkauft werden. Viele der NGOs (regierungsunabhängige Interessensvertreter) plädieren für eine strengere Regulierung der Wirtschaft. Entscheiden dürfen am Ende aber alleine die Ländervertreter_innen. Deswegen haben NGOs und Umweltverbände jeweils im Vorfeld versucht, die Abstimmung möglichst zugunsten ihres Standpunktes zu beeinflussen. Auch Johannes und Rebecca haben mit vielen Vertretern einzelner Länder gesprochen und die vorher in Workshops erarbeiteten Positionen junger Menschen mit in die Diskussion eingebracht. „Letztendlich kam etwas Mittelstarkes heraus, der berühmte Kompromiss“, meint Johannes. „Es gibt ein paar Bestrebungen, die umgesetzt werden sollen, aber es ist viel zu vage und außerdem kein bindender Vertrag, der ganz neue Richtlinien einführt.“ Einen positiven Punkt sieht er aber auch: „Es gab immerhin ein Outcome-Dokument, also eine gemeinsame Willenserklärung, was es letztes Jahr zum Beispiel nicht gab. Da haben sich die Länder so zerstritten und die Positionen waren so unterschiedlich, dass es kein Ergebnis gab, was ein schlechtes Zeichen ist. Dieses Jahr gab es das, wenn auch aus meiner Sicht eines, welches den Ansprüchen zukünftiger Generationen nicht gerecht wird.“

Viele Länder, unterschiedliche Interessen

Johannes Wagner als UN-Jugendvertreter vor dem Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York. ©Johannes Wagner

Da aktuell 193 Länder Mitglieder der UN sind und diese viele unterschiedliche Haltungen vertreten, ist es schwierig, eine Einigung zu finden. Gerade Länder wie die USA, die aus dem Klimaschutzvertrag austreten wollen und eher eine ablehnende Haltung gegenüber Umwelt- und Klimaschutz haben, setzen sich stärker für eine neoliberale Wirtschaftspolitik ein. China und Indien mit ihrer massiven Luftverschmutzung haben inzwischen gemerkt, dass es so nicht weitergehen kann und setzen mehr und mehr auf erneuerbare Energien. Allerdings wird diese Transition auch noch einige Zeit brauchen und jegliche Maßnahmen, die ihr Wirtschaftswachstum negativ beeinflussen könnten, kommen für diese Länder nicht in Frage.

Im Gegensatz zu den USA und vielen Schwellen- und Entwicklungsländerländern setzen sich die meisten europäischen Staaten für mehr Umweltschutzmaßnahmen ein, wobei auch hier einzelne Positionen stark abweichen.
Vorreiter sind hier mit Sicherheit z.B. die die skandinavischen Länder.
Auch die Frage der Souveränität ist immer wieder ein Streitthema. Wie viele Befugnisse liegen bei der UN, wie viele bei den einzelnen Ländern? Welche Regelungen gelten für welches Land? Wer kontrolliert die Einhaltung?

Die politischen Beziehungen spielen ebenfalls eine große Rolle. Vertreten zwei Länder in Umweltfragen ähnliche Ziele, vertragen sich aber politisch nicht gut, kann sich das auf die UN-Debatten auswirken. „Manchmal kommt man sich vor wie in einem großen Kindergarten, dabei geht es um so viel.“

Das Herzensthema von Johannes: Gesundheitspolitk

Auf die Frage, welche Themen ihm besonders wichtig sind, antwortet Johannes: „Meine Leidenschaft ist alles rund um das Thema Gesundheit, aber das ist auch wieder ein sehr breites Gebiet. Chemieabfälle, die ungefiltert ins Wasser gelangen, machen Menschen krank, die es trinken. Die Entwicklung von resistenten Erregern ist eine große Gefahr für schwer kranke Patienten und hängt auch mit der übermäßigen Verwendung von Antibiotika in der Landwirtschaft zusammen. Und ganz allgemein korrelieren Armut und Mangelernährung eng mit der Resilienz gegenüber Krankheiten und schädlichen Umwelteinflüssen. Gesundheit hat mit allem zu tun! Selbst mit der Städteentwicklung: Ich bin ein Verfechter des Fahrradfahrens, das nachweislich auch viele gesundheitlichen Vorteile mit sich bringt. Und da ist es schon fraglich, wie sauber ist die Luft in den Städten bei den vielen Autos ist? Und wie viel Rücksicht nimmt die Infrastruktur auf Fahrradfahrer? Gibt es breite Radwege, damit mehr Menschen angespornt werden mit dem Rad zu fahren? Gesundheit ist also schon mein Thema, aber es spielt überall mit rein und das ist das Spannende daran.“

Wer mehr über die Arbeit von Johannes und Rebecca erfahren möchte, kann auf der Website oder auf Facebook vorbeischauen.

Carmen Oberlechner & Johannes Wagner

Ein Kommentar zu “Der größte Kindergarten der Welt – UN-Jugenddelegierter Johannes Wagner in Nairobi

  1. Hallo Carmen,
    hallo Johannes,

    vielen Dank für den tollen Artikel. Bis ich Euren Blog gelesen habe, wusste ich gar nicht, dass es eine UN Jugendvertretung gibt. Ich finde Euer Engagement sehr bewundernswert. Macht weiter so!

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