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Der Kilimandscharo – Eine Forschungsexpedition nach Tansania

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Prof. Dr. Thomas Mölg (2.v.l.) mit seinem Team  und einer Mitarbeiterin des tansanischen Wetterdienstes. Foto: Privat

Prof. Dr. Thomas Mölg ist Professor für Geographie an der FAU. Wir erhalten Einblick in einen Fachbereich, dessen Ergebnisse wir vor allem aus politischen Diskussionen und Reformbemühungen kennen. Am Ende eines ausführlichen Gesprächs steht nun eine vierteilige Serie, die uns aufschlussreiche und spannende Einblicke in die Arbeit von Klimaforschern gewährt.

Teil 1: Die Expedition

Etwa einmal jährlich bricht ein Team von internationalen Klimaforschern an die Nordgrenze Tansanias in Ostafrika auf, Ziel: Der Kilimandscharo. Er und seine neuseeländischen und amerikanischen Kollegen erforschen am Berg die lokalen Klima-Veränderungen.

Ein Team von drei bis vier Wissenschaftlern ist notwendig, um sicherzustellen, dass mindestens zwei „oben fit“ ankommen und arbeiten können. Begleitet werden sie von 10 – 40 einheimischen Bergführern und Trägern, die gemeinsam mit den Forschern das Equipment auf knapp 6000 Meter bringen. Deren Anzahl hängt davon ab, ob neue Messtechnik am Berg installiert werden soll oder ob existierende Technik lediglich überprüft werden muss.

Blick auf den zentralen, vergletscherten Teil des Kilimandscharo von Südosten während einer Befliegung.

Blick auf den zentralen, vergletscherten Teil des Kilimandscharo von Südosten während einer Befliegung. Foto: Privat

Automatische Wetterstationen funktionieren erstaunlich gut

Im Februar 2005 fand die größte Expedition statt. Zwei neue Wetterstationen sollten installiert werden und die Forscher wurden von einem 45 Mann starken Team begleitet. Während „kleine“ Expeditionen dazu dienen, die automatischen Wetterstationen zu überprüfen oder Spezialmessungen vorzunehmen, gilt den „großen“ besondere Aufmerksamkeit. Die einzurichtende Technik ist extremen Wetterbedingungen ausgesetzt und muss mehrere Jahre Daten liefern. „Bisher funktionieren die automatischen Wetterstationen erstaunlich gut“, sagt Thomas Mölg, „trotz der extremen Temperatur, der Strahlung, des Windes, der Vereisung usw.“ Es kann passieren, dass Stationen umkippen. Die Forscher sind in aller Regel darum bemüht, dies so schnell wie möglich zu beheben.

Als Laie können wir uns denken, dass bei der Untersuchung von Gletscherveränderungen, die Temperatur, Luftfeuchte und Windkraft gemessen werden. Um jedoch die kausalen Zusammenhänge der Gletscherschmelze verstehen zu können, muss ergänzend die sogenannte atmosphärische Strahlung in verschiedenen Wellenlängenbereichen gemessen werden. Es reicht nicht, dass nur singulär die Daten von einzelnen Variablen wie der Temperaturveränderung ausgewertet und langfristig beobachtet werden. Sie geben zwar eine Indikation über den Schmelzvorgang, nicht aber wie es genau dazu kommt.

Spätphase einer Gletscherexistenz

Automatische Wetterstation Nr. 3 am Oberrand des Südlichen Eisfeldes (5870 m).

Automatische Wetterstation Nr. 3 am Oberrand des Südlichen Eisfeldes (5870 m). Foto: Privat

Das meiste Wissen über unser Klima stammt aus Daten der untersten Luftschichten, aber dies ändert sich seit einigen Jahren. Am Kilimandscharo hat man die einzigartige Möglichkeit auf „festem Boden“ bis in eine Höhe von fast 6000 Metern zu gehen und Messungen in höheren Luftschichten in der sogenannten mittleren Troposphäre vorzunehmen. Am Gipfel befindet sich das eigentliche interessante Phänomen: der Gletscher. Er ist ein ausgezeichneter Indikator für Klimaveränderungen. 1880 hat der Geowissenschaftler Hans Meyer als erster den Kilimandscharo bestiegen und erkannt, wie viel Informationen über unsere Umwelt in den dortigen Gletschern „gespeichert“ ist. Durch Hans Meyer weiß die Wissenschaft, dass der gegenwärtige Gletscherrückgang unmittelbar vor dessen Ankunft begonnen haben muss. Die Veränderungen sind seit dem gut dokumentiert und bieten die einzigartige Chance den langzeitlichen Klimawandel besser zu verstehen. Die Veränderungen in diesen Bereichen der tropischen Troposphäre haben erheblichen Einfluss auf die darunter liegende Ebene der Troposphäre. Hier lebt der Großteil der Menschheit.

Den letzten Baustein der Gletschergeschichte haben die Wissenschaftler 2013 hinzugefügt, als sie in einer Studie aus Satellitendaten die gegenwärtige Gletscherfläche bestimmten. Das Resultat: 85 % der Gletscheroberfläche sind seit 1912 verloren gegangen. Die Folge dieses über ein Jahrhundert andauernden monotonen Gletscherrückgangs war in jüngster Zeit, dass die zwei größten Eisfelder am Kilimandscharo immer schneller in einzelne „Stücke“ brechen. Wenn das passiert, „wissen wir“, so Mölg, „dass es sich um die Spätphase einer Gletscherexistenz handelt“.

Im zweiten Teil dieser Serie widmen wir uns gemeinsam mit Thomas Mölg dem herausfordernden Alltag der Forscher auf dem Berg.

 

Teil 1: Die Expedition

Teil 2: (Forscher)-Alltag in knapp 6000 Metern Höhe

Teil 3: Das Klima: Lokale und globale Veränderungen und eine aktuelle Expertenmeinung

Teil 4: Der Beruf: Klimaforscher

 

Sven Garbisch