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Der Weltmeister im Interview

Marib Aldoais holte den World Dwarf Games jede Menge Gold. Foto: Altun Furkan

Obwohl bei Marib Aldoais in letzter Zeit deutlich mehr Journalisten und Medienhäuser als üblich anriefen, nahm sich der gebürtige Erlanger gerne Zeit, auch unserem Blog Rede und Antwort zu stehen. Der Grund dafür ist einfach: Marib ist Weltmeister! Bei den World Dwarf Games 2017 in Kanada räumte der 19-Jährige ordentlich ab und durfte zudem noch eine unglaublich spannende Reise in den hohen Norden erleben. Die World Dwarf Games sind das größte Sportevent exklusiv für Kleinwüchsige. Das Event besteht bereits seit dem Jahr 1993 und fand seither an unterschiedlichsten Orten weltweit statt. In allen möglichen Disziplinen treten Athletinnen und Athleten der ganzen Welt hier gegeneinander an. Marib war diesmal unter ihnen und hat beachtliche Erfolge erzielt. Wenn Marib nicht gerade Goldmedaillen poliert, studiert er übrigens Mathe und kickt in der Herrenmannschaft des DJK Erlangen.

Warum studierst Du eigentlich Mathe an der FAU?

Marib: Ich hatte im Mathe-Abi 14 Punkte und meine Mutter meinte deswegen, wenn ich irgendetwas studieren will, sollte es wohl Mathe sein. Es ist das Einzige, was ich so richtig kann. Mein Opa war außerdem auch Mathelehrer.

Wie ist es für Dich als kleinwüchsiger Mensch an der FAU zu studieren?

Marib: (lacht) Ich bin nicht allzu oft an der Uni, bei uns gibt es keine Anwesenheitspflicht. Wegen Kanada habe ich in diesem Semester auch erstmal alle Klausuren verpasst.

Wie kamst Du eigentlich zu den World Dwarf Games?

Marib: Vor vier Jahren waren Freunde aus meinem Kleinwüchsigen-Verein dort. In der Verbandszeitung habe ich einen Bericht darüber gelesen. Unser Verband hat es dann geschafft, dass diesmal ein ganzes Team zu Stande kam. Im Fußball haben wir Gold geholt, mit drei weiteren Freunden haben wir ebenfalls Gold im Staffellauf gewonnen und im Sprint habe ich alleine Gold geholt.

Wie blickst Du auf die Zeit in Kanada zurück?

Marib: Es war eine sehr anstrengende Zeit. Ich musste immer zu den Sitzungen und zum Training. Wir mussten immer um 6 Uhr aufstehen, dazu kam noch der Jetlag. Aber es war eine wunderschöne Zeit!
Wie war es für Dich nur unter Kleinwüchsigen zu sein?
Marib: Ich kenne das schon durch deutschlandweite Kleinwuchstreffen, die etwa drei oder viermal im Jahr stattfinden. Es ist aber trotzdem nach wie vor ungewohnt beim Sprechen nach unten und nicht nach oben schauen zu müssen.

Hast Du speziell für die Läufe noch trainiert?

Marib: Nein, das Fußballtraining hat gereicht!

Hast Du Dir Kanada ein bisschen ansehen können?

Marib: Nein, eher nicht. Wir hatten ständig Training und Termine. Das Drumherum war aber super. Ähnlich wie bei den paralympischen Spielen gab es eine Einlaufzeremonie und ein tolles Miteinander. Ich war der Teamkapitän des gesamten deutschen Teams und musste mich deswegen noch um Organisatorisches kümmern.

Hast Du dort Leute kennengelernt, mit denen Du noch Kontakt hast?

Marib: Am 30. September steht ein Freundschaftsspiel gegen die Niederlande an, deswegen haben wir natürlich noch Kontakt miteinander. Letztes Jahr im Sommer hat ein sportliches Erasmus-Projekt in Paris stattgefunden, mit diesen Leuten bin ich natürlich noch in Kontakt. Unser Ziel ist es, die World Dwarf Games nach Deutschland zu holen.

Wie haben die Jungs vom DJK Erlangen deine Erfolge aufgenommen?

Marib: Ich durfte erstmal zwei Kästen ausgeben und bei jedem weiteren Zeitungsartikel musste ich dann nochmal einen Kasten ausgeben (lacht). Sie haben mich also auf jeden Fall gefeiert!

Vielen Dank für das Interview!

Milena Kühnlein