Inhalt

Die Beschäftigung mit der privaten Geldanlage schlimmer als der Zahnarztbesuch? – Eine Vorstellung des Börsen- und Wertpapiervereins an der FAU

Philipp Hartmannsgruber (rechts) und der Rest des BWN-Vorstands. Foto: Lisa Wolf

Philipp Hartmannsgruber (rechts) und der Rest des BWN-Vorstands. Foto: Lisa Wolf

Philipp Hartmannsgruber ist Vorstandsvorsitzender des „Börsen- und Wertpapierverein Nürnberg e. V.“ (BWN), hat gerade seinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften beendet und handelt mit Wertpapieren seit er 18 ist. Er stellt uns im Interview den Verein sowie das Einmaleins der Investition in Aktien vor.

Was ist der BWN?

Philipp: Wir sind ein gemeinnütziger, studentischer Verein mit Sitz an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Nürnberg. Mit derzeit knapp 500 Mitgliedern sind wir einer der größten Vereine an der FAU und einer der größten Börsenvereine in Deutschland. Der BWN wurde 1986 ins Leben gerufen u.a. von Karl Matthäus Schmidt, Gründer und Wegbereiter der heutigen Consorsbank und quirin bank. In Deutschland gibt es ca. 70 studentische Börsenvereine, die alle unter dem Dachverband „Bundesverband der Börsenvereine an deutschen Hochschulen e. V.“ (BVH) organisiert sind.

Und was macht ihr so?

Philipp: Generell sind wir für alle da, die sich für Börse, Kapitalmarkt und Unternehmensfinanzierung interessieren – sowohl privat wie auch beruflich. Wir organisieren Veranstaltungen und Exkursionen, an denen jeder teilnehmen darf, egal ob Mitglied bzw. Studierender oder nicht. Wer einmal einen exklusiven Live-Einblick in das Geschehen auf dem Parkett der Frankfurter-Börse erleben will, sollte unseren jährlichen Frankfurt-Trip nicht verpassen. Aber auch andere Ausflüge stehen auf dem Programm. Im April diesen Jahres waren wir beispielsweise auf der „Invest“ in Stuttgart, der größten Privatanlegermesse Deutschlands. Zu unseren regelmäßigen Workshops und Vorträgen zu Themen wie „Finanzielle Intelligenz“ sind auch Anfänger willkommen. Einmal im Semester organisieren wir das BWNfinanzforum, bei dem euch spannende Referenten aus den Bereichen Finance oder auch VWL, eine Podiumsdiskussion zu aktuellen Themen, Networking zu Job-Einstiegsmöglichkeiten sowie kostenloses Catering erwarten. Das nächste Finanzforum findet am 28. Januar 2016 statt. Kommt gerne mir allen vorbei, die Interesse haben; auch eure Eltern, Omas und Opas sind herzlich willkommen! Wir freuen uns auf euch.

Imopressionen vom Besuch des Börsenstandorts Frankfurt. Foto: BWN

Imopressionen vom Besuch des Börsenstandorts Frankfurt. Foto: BWN

Macht es Sinn als Studierender bereits in Aktien zu investieren?

Philipp: Ja! Bei den niedrigen Zinsen und falls man sein Vermögen nicht durch die aktuell zwar niedrige, aber bestehende Inflation schmälern will, sind Aktien nun mal die Alternative Nummer eins. Die durchschnittliche und durchaus realistische Rendite am Aktienmarkt beträgt immerhin 8% auf die lange Frist gesehen! Aktien sind weniger spekulativ und risikobehaftet wie allgemein angenommen. Das Schlüsselwort ist Diversifikation, d.h. das Risiko über möglichst viele Werte streuen. Durch das Handeln mit Einzelwerten kann man zwar die größte Rendite erzielen aber auch mit der größten Wahrscheinlichkeit sein Geld verspielen. Ich persönlich investiere zwar des Öfteren auch in einzelne Unternehmen, dafür beschäftige mich aber auch u.a. intensiv mit der Unternehmensbewertung. Man muss eben der Typ dafür sein. Ich kann auch ruhig schlafen, wenn ich mit manchen meiner Anlagen im Minus und dafür mit anderen im Plus bin. Fonds (von einem Manager aktiv zusammengestellte Aktien-Portfolios, die versuchen den Markt bzw. Aktienindizes „zu schlagen“) oder Exchange-Traded Funds (ETFs) (bilden passiv einen bestehenden Aktien-Index wie z.B. den DAX nach und man muss deshalb keinen Fondsmanager zahlen) sind wohl für „Normalanger“ besser geeignet. Man sollte eine Anlage am Aktienmarkt immer langfristig mit einer Laufzeit von mindestens 10 Jahren sehen, da es in der kurzen Frist stets Auf und Abs geben wird, die sich erst über einen längeren Zeitraum zu einem (hoffentlich) Aufwärtstrend ausgleichen. Auch sollte man den Zinsenzinseffekt nicht unterschätzen. Dieser ist beachtlich, weshalb es Sinn macht möglichst früh, auch wenn es nur ein wenig Geld ist, zu investieren. Ein nettes Tool um diesen zu berechnen findet ihr hier. Ich lege z.B. auch bereits jetzt schon etwas fürs Alter zurück – ich weiß, dass dies außergewöhnlich für einen Studierenden ist. Manche finden es ja weniger schlimm zum Zahnarzt zu gehen, als sich mit ihren Finanzen auseinander zu setzen. Obwohl das doch so wichtig ist, um seine Wünsche und Träume zu verwirklichen. Genau das versuchen wir den Studierenden auch in unseren Veranstaltungen zu vermitteln.

Über den Dächern von Mainhattan. Foto: BWN

Über den Dächern von Mainhattan. Foto: BWN

Hilft euer „BVH-Börsenführerschein“ um zu lernen wie man in Aktien investiert?

Philipp: Das ist der Sinn und Zweck. Der „Börsenführerschein“ findet jedes Semester im Wechsel am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften und an der TH Ohm in Nürnberg statt. Es handelt sich um eine 4-teilige Vortragsreihe, in der wir die „Basics“ des Kapitalmarkts erklären und konkrete Anwendungshinweise für Privatanleger geben. Was genau ist eigentlich die Börse? Wie kann ich handeln? Was sollte ich dabei beachten? Am Ende legt man einen 45-minütigen Multiple Choice Test ab und erhält ein bundesweit einheitliches Zertifikat, das man z.B. Bewerbungen beilegen kann. Der nächste Termin ist am 11. und 12. Dezember 2015. Wir freuen uns über jeden Teilnehmer; es gibt eine unverbindliche Anmeldung.

Was für Vorteile hat es bei euch Mitglied zu sein?

Philipp: Zunächst bekommt jedes Mitglied ein kostenloses Abo der Finanzzeitschriften Capital, €uro, €uro am Sonntag, Focus sowie das E-Book des Focus Money. Man darf zudem unsere umfangreiche Bibliothek nutzen, profitiert von Networking-Möglichkeiten, exklusiven Stellenausschreibungen und speziellen Angeboten und hat Vorrang bei unseren Exkursionen, wie z.B. der Frankfurt-Fahrt.

Wie kann man bei euch Mitglied werden bzw. euch erstmal kennenlernen?

Philipp: Um uns kennen zu lernen kann man einfach bei unseren Events vorbeischauen. Es ist nicht nötig Mitglied zu sein! Sollte man sich dafür entscheiden Mitglied zu werden, füllt man einfach den Mitgliedsantrag aus… das wars. Es gibt keine Aufnahmebestimmungen oder „Test-Phase“. Man muss nicht an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und noch nicht einmal Studierender sein, um bei uns mitzumachen. Die Mitgliedsgebühr beträgt 20 € im Jahr. Wir freuen uns natürlich auch über Nachwuchs, der uns aktiv in der Vereinsorganisation unterstützen möchte. Bei einem so großen Verein gibt es immer etwas zu tun. Man kann ganz unbürokratisch in einem unserer Ressorts wie z.B. Project Management, Communication and Corporate Affairs oder Finance als „Trainee“ anfangen. Danach kann man zum Ressortleiter oder Vorstand gewählt werden. Schaut einfach mal vorbei, nehmt an einem unserer Veranstaltungen teil oder kontaktiert uns per Facebook oder E-Mail (mailto:info@bwn-online.org).

Vielen Dank.

 

Lisa Wolf