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Ras Referat Queer – Engagement für eine diskriminierungsfreie FAU

Das Logo des Referats Queer steht für ein fröhliches und buntes Miteinander.

An der FAU gibt es zahlreiche Referate und Arbeitskreise im Rahmen der Stuve (Studierendenvertretung der Universität Erlangen-Nürnberg). Vom ‚Aktionsbündnis Semesterticket‘ bis hin zum ‚Referat Ökologie‘ werden sämtliche Bereiche abgedeckt. Einen Punkt, der an unserer Universität bisher weniger thematisiert wurde, stellt das Miteinander von Menschen verschiedener sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität dar. An wen können sich Studierende wenden, die an der FAU aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer geschlechtlichen Identität diskriminiert werden? Und wen kann man bei Fragen zu „LGBTIAQ* (Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual, Transgender, Transident, Intersexual, Asexual, Agender, Genderqueer, Questioning) Menschen und Themen“ an der FAU ansprechen?

Eine Antwort darauf bildet das Rerferat Queer. Dieses wurde 2016 gegründet. Seitdem plant es Aktionen zum Thema LGBTIAQ* und informiert Menschen an der FAU über dieses Thema. Darüber hinaus bietet das Referat Quer regelmäßige Treffen sowie einen E-Mail-Kummerkasten für Studierende an. Nun möchte sie sich Euch in einem Interview vorstellen.

Liebe Mitglieder des Referats Queer, was bedeutet „queer“ überhaupt?

Referat Queer: Das englische Wort „queer“ ist ein Sammelbegriff für Menschen, die sich nicht in die heteronormative Zweigeschlechtlichkeit eingliedern, also Menschen, deren sexuelle Orientierung bzw. geschlechtliche Identität (noch) nicht der gesellschaftlichen Ansicht einer Norm entsprechen. Genauere Erläuterungen gibt es auf unserer Webseite.

Wie kam es zu der Idee, ein Referat für queere Studierende und Themen an der FAU zu gründen?

Referat Queer: Die Gründung des Referats geht maßgeblich auf die Einzelinitiative von zwei Studierenden aus dem Referat AntiDisRa zurück. Bei den Motiven spielte auch eine Rolle, dass die FAU diesem Thema unserer Meinung nach insgesamt zu wenig Aufmerksamkeit widmet.

Seit diesem Wintersemester bietet Ihr Sprechstunden für queere Studierende oder für Studierende, die sich für das Thema LGBTIAQ* interessieren, an. Mit welchen Anliegen kommen Studierende der FAU auf Euch zu und was ist Euer Ziel für die FAU?

Referat Queer: Queere Menschen fallen entweder aufgrund ihrer Sexualität (z.B. Homosexualität, Bisexualität, Asexualität) oder ihrer geschlechtlichen Identität (z.B. Transidentität und Intersexualität) durch ein Raster. Die meisten queeren Menschen machen im Laufe ihres Lebens Diskriminierungserfahrungen. Ziel des Referats Queer ist es, eine diskriminierungsfreie Uni zu schaffen, die alle Menschen akzeptiert. Dies wäre quasi das Fernziel, aber eine wirklich diskriminierungsfreie Gesellschaft und damit auch Universität werden wir wohl nicht mehr erleben. Um diesem Ziel trotzdem näher zu kommen, richten wir unser Augenmerk auf alle Projekte, die das unterstützen. Dabei ist vor allem die Aufklärung von Unbetroffenen für mehr Verständnis wichtig.

Habt Ihr konkrete Verbesserungsvorschläge für den Umgang mit queeren Menschen und Themen an der FAU?

Referat Queer: Wir finden gut, dass die FAU die Themen irgendwie auf dem Schirm hat. Das Büro für Gender und Diversity zum Beispiel ist für queere Themen sehr aufgeschlossen. Konkret würden sich manche queere Menschen wünschen, dass es in den Gebäuden der FAU nicht nur Frauen- und Männertoiletten gibt. Uns ist es wichtig, dass die FAU die Sichtweise queerer Menschen auf manche Probleme, zum Beispiel die Toilettensituation, wahrnimmt und ernst nimmt. Daraufhin kann man gemeinsam versuchen, eine Lösung zu finden, mit der möglichst viele Menschen zufrieden sind.
Um beispielhaft eine Lösung für das Toilettenproblem zu nennen: genderneutrale (oder auch „Unisex“-) Toiletten. Dafür müsste man nicht einmal neue Toiletten bauen, auch eine unkomplizierte Änderung von Beschriftungen wäre teils akzeptabel.

Habt Ihr bereits Erfahrungen mit Aktionen und Infoveranstaltungen gemacht oder befindet sich das alles noch in der Planung? Und was sind die wichtigsten Punkte auf Eurer Agenda?

Referat Queer: Das Referat Queer hat im Wintersemester zwei größere Infoveranstaltungen organisiert: Zunächst hatten wir einen Stand bei der Erstsemesterbegrüßung zu Semesteranfang. Wir haben dabei erfahren, dass zahlreiche Studierende Interesse hatten, und konnten unsere Gruppe vergrößern, was toll ist. Außerdem haben wir an verschiedenen Stellen in Erlangen und Nürnberg anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember 2016 Aids-Schleifen und Infomaterial zum Leben mit HIV verteilt.
Zum Thema Agenda: Ein konkreter Plan ist noch im Werden. Sicherlich werden wir 2017 unser schon länger angestrebtes Projekt einer Plakataktion weiterverfolgen, mit dem wir für mehr Toleranz werben wollen. Eine erhöhte Priorität hat auch die Teilnahme am Nürnberger CSD. Es gibt also viel zu tun! Deshalb freuen wir uns jederzeit über neue Mitglieder zum Mit- und Ausgestalten unserer Projekte sowie über neue Denkanstöße.

Wo seht Ihr, gesamtgesellschaftlich betrachtet, die größten Probleme im Alltag von queeren Menschen?

Referat Queer: Diskriminierung, die zu psychischer Belastung bei queeren Menschen führen oder gar zu Gewalt gegen queere Menschen ausarten kann. Dabei sollte man bedenken, dass schon die gesellschaftliche Grundgesinnung dazu beitragen kann, dass sich extreme Meinungen und Handlungen entwickeln.
Um Diskriminierung zu konkretisieren: Es kann passieren, dass queere Menschen beispielsweise für Berufsangebote abgelehnt werden oder sich gegenüber neuen Bekanntschaften „rechtfertigen“ müssen. Auch der Ausschluss homosexueller Männer von der Blutspende in Deutschland ist bedenklich und zeigt Stigmatisierung, die bis in die Politik eindringt.

Zu guter Letzt: Welchen Gedanken möchtet Ihr unbedingt loswerden?

Referat Queer: Vor allem: aufgeschlossen zu sein. Nichts ist schädlicher für Akzeptanz als Vorurteile, Stigmatisierung und der Gedanke, sich grundsätzlich von „anderen“ Menschen zu unterscheiden.
Und nun wünschen wir allen Studis an der FAU eine gute Prüfungszeit!

Vielen Dank für das Interview an alle Mitglieder des Referats Queer!

Anna Appel

Kontakt zum Referat Queer: