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Donald Trump – ein Phänomen des US-amerikanischen Wahlkampfes

Prof. Stefan Fröhlich (hier bei einer Veranstaltung der Konrad Adenauer Stiftung) ist Experte für die Politik der USA. Foto: KAS

Prof. Stefan Fröhlich (hier bei einer Veranstaltung der Konrad Adenauer Stiftung) ist Experte für die Politik der USA. Foto: KAS

In sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter gibt es zahlreiche Aktionen, bei denen die Nutzer sich über Donald Trump lustig machen. Der Unternehmer und Milliardär ist einer der Präsidentschaftsbewerber der Republikaner. Rassistische und sexistische Äußerungen, Beleidigungen und Anschuldigungen, extreme Ansichten: Der 69-Jährige sticht heraus. Und gewinnt in den Vorwahlen einen Staat nach dem anderen. Professor Stefan Fröhlich unterrichtet Politikwissenschaften an der FAU und ist Spezialist für Fragen rund um die Politik der Vereinigten Staaten. Er hat uns einige Fragen zu Donald Trump beantwortet.

Trump hat 20 Staaten und 731 Delegierte für sich gewinnen können. (Stand zum Zeitpunkt der Befragung) Sind die Vorwahlen bei den Republikanern damit schon entschieden?

Stefan Fröhlich (SF): Dazu muss man zwei Punkte sagen. Erstens ist es bemerkenswert, wie hoch die Beteiligung der Republikaner in diesen Vorwahlen ist, die Zahlen sind auf einem Rekordniveau. Im Vergleich dazu lag die Beteiligung an den republikanischen Vorwahlen 2008 bei der Nachfolge von Bush nur bei etwa zwei Drittel der nunmehr für Trump abgegebenen Stimmen.  Donald Trump mobilisiert und polarisiert gleichermaßen. Trump hat mittlerweile die Mehrheit der Stimmen so gut wie sicher und wird somit wohl der republikanische Präsidentschaftskandidat. Das heißt aber nicht zwingend, dass er auch Präsident wird. Innerhalb der Partei nimmt die Stimmung gegen Trump stark zu, was sich bei den Hauptwahlen im November bemerkbar machen wird. Wer ins Weiße Haus einzieht, entscheiden die Bürger am 8. November. Hillary Clinton wird dann die Kandidatin der Demokraten sein und auch wenn sie in den Augen vieler Amerikaner keine ideale Wahl ist und auch wenn es gegen sie Bedenken aus den Reihen der Partei gibt – selbst republikanische Wähler geben an, im Fall eines Erfolgs Trumps beim Konvent nicht für ihn zu stimmen.

Er beleidigt, äußert sich rassistisch und sexistisch, droht. Woher kommt sein Erfolg?

SF: Dafür gibt es mehrere Gründe. Trumps Wahlkampf ist sehr unkonventionell und von einer hohen Medienpräsenz gezeichnet. Mit seinen polarisierenden und provozierenden Aussagen hat er auch Wähler motiviert, die keine Stammwähler der Republikaner sind. Vor allem in wirtschaftlich schwachen Gebieten und in der breiten Mittelschicht, die in den letzten Jahren stark marginalisiert wurde, schneidet er gut ab. Die weiße Mittelschicht bangt um ihren Arbeitsplatz und Trump nutzt ihre Ängste vor kultureller Überfremdung und Arbeitslosigkeit. Er redet von Abschottung, Schutz des eigenen Arbeitsmarktes und weniger Handel, und damit punktet er bei vielen Amerikanern.

Ist die Angst, die viele vor Trump haben, berechtigt? Oder wäre er als Präsident durch Gesetze und Senat eingeschränkt (wie es auch bei Obama der Fall war)?

SF: Egal, wie stark der Kongress ist, der Präsident kann auf alle Fälle Akzente setzen über seine starke mediale Präsenz, seinen Informationsvorsprung in vielen Fragen und so genannte executive agreements, die nicht der Zustimmung des Kongresses bedürfen.  Es wäre insofern weltweit ein fatales Signal, wenn Trump Präsident würde und hätte sicherlich Konsequenzen für die Weltpolitik und Amerikas globale Führungsrolle.

Die Mauer zu Mexiko, Einreiseverbot für Muslime – warum wählen ihn trotzdem so viele?

SF: Das sind alles Äußerungen einer populistischen Programmatik. Sie spiegeln die schwierige Gemengelage in einer zutiefst gespaltenen US-Gesellschaft bzw. die Ängste und Sorgen vieler Amerikaner wider. Und das, obwohl die Wirtschaft der USA gar nicht so schlecht dasteht. Der Wohlstand kommt nur nicht überall und teils an den falschen Ecken an. Vor allem die Angst vor Immigration, demographischem Wandel und den Folgen der Globalisierung beschäftigt viele. Vergessen wir außerdem  nicht, dass die Immigranten in die USA nicht mehr nur aus Europa, sondern auch aus Asien und Lateinamerika kommen, das sind neue Sorgen, auch im Land der Einwanderer.

Der Wirbel um Donald Trump und seine Aussagen ist groß. Ted Cruz‘ Ansichten sind aber ebenfalls radikal. Wer wäre das geringere Übel?

SF: Ja, Cruz ist teilweise sogar noch radikaler. Er ist allerdings wesentlich eloquenter als Trump und verpackt seine Botschaften subtiler. Auch hier hätte man sich Sorgen um die Zukunft der internationalen Gemeinschaft machen müssen, aber nach den bisherigen Ergebnissen ist Cruz ja kein Kandidat mehr

Trump, AfD, die polnische Regierung – was führt Ihrer Meinung nach zu diesem weltweiten Rechtsruck?

SF: Die Angst vor kultureller Überfremdung, der Krieg und Kampf gegen den internationalen Terrorismus, die negativen Entwicklungen bzw. die Krisensymptome in der Europäischen Union – all das sind Gründe für den internationalen Rechtsruck. In den USA ist die Angst vor illegaler Immigration im Übrigen schon länger ein Problem, bei uns schlägt es mit der Flüchtlingskrise nunmehr auch durch. Dies ist einer, sicherlich aber nicht der einzige Grund für die Erfolge der AfD.

Vielen Dank für das Interview!

 

Leonie Fößel