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Ein Auslandssemester in Utrecht – Land und Leute

Eindrücke aus dem schönen Friesland. Foto: Kristin Löchle

Der dritte und letzte Teil der Beitragsserie „Ein Auslandssemester in Utrecht“ soll nun von der Stadt Utrecht, den Niederlanden und den niederländischen Leuten handeln. Hier findet ihr den ersten und den zweiten Teil der Serie.

Utrecht

Utrecht ist eine wunderschöne, oft unterschätzte Stadt im Herzen der Niederlande. Mit circa 340.000 Einwohnern ist die Studentenstadt die viertgrößte Stadt der Niederlande. Es ist einiges geboten in Utrecht, fast jedes Wochenende ist ein Fest oder eine Veranstaltung. Man kann an eigentlich jedem Tag der Woche in Bars oder Clubs gehen und es ist ständig was los. Es gibt viele sehr gemütliche Kneipen, die teilweise außergewöhnlich sind. Beispielsweise gibt es ein Restaurant mit Bar in einer ehemaligen Kirche direkt bei der Fußgängerzone. Was auch typisch für die Niederlande ist, ist dass man sich in den meisten Bars und Cafés Spiele ausleihen darf. Man kann sich also fast überall zum gemütlichen Spielenachmittag oder -abend treffen.

Durch die (Innen-)Stadt schlängelt sich ein schöner Kanal, an dem man teilweise im Grünen oder auf Bänken sitzen kann. Außerdem gibt es unzählige Parks – einer nahe der Innenstadt und mit zugehörigem Streichelzoo ist der Griftpark. Besonders schön ist außerdem der Wilhelminapark, dort treffen sich bei gutem Wetter sehr viele Studenten. eben den vielen Parks gibt es auch andere Möglichkeiten ein Wenig in die Natur zu kommen. Aus dem Stadtzentrum ist man mit dem Fahrrad in guten zwanzig Minuten in Rijnauwen und am Rijnoever. Rijnauwen ist ein großes, teilweise bewaldetes Gebiet, in dem man spazieren oder radeln kann und sich dann für ein Picknick in die Wiese setzt. Das Rijnoever, das sich auch dort befindet, lädt an einigen Stellen zum Baden ein. Neben einem dieser Badeplätze sind ein paar Schafe zu Hause, die man mit Gras füttern kann. Auch um abends gemütlich mit Freunden zusammenzusitzen lädt dieser Ort ein.

Wenn man etwas länger mit dem Fahrrad fahren möchte, kann man den großen Naturpark „Utrechste Heuvelrug“ erkunden und dort durch den Wald spazieren. Was man unbedingt an einem klaren Tag machen sollte, ist, den Domturm zu besteigen. Von dort aus hat man einen wunderschönen Ausblick auf Utrecht und außerdem lernt man noch einiges über den Dom und dessen abgetrennte Kirche.

 Die Niederlande

„Delfts Blauw“, das typische blauweiße Porzellan der Stadt Delft. Foto: Kristin Löchle

Aufgrund der Lage Utrechts und der Tatsache, dass die Niederlande so klein sind, kann man das Land auch in kurzer Zeit sehr gut kennenlernen. Ich habe mit Freunden, alleine oder mit ESN viele Städte und Gegenden anschauen können und möchte hier nun einige, vielleicht weniger bekannte Städte und Gegenden ansprechen.

Relativ am Anfang meiner Zeit in den Niederlanden habe ich mit ESN Kinderdijk und Delft besucht. Delft ist eine kleine Stadt, die für ihr „Delfts Blauw“ (dem typischen blauweißen Porzellan) bekannt ist. Wir haben auch das „Royal Delft Museum“ besucht, in dem man sehen konnte, wie dieses Porzellan hergestellt wird. In etwa eine Stunde entfernt von Delft liegt die Gegend Kinderdijk. Dort sind die berühmten Windmühlen zu bestaunen, die sogar in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen wurden.

Die Provinz Zeeland habe ich mit Freunden erkundet. Wir haben uns für einen Tag ein Auto gemietet, um flexibel zu sein und viele verschiedene Orte in Zeeland zu sehen. Es ist eine wunderschöne Gegend, in der es viele Strände gibt und es eignet sich auch optimal für einen Urlaub. Nicht ohne Grund ist es eine der beliebtesten Gegenden bei den Niederländern. Viele fahren hier auch am Wochenende hin, denn Zeeland lädt mit seiner Landschaft und Natur zum Entspannen ein.

Eine weitere Provinz, die ich ebenfalls mit Freunden und einem gemieteten Auto (diesmal für zwei Tage) angeschaut habe, ist Friesland. Hier gibt es auch viel Natur zu sehen und die Stadt Groningen ist einen Besuch wert. Außerdem haben wir in Friesland eine Seehundeauffangstation besucht.

Die Menschen

Die berühmten niederländischen Windmühlen in Kinderdijk. Foto: Kristin Löchle

Die niederländische Lebensart ist unfassbar positiv. Sobald nur der kleinste Sonnenstrahl zu sehen ist, treibt es die Niederländer nach draußen. So sitzen sie teilweise sogar auch im Winter dick eingemummelt unter Heizstrahlern außen in einem Café, Restaurant oder einer Bar. Wenn es dann etwas wärmer ist und man keinen Balkon zu Hause hat, passiert es immer wieder, dass sich Leute mit einem Stuhl vor ihr Haus in die Sonne setzen. Die vielen Parks sind bei gutem Wetter dann natürlich auch gerammelt voll. Aber die Atmosphäre ist fantastisch.

Was mir auch besonders gut gefallen hat, sind die Blumenmärkte samstags. An diesem Tag sieht man gefühlt jeden zweiten Passanten mit einem großen Blumenstrauß spazieren oder auf dem Fahrrad fahren. Ein sehr schönes Bild!

Darüber hinaus sind der Großteil der Niederländer auch extrem hilfsbereit und freundlich und so ziemlich jedes Alter spricht zumindest ein paar Brocken Englisch. Das liegt daran, dass die meisten ausländischen Filme nicht synchronisiert werden.

Tipps und Informationen

Rijnauwen ist ein großes, teilweise bewaldetes Gebiet, das zum Spazieren und Radfahren einlädt. Foto: Kristin Löchle

Ein Tag, an dem man unbedingt in den Niederlanden sein sollte, ist der Koningsdag (zu Deutsch: Königstag). An diesem Tag wird der Geburtstag des Königs gefeiert und das ganze Land befindet sich im Ausnahmezustand. Am Abend vor dem Koningsdag – der Koningsnacht – verwandelt sich Utrecht schon in eine große Party. Auf vielen Plätzen sind Bühnen aufgebaut, auf denen Musik gespielt wird, man kann sich in allen Bars Getränke „to go“ besorgen und es gibt außerdem viele Stände mit Essen und Getränken. In den Clubs (und auch Bars) wird die Feier dann fortgesetzt. Der nächste Tag ist ein wenig ruhiger. Es gibt einige Märkte, über die man gemütlich spazieren kann und auf den großen Plätzen sind auch wieder einige Stände offen. Man kann an diesem Tag immer noch trinken und feiern, aber das Ganze geht nicht mehr so lange wie in der Nacht vorher. Nach diesem Event schaut die Stadt sehr ungewohnt schmutzig aus, überall liegt Müll herum. Aber schon am Tag drauf ist wieder alles pikobello sauber.
Ein weiterer Tipp ist die „museumkaart“. Diese Museumskarte kostet 60€ für ein Jahr und mit ihr bekommt man in vielen Museen in den Niederlanden freien Eintritt oder Vergünstigungen. Durch die Anschaffung dieser Karte habe ich mir viel mehr Museen angeschaut, als ich es sonst gemacht hätte. Wer sich diese Karte anschafft, dem empfehle ich einen Gang ins Spoorwegmuseum (Eisenbahnmuseum) in Utrecht. Es ist um einiges spannender, als es sich anhört! Aber mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

An was man sich außerdem gewöhnen sollte, ist die Tatsache, dass in den Niederlanden jeder noch so kleine Betrag mit Karte bezahlt wird (auch an Marktständen). An manchen Orten kann man sogar gar nicht mehr bar bezahlen.

Alles in allem sind die Niederlande und insbesondere Utrecht ein fantastischer Ort für ein Auslandssemester. Die Universität ist sehr gut und empfängt Studierende aus dem Ausland äußerst herzlich, die Stadt und das Land sind wunderschön, die Menschen sind herzlich und positiv gestimmt und man trifft unfassbar viele, interessante neue Leute.

Kristin Löchle