Inhalt

Ein Auslandssemester in Utrecht – Teil 1: Die Planung

Der Dom in Utrecht. Foto: Kristin Löchle

Ein Auslandssemester in den Niederlanden? Davon hört man eher selten… Das Nachbarland Deutschlands ist zwar auch bei deutschen Studierenden beliebt, jedoch meist gleich für ein komplettes Studium und nicht nur für ein Auslandssemester. Laut des Magazins „alexander“, das in seiner 105ten Ausgabe Statistiken zum Thema Internationalität der FAU zum Besten gab, liegen die Niederlande nicht einmal unter den Top 10 der „beliebtesten Länder bei Studierenden“. Auf Platz 1 – wenig verwunderlich – liegt Spanien. Eine Vielzahl an Studenten und Studentinnen haben wohl auch mindestens eine Person im Bekanntenkreis, die ein Semester in Spanien studiert hat oder dies plant. Und da deshalb auch die Meisten schon Geschichten über ein Studium im Lande der Tapas kennen, soll nun in einer dreiteiligen Reihe ein Bericht über ein Auslandssemester in einem weniger beliebten Land und zwar Holland, „der geilsten Stadt der Welt“, folgen.

Der erste Teil beschäftigt sich mit allem Organisatorischen, also der Planung und Vorbereitung. Zu erwähnen sei, dass es sich hier konkret um ein Auslandssemester an der Universiteit Utrecht (UU) handelt, die mit dem Institut für Theater- und Medienwissenschaften in Erlangen in einer Partnerschaft steht.

Abgaben und Fristen

Utrecht von oben. Foto: Kristin Löchle

Die Vorbereitung eines Auslandssemesters kann relativ stressig sein. Es sind nun mal einige Fristen zu berücksichtigen, Unterlagen müssen besorgt werden und Formalitäten sind zu erledigen. Da kann die Freude auf den bevorstehenden Auslandsaufenthalt schon mal etwas getrübt werden. Jedoch sollte man sich von der Bürokratie nicht entmutigen lassen, es lohnt sich definitiv! Und: man ist nicht alleine. Die FAU sowie die UU unterstützen einen sehr. Es kommen viele Erinnerungsmails, es gibt Informationsmappen und die Ansprechpartner helfen gerne weiter. Solange man sich rechtzeitig über Abgaben und Fristen informiert, ist die Vorbereitungsphase durchaus machbar. Und sie ist stückweit auch ein wichtiger Teil dieser neuen Erfahrung wie ich finde, denn sich durch den Papierkram zu arbeiten und dafür zu sorgen, alles fristgerecht und genau zu erledigen, treibt einen in puncto Selbstständigkeit voran. Außerdem erhält man nur so auch seine Erasmus-Förderung (und ggf. Auslands-BAföG, das auf jeden Fall beantragt werden sollte, sobald man die Zusage auf Seiten der Uni hat – die Bearbeitung dauert nämlich leider einige Zeit) und was macht man schon bei einem Semester im Ausland, wenn das Geld knapp wird oder erst spät kommt?

Ein wichtiger Punkt bei der Organisation des Auslandssemesters ist außerdem die Kurswahl. Diese sollte angegangen werden, sobald die Austauschuni ihre Auswahl zugänglich macht, da man sich bei der Wahl mit dem Auslandskoordinator seines Instituts besprechen sollte, um möglichst zum Studiengang passende Kurse zu wählen. Jedoch ist es an der Universiteit Utrecht bis Semesteranfang noch möglich, Seminare im Nachhinein zu wechseln (sofern noch freie Plätze verfügbar sind).

Ein Vorteil von einem Studium in den Niederlanden ist, dass Studierende mit europäischem Pass natürlich kein Visum benötigen, wodurch ein aufwendiger Teil der Planung wegfällt. Eine andere (wichtige) Sache, an die man von der Universiteit Utrecht auch regelmäßig erinnert wird, ist die Anmeldung in der Gemeinde. Hierfür sind eine Bestätigung des Vermieters bzw. eine Registrierung in einer Wohnung notwendig. Dies ist jedoch in vielen Fällen (wie auch bei mir) problematisch, da man teilweise für ein Zimmer in einer WG keine Wohnungsbestätigung bekommt. Sollte man aus Europa kommen und kein Bankkonto oder ähnliches in den Niederlanden eröffnen wollen, ist das (mit Absprache der UU) zum Glück meist kein größeres Problem.

Die Zimmersuche

Nationalstolz in Den Haag. Foto: Kristin Löchle

Problematisch könnte sich hingegen die Wohnungssuche gestalten. Es gibt zwar eine Seite, auf der man sich für einen Wohnheimsplatz in Utrecht anmelden kann, jedoch gibt es nur begrenzt Plätze und die Vergabe verläuft nach dem Windhundverfahren. Da bei mir leider etwas schief gegangen ist mit der ersten E-Mail der UU, habe ich den Anmeldebeginn verpasst und habe nur noch ein Angebot für ein Wohnheimszimmer vorgefunden. Dieses Angebot wollte ich jedoch noch überdenken, da ich mich anderweitig noch nicht umgeschaut habe, und das führte dazu, dass mir dieser Platz weggeschnappt wurde. Wer also auf Nummer Sicher gehen möchte und den Stress der Zimmersuche nicht unnötig ausbreiten möchte, sollte ein solches Angebot schnellstmöglich annehmen. Was mich davon abgehalten hat, war unter anderem der Preis (wobei ich im weiteren Verlauf meiner Suche festgestellt habe, dass der Wohnungsmarkt in Utrecht eine Katastrophe und sehr teuer ist) und der Fakt, sich ein Zimmer mit einer weiteren Person zu teilen. Ich habe mich also anderweitig umschauen müssen.

Es gibt einige Zimmersuchportale, jedoch muss man bei den meisten einen bestimmten Betrag zahlen, um mit den Vermietern Kontakt aufnehmen zu können oder Anzeigen zu sehen. Von einer Kommilitonin habe ich dann den Tipp bekommen, mich auf Facebook umzusehen. Dort gibt es eine Gruppe „Kamer in Utrecht“ in die etliche Angebote gepostet werden (vorwiegend auf Niederländisch). Nach meiner nervenaufreibenden Suche habe ich schließlich vier Tage vor Abreise ein Zimmer für die ersten zwei Monate gefunden. Bei meiner Suche vor Ort habe ich dann noch zwei Monate in einem anderen Zimmer der ersten WG wohnen können und den restlichen Monat dann in einer anderen WG. Mit viel Durchhaltevermögen und Tippfreudigkeit (man muss SEHR viele Leute anschreiben) findet dann eigentlich jeder was. Keiner von den Austauschstudenten, die ich kennengelernt habe, stand zu Beginn des Auslandssemesters ohne Zimmer da.

Kristin Löchle