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Ein Auslandssemester in Utrecht – Teil 2: Die Uni und das Studieren

Eine Rede vom Bürgermeister zur Begrüßung. Foto: ESN

Nachdem sich der erste Teil des Berichtes über ein Auslandssemester in Utrecht der Planung und der Organisation gewidmet hat, soll es in diesem Teil um die Struktur der Universiteit Utrecht und das Studieren an dieser Uni gehen.

Die erste Woche

Die Gastuniversität empfängt einen mit offenen Armen. Neben den Tipps und Informationen, die man schon vorab erhält, gibt es auch eine fakultätsspezifische Einführungsveranstaltung und eine für alle Austauschstudenten der Uni und Hochschule. Diese Veranstaltungen sind die perfekte Gelegenheit, Gleichgesinnte kennenzulernen. Die Einführung der Fakultät war nicht besonders groß (hier wurden schließlich nur Austauschstudierende der Geisteswissenschaftlichen Fakultät eingeladen), jedoch sehr informativ und auch gesellig. Nach Vorträgen konnte man sich mit Kommilitonen bei typischen niederländischen Snacks zusammensetzen und unterhalten.

Die Veranstaltung für die gesamten Austauschschüler war dann um einiges größer. Hier wurde man vorab in kleinere Gruppen eingeteilt, mit denen man bei witzigen Kennenlernspielen, Vorträgen mit Informationen über das Studentenleben in Utrecht und anderen Aktivitäten zusammen war. Außerdem konnte man außerhalb dieser Gruppen noch an Workshops teilnehmen (wie z.B. ein Niederländisch-Crash-Sprachkurs, Informationen zu verschiedenen Initiativen, etc.). Auch gab es einen Lounge-Bereich, in dem es wieder niederländische Snacks und – am besten! – frische Stroopwaffels gab. Die sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, denn sie schmecken warm und frisch besonders lecker.

Am Ende ist sogar der Bürgermeister Utrechts gekommen und hat eine Rede gehalten, um die Austauschstudenten in Utrecht willkommen zu heißen. Es war ein durchaus gelungener Tag, an dem ich meinen engsten Freundeskreis in Utrecht geschlossen habe.

Die Lage der Uni

Innenansicht der Geisteswissenschaftlichen Fakultät. Foto: Kristin Löchle

Die Geisteswissenschaftliche Fakultät der UU befindet sich in alten Gebäuden in der Innenstadt und ist dementsprechend sehr, sehr schön. In einem dieser Gebäude befindet sich auch die Stadtbibliothek der Uni, in der ich während meiner Zeit in Utrecht und vor allem während der Prüfungsphasen viele Stunden verbracht habe. Diese Bücherei war früher die Residenz von Lodewijk Napoleon, Bruder des Kaisers Napoleon I. und von 1806 – 1810 König Hollands. Im Eingangsbereich der Bücherei kann man den Schreibtisch Napoleons noch bewundern (er ist erstaunlich klein!). Es gibt dort übrigens auch Bereiche zum Entspannen und Pause machen, einer von ihnen ist mit schönen Teppichen und Kissen ausgelegt und dadurch sehr einladend auch für Lerngruppen.
Neben den Innenstadtgebäuden der Uni (die in Utrecht in etwa so verteilt sind wie hier in Erlangen auch), gibt es noch einen Campus (von der Struktur her ähnlich wie die TechFak der FAU), der sich etwas außerhalb von Utrecht befindet. Dort gibt es eine zweite Bibliothek, Einkaufsmöglichkeiten, ein Café und den Botanischen Garten. Auch sind dort noch einige Wohnheime zu finden und auch das Sportzentrum der Uni liegt dort.

Der Aufbau eines Semesters

Mit dem Segelschiffchen durch die niederländischen Gewässer. Foto: Kristin Löchle

Die universitäre Struktur in den Niederlanden weicht von der uns bekannten ab. Ein Semester ist in zwei Blöcke unterteilt, pro Block habe ich zwei Kurse belegt. Die Kurse, die ich in Utrecht belegt habe, sind zeitlich anspruchsvoller gewesen als vergleichbare Seminare an der FAU und wurden auch mit 7,5 ECTS Punkten honoriert. Ein Kurs bestand aus einer Vorlesung und einem Seminar und umfasste etwa fünf bis sechs Wochenstunden. Die Vorbereitung (und Nachbereitung) der Seminare fällt teilweise auch umfangreicher aus, man hat mehrere Prüfungen/Abgaben. In jedem Block gibt es auch immer eine Midterm-Abgabe und am Ende eine Abschlussprüfung/-abgabe. Außerdem müssen teilweise auch Referate gehalten und kurze Essays geschrieben werden.

Positiv an dieser Struktur ist, dass man sich schon allein aufgrund der Tatsache in einem Fach sowohl eine Vorlesung, als auch ein Seminar zu haben, intensiver mit der Thematik auseinandersetzt. Gewöhnungsbedürftig fand ich jedoch die Einteilung eines Semesters in zwei Blöcke, da ich es nicht gewohnt war, schon nach drei/vier Wochen die ersten Prüfungen/Abgaben zu haben und nach circa acht Wochen den Kurs schon beendet zu haben.

Die Studenteninitiative ESN

Archery Attack mit der Studenteninitiative ESN. Foto: ESN

Eine äußerst wertvolle Organisation heißt „ESN“ und ist in Utrecht ziemlich groß. Das ist eine Initiative von größtenteils niederländischen Studenten (aber auch anderen Austauschstudenten, die schon mindestens ein Semester in Utrecht studiert haben) für internationale (nicht nur europäische!!!) Studenten. Sie organisieren sportliche, soziale und kulturelle Events und bieten außerdem Workshops für Leute, die an einer internationalen Karriere interessiert sind, an. Die verschiedenen Veranstaltungen sind preislich in der Regel sehr studentenfreundlich und alle, an denen ich teilgenommen habe, haben mich begeistert. Es gibt verschiedene Tages- oder Wochenendtrips in andere niederländische Städte, viele Partys, sportliche Aktivitäten wie „Archery Attack“ und Segeln, kulturelles wie die „international kitchen“ und vieles mehr.

Auch ein Niederländisch-Sprachkurs wird angeboten, bei dem wichtige Dinge wie das Bestellen in einem Restaurant oder einer Bar, die Frage nach dem Weg oder das Kennenlernen besprochen werden. Darüber hinaus erfährt man viel über die Kultur und zu Essen gibt es oft auch Leckeres. Ich empfehle jedem, der nach Utrecht geht, sich die Events von ESN anzugucken und an vielen teilzunehmen. Sie veranstalten unter anderem auch einen „Introduction Day“ an dem man Utrecht besser kennenlernt und eine „Introduction Week“. Beides ist wiederum sehr empfehlenswert.

Kristin Löchle