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Ein Wochenende mit Feridun Zaimoglu – Bericht vom Poetik-Kolleg 2017

Feridun Zaimoglu beim diesjährigen Poetik-Kolleg an der FAU. Foto: Stefan Otto Ruiz

Gastbeitrag von Leonie Kästner

Am ersten Tag des Autoren-Wochenendes (7. – 8.7.) im Rahmen des Poetik-Kollegs mit Feridun Zaimoglu standen ein paar Frühankömmlinge unschlüssig vor dem Gebäude – oder passender: der Villa am Waldrand – für Religions- und Missionswissenschaft, in welchem die Blockveranstaltungen stattfinden sollten. Es regnete und die Türen waren noch verschlossen –  sämtliche Türen, wie eine Kurzexpedition rund um das Haus zeigte. Aber so wurden zumindest die zwei bereitgestellten Wasserflaschen entdeckt, die ebenfalls auf Einlass warteten. Erst in den Kühlschrank und dann gekühlt zu Zaimoglu, ganz so, wie er es sich im Vorhinein gewünscht hatte.

Nach und nach trudelten die restlichen Studierenden, die aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen und Semesterzahl zusammengefunden haben, ein und es waren nicht wenige, die zuallererst einen Rundgang durch unsere ganz persönliche Wochenendvilla machten. Wenigstens hatte es den Anschein, waren wir doch die meiste Zeit allein. Viele fühlten sich bald heimisch und so wurde die Treppe hoch- und runtergerannt, Kaffee in der Küche zubereitet und die Buchrücken eingehender Betrachtung unterzogen. Letzteres war kaum zu vermeiden, saßen wir doch in der Bibliothek mit Blick auf den Garten. Dieser Raum sollte Ort eingehender Gespräche werden.

Verbrachten wir die ersten Stunden noch unter uns, erschien Zaimoglu endlich in einer unserer Zwischenpausen, während wir gerade mit dem Essen beschäftigt waren. Schnell wurde heruntergeschluckt, begrüßt und Hände geschüttelt – die in seinem Fall mit einem ganzen Sammelsurium an Ringen und einer verwaisten Handschelle, die allerlei Fragen und Verschwörungstheorien aufwarf, behängt waren. Nach einer Zigarettenpause auf der Terrasse ging es los. Eine Referatsgruppe nach der anderen stellte ihre Fragen. Diese Gruppen von Experten und Expertinnen hatten sich zuvor jeweils mit einem seiner Werke auseinandergesetzt. Nicht oft hat man im Studium oder anderswo die Chance die Autoren und Autorinnen, die man zuvor auseinandergenommen hat, Fragen zu stellen und nach Unklarheiten zu befragen, genauso selten hat man die Möglichkeit direkten Einblick in die Literaturwelt zu bekommen. Im Poetik Kolleg ist das anders, eine Teilnahme lohnt sich somit auf alle Fälle. Ausführlich beantwortete Zaimoglu unsere Fragen, ließ sich auch von kritischen Nachfragen nicht aus der Ruhe bringen.

Die Mittagspause wurde gemeinsam in gemütlicher Atmosphäre bei einem Nahe gelegenen Italiener verbracht, wo nicht nur die Energie wieder aufgeladen, sondern auch weiter diskutiert und tiefere Bekanntschaft geschlossen wurde.

Nach einem weiteren Block „Arbeit“ ging es in Fahrgemeinschaften nach Nürnberg, wo im Pellershof eine öffentliche Lesung Zaimoglus im Rahmen des Seminars stattfand, über die Gästeliste fanden wir problemlos Einlass. In dieser passenden Umgebung – trotz der Gerüste – las Zaimoglu aus seinem neuesten Roman Evangelio. Ein Luther-Roman. Ein anderer Zugang zum Text als die einsame Lektüre.

Für manche ging es nach der Veranstaltung wieder Erlangen mit Zaimoglu und ein paar Lehrenden der FAU zum Abendessen, der Rest ging für diesen Tag ihres Weges bis es am nächsten Morgen zurück ging zu einem weiteren Tag in der Villa. Ein weiteres Mal gab es eine Mischung zwischen Stunden mit und Stunden ohne Zaimoglu. Bevor er sich schließlich verabschiedete, wurden noch Fotos geschossen, Bücher signiert und ein weiteres Mal Hände geschüttelt.

Alles in allem ein Wochenende, das so schnell niemand der Beteiligten vergessen wird. Und wer weiß? Vielleicht wird man im nächsten Sommersemester einige der Gesichter wiedererkennen.

 

Das Poetik-Kolleg wird jedes Jahr im Sommer vom Department Germanistik und Komparatistik veranstaltet und steht allen Studierenden – egal in welchem Semester oder Studiengang – offen.

Ein Kommentar zu “Ein Wochenende mit Feridun Zaimoglu – Bericht vom Poetik-Kolleg 2017

  1. Uschi sagt:

    Ein sehr schöner kurzer Bericht über ein unvergessliches Wochenende!

    Herrn Zaimoglu zu begegnen war eine Wucht – was für ein intelligenter, direkter, lustiger und trauriger Mensch! Das Poetik-Kolleg ist jedem zu empfehlen, der gerne ein ganzes Wochenende auf Augenhöhe über Literatur diskutiert. Für mich auf jeden Fall ein Höhepunkt des gesamten Studiums und jedem ans Herz zu legen, der gerne liest – egal in welchem Fach beheimatet.

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