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Einmal Sherlock Holmes spielen: Live-Escape-Games im ParaPark in Fürth

Zsófia gründete Anfang 2015 mit ihrer Familie den ParaPark in Fürth. Foto: Salome Mayer

Zsófia gründete Anfang 2015 mit ihrer Familie den ParaPark in Fürth. Foto: Salome Mayer

Sich einsperren lassen und dafür noch bezahlen? Was abgefahren klingt, kann man im ParaPark in Fürth tatsächlich machen. Sinn des Ganzen: Innerhalb einer Stunde Codes knacken, kreative Lösungen finden und dabei als Team zusammenwachsen. Nur so kann man die Tür in die Freiheit wieder öffnen. Wir haben uns in das Kellergewölbe in der Gartenstraße gewagt und das Live-Escape-Game „9. Portal“ gespielt.

„Ohne Joker schafft es niemand“

Als sich die Tür hinter uns schließt wissen wir nur: Wir müssen hier wieder herauskommen. Wie? Das wird sich zeigen. Wir nehmen den in schummriges Licht getauchten Raum unter die Lupe. Was bedeutet wohl das alte Radio auf der Kommode, deren Schieber mit einem Vorhängeschloss gesichert sind? Wie finden wir den Code heraus? Und wo ist der Schlüssel zur nächsten Tür? Jeder von uns fünf nimmt sich eine Ecke des Raumes vor. Wir tasten Wände ab, nehmen Bilder und Skulpturen von den Wänden, durchblättern Bücher, rücken Schränke von der Wand weg. Auf einem Bildschirm sehen wir die Zeit, die uns noch bleibt: 56:39 Minuten, 56:38, unerbittlich zerrinnen die Sekunden, die Minuten. „Leute, ich habe eine Zahl entdeckt“, ruft jemand; der nächste findet ein großes Holzstück, das wohl zu einem Puzzle gehört. Wie die Fundstücke zusammenpassen wissen wir nicht – jetzt ist Kombinationsgabe gefragt. Ein halbes Auge, das auf einen Spiegel gemalt ist, mustert uns bei unseren Überlegungen. Bestimmt ist es auch Teil der Lösung, aber wir kommen nicht drauf, was wir tun müssen, um diesen Geheimcode zu knacken. Wir fordern über das Walkie-Talkie, unserer einzigen Verbindung in die Außenwelt, Hilfe von Max, dem Moderator, an. Er beobachtet uns über Kameras und gibt uns den entscheidenden Hinweis. Fünf Joker hat jedes Team. „Nutzt diese Möglichkeit am Anfang. Wenn ihr am Schluss keine Zeit mehr habt, dafür aber noch alle Joker, bringt euch das nichts“, hatte Max uns in der kurzen Einführung gesagt, bevor er uns einschloss. Ohne Tipps von außen hat es noch kein Team geschafft, sich zu befreien.

Escape-Games als Teambuilding

Nach einem weiteren Joker haben wir es in den nächsten Raum geschafft. Auf dem Röhrenfernseher leuchtet eine helle Null in die Dunkelheit des Raumes, gruselige Musik ertönt aus unsichtbaren Lautsprechern, eine Puppe mit abgetrenntem Kopf liegt auf einem Stuhl, Spinnweben sind an den Wänden. Gut, dass man nicht allein ist. Die Escape-Games sind Teamspiele, man muss mindestens zu zweit sein. Anders wären die Aufgaben nicht lösbar. „Ein gutes Team arbeitet ständig eng zusammen“, erzählt Zsófia, die mit ihrer Familie den ParaPark in Fürth gründete. „Man muss ständig alle Infos, die man findet, den anderen sagen.“ Deshalb kommen viele Mitarbeiter von Siemens, Adidas und Puma zum Teambuilding in den ParaPark. Kommunikation ist tatsächlich elementar. Auch wir laufen nun zwischen den zwei Räumen hin und her und rufen uns dabei immer wieder neue Erkenntnisse zu. Und dank eines (nicht mal angeforderten) Tipps von Max, bekommen wir irgendwann auch das Licht im zweiten Raum an. Wir entdecken Buchstaben auf den Schubladen eines Schrankes und enträtseln ihre Bedeutung. Plötzlich erweist sich ein vorher gefundener Hinweis als wertvoll, wir kommen der Lösung immer näher.

40 Prozent schaffen es aus dem „9. Portal“ heraus

Doch die Zeit spielt gegen uns. „Aus dem ‚9. Portal‘ schaffen es etwa 40 Prozent, aus unserem leichtesten Game, dem ‚Appartement Nr. 113‘ etwa 60 Prozent und dem ‚Tatort ‘95‘ entkommen 30 Prozent der Spieler“, sagt Zsófia. Und Max ergänzt, nicht ohne Stolz: „Wir haben eben die schwierigsten Rätsel der Region.“ Die Rätselvorlagen stammen aus Ungarn, wo das Unternehmen ParaPark seinen Sitz hat. Zsófia hatte als Geschenk zu ihrem 32. Geburtstag einen Gutschein für ein Escape-the-Room-Spiel in Budapest bekommen und Feuer gefangen. „Hier in Fürth und in Nürnberg gab es das damals noch nicht, da beschlossen wir, einen Ableger von ParaPark in Fürth zu gründen“, erzählt die Mutter von zwei Kindern. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Eltern passt sie die Rätsel an die Räume an und bringt eigene Ideen mit ein. Ziemlich herausfordernd sind diese, wie wir feststellen. Wir fühlen uns ein bisschen wie Sherlock Holmes oder Hercule Poirot – nur gestresster, denn uns bleiben nur noch wenige Sekunden. Der Weg nach draußen eröffnet sich durch einen Geheimcode. Endlich haben wir ihn gemeinsam geknackt, doch die Reihenfolge stimmt noch nicht. Die letzten Sekunden verstreichen – und tatsächlich: Als wir zum dritten Mal den Code eingeben, leuchtet die Anlage grün auf! Geschafft!

Zielgruppe: „Alle!“

Wir haben das Gefühl, erst Mal wieder runter kommen zu müssen; wir gerieten während des Spiels in einen regelrechten Flow. Jeder hat mit seinem Wissen und seinen Ideen dazu beigetragen, die verschiedenen Rätsel zu lösen. Uns hat es viel Spaß gemacht, es war eine Erfahrung, die wir so noch nicht gemacht hatten. „Es ist für alle ein Erlebnis. Uns besuchen Familien mit Kindern und einmal war eine Dame hier, die das Spiel zum 80. Geburtstag geschenkt bekommen hat“, beschreibt Zsófia die Zielgruppe. Ihre Mutter beginnt schon mit dem Aufräumen des „9. Portals“, denn draußen warten schon die Nächsten: Ein Haufen aufgedrehter Mädels, die Junggesellinnenabschied feiern. Viel Glück!

 

Salome Mayer

Eine  deutschlandweite Übersicht der Spiele und Räume findet ihr auch hier.