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Erfahrungen aus der Hochschulpolitik – Interview mit Theresa Pollinger

Hochschulpolitisch sehr aktiv an der FAU: Theresa Pollinger. Foto: Christine Hetterle

Hochschul-politisch sehr aktiv an der FAU: Theresa Pollinger. Foto: Christine Hetterle

Am 15. und 16. Juni 2016 finden an der FAU wieder Hochschulwahlen statt. Die Master-Computational Engineering-Studentin Theresa Pollinger ist im vergangenen Jahr für die FSIen-Liste bei den Hochschulwahlen angetreten und konnte zusammen mit den anderen Vertretern die Mehrheit für sich gewinnen. Im Interview erzählt sie uns von ihrer hochschulpolitischen Laufbahn und was man als ganz normaler Studi tatsächlich bewirken kann.

Theresa, wie bist du in Hochschulpolitik reingekommen?

Theresa:  Mit der Studentenvertretung habe ich eine ganz lange Geschichte. Mein Studium habe ich in Edinburgh begonnen und war dort Studiengangsprecherin für Maschinenbau. Dort habe ich dann festgestellt, dass man als Student leider recht wenig Mitspracherecht hatte und sich kaum einbringen konnte, was ich so gar nicht gut fand. Als ich dann nach Erlangen gewechselt bin, wollte ich vorerst nicht wieder in eine Studierendenvertretung einsteigen. Zum Ende meines zweiten Semesters hat es mich dann aber doch wieder zur FSI verschlagen.

Wie ist es dazu gekommen?

Theresa: Der Auslöser dafür war das Erstiheft, das man zum Beginn des Semesters bekommt. Ich fand das so doof, dass ich mir dachte, wenn das nächste Heft erscheint, will ich sichergehen, dass es besser wird. Ich habe mich erstmal ganz unverbindlich auf den E-Mail-Verteiler eintragen lassen, bin dann zu einer Sitzung der FSI gegangen und habe mir die Überarbeitung des Erstihefts zur ersten Aufgabe gemacht. Zu der Zeit habe ich dann gemerkt, dass die Studivertretung hier ganz anders funktioniert und dass man, je nachdem wie man sich eben einbringt, total viel bewegen kann.

Wie bist du letztendlich für die Hochschulwahl aufgestellt worden?

Theresa: Nachdem ich eine ganze Weile in der FSI aktiv war, bin ich ins Referat gegen Diskriminierung und Rassismus gekommen, was dann dazu geführt hat, dass ich uniweite Hochschulpolitik gemacht habe. Als es dann an die Hochschulwahlen ging, wurde ich gefragt, ob nicht Lust hätte da mitzumachen und so bin ich dann auf die Wahlliste gekommen. Dadurch wurde ich in die FSV gewählt und von dort in den Konvent entsandt.

Was passiert bei einem solchen Konvent?

Theresa: Also in erster Linie wird da natürlich ganz viel geredet. Eine Konventssitzung ist etwas ganz Grundlegendes. Eine Frage war zum Beispiel, wie wir zum neuen Wissenschaftszeitvertragsgesetz stehen. Wir haben unsere Position ausgesprochen, die dann auch einen unmittelbar politischen Einfluss hatte, nämlich, dass der Gesetzesentwurf dahingehend angepasst wurde, dass man länger Hiwi sein darf, als im ersten Entwurf vorgesehen. Wir waren uns einig, dass es eine ganz schlechte Idee ist, Hiwistellen auf vier Jahre zu befristen, weil eigentlich jeder länger studiert. Wenn man dann im vierten Jahr seine Hiwistelle aufgeben muss, macht das nicht viel Sinn. Nun wurde die Obergrenze für eine Beschäftigung als HiWi  auf 6 Jahre angehoben.

Du bist ja für die FSIen-Liste angetreten. Wie kann man sich die Vorbereitungen dafür vorstellen?

Theresa: Wir haben uns getroffen und überlegt, wie wir Wahlwerbung machen wollen, was unsere Ziele sind und auf welchem Listenplatz ich stehen möchte. Davon hängt dann letztendlich ab, wie viel Verantwortung man dann später trägt. Trotz der sehr geringen Wahlbeteiligung hatten wir eine große Mehrheit bekommen, weshalb dann 14 von 15 Plätze in der FSV von der FSIen-Liste belegt waren.

Was sind deiner Meinung nach Gründe für die sehr geringe Wahlbeteiligung?

Theresa: Ich glaube, als normaler Studierender merkt man sehr wenig, wie viel eigentlich von uns mitbestimmt werden kann, weil das manchmal auch ganz kleine Dinge sind, oder nicht direkt sichtbar – beispielsweise das Mitspracherecht bezüglich der Verteilung von Studienzuschüssen etc. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass kein richtiger Wahlkampf betrieben wird. Vielleicht gibt es ja auch so eine Art Grundvertrauen, dass die bisherigen Leute das schon einfach weiter machen. Ich glaube, wir als Studierendenvertretung, könnten einen viel besseren und sichtbareren Einfluss ausüben, wenn wir eine verfasste Studierendenschaft hätten. Beispielsweise konnten wir beim Semesterticket nicht direkt mit der VGN verhandeln, sondern haben eine Partnerschaft mit dem Studentenwerk geschlossen, die das dann mit und für uns durchgeführt haben.

Wenn du auf deine bisherige Zeit als politisch aktive Studentin zurückblickst, hast du den Eindruck bekommen, dass man tatsächlich etwas bewirken kann?

Theresa: Ja, auf jeden Fall! Natürlich stößt man auch auf seine Grenzen, wenn man zum Beispiel rausfinden möchte, ob man Ruheräume für Studenten einrichten könnte, weil die Raumsituation so katastrophal ist. Platz und Finanzen sind häufig Grenzen, die für die Uni gelten und an denen man selten rütteln kann. Aber selbst da gibt es auch Spielraum. Man muss auch dazu sagen, dass es so viele Einsatzbereiche gibt, da ist wirklich für jeden was dabei. Das ist was ganz anderes als nur zu studieren, denn man macht in dem Moment das, was gerade wichtig ist und man lernt Soft-Skills anhand von Sachen, die man selbst gut findet.

Vielen Dank für das Interview.

Christine Hetterle