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Exkursion der Geographen durch Nordamerika – ein Reisetagebuch. Teil 3

Toronto gehört zu den schönsten und lebenswertesten Städten der Welt. Foto: Leonie Fößel

Toronto gehört zu den schönsten und lebenswertesten Städten der Welt. Foto: Leonie Fößel

Im ersten Teil des Exkursionsberichts haben wir Detroit und den ganz normalen Wahnsinn in den USA kennengelernt. Im zweiten Teil ging es dann weiter nach Toronto und zu den Niagarafällen. Nun steht ein Besuch beim indigenen Stamm der Mohawk of Akwesasne auf dem Programm:

9. August 2015:

Letzter Tag in Toronto! Begonnen haben wir ihn mit einem Expertengespräch – mal wieder – zum Thema Immigration. Carinas Experte ist ursprünglich Kolumbianer und berichtete, wie es abläuft, wenn man als Ausländer nach Kanada kommt. Danach waren wir alle ziemlich fertig und mussten erstmal eine Kaffeepause bei Tim Hortons einlegen. Dieser Laden hat uns schon des Öfteren das Leben und vor allem den Geldbeutel gerettet! Die Nachbesprechung des Expertengesprächs fand am nahegelegenen Strand statt. Unser nächster Halt war auf Toronto Island, wo Sarah ihr Programm zu Alternativen Wohnformen hatte. Der Blick von der Fähre auf die im Sonnenlicht glitzernde Skyline von Toronto war wirklich einmalig! Auf Toronto Island angekommen haben wir uns aufgeteilt in zwei Gruppen: Die eine sollte die Insel erkunden und mit Tablets fototechnisch dokumentieren – technisches Versagen in meiner Gruppe, wir konnten die Selfie-Funktion nicht ausschalten… Die andere Gruppe hatte ein Expertengespräch mit einigen Bewohnern der Insel. Dabei kam heraus, dass zwei der Bewohner illegal bei einem  befreundeten Paar im Gartenhäuschen wohnten. Das ist auf Toronto Island eigentlich streng verboten. Doof, dass eine der anderen Expertinnen für die Verwaltung der Bewohner zuständig war. Herr Elrick musste also seine diplomatischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Zum Abschluss gingen wir noch an den Strand der Insel. Jaja, die Vorurteile gegenüber Geographen und Exkursionen bestätigen sich. Das Wasser war arktiskalt – das durfte ich am eigenen Leib spüren, als ich euphorisch unsere Frisbee versehentlich etwas zu weit warf. Morgen geht es weiter nach Kingston – wir gehen mit einem weinenden und einem lachenden Auge!

10. August 2015:

Lange Autofahrten sind in Nordamerika an der Tagesordnung. Foto: Lukas Heinsch

Lange Autofahrten sind in Nordamerika an der Tagesordnung. Foto: Lukas Heinsch

Bye bye Toronto, hello Kingston! Nach einer ziemlich langen und staureichen Fahrt war Helen mit ihrem Programm dran. Das fand in Charlston Lake Provincial Provincial Park statt, leider war dank des Staus statt drei Stunden nur noch eine Stunde Zeit. Wir befragten die dortigen Camper nach ihrer Naturverbundenheit und erkundeten den Park. Am Ende hatten die verschiedenen Gruppen Probleme, sich wieder zu finden. Es endete damit, dass ich durch den ganzen Campingplatz joggte und nach einer ergebnislosen Suche schließlich durch Zufall auf die inzwischen wieder versammelte Gruppe stieß. Einem Herz-Kreislauf-Kollaps nahe sprang ich in eines der Autos und es ging weiter zu unserem nächsten Programmpunkt. Alex hatte ein Treffen mit Grenzoffizieren von US- und kanadischer Seite arrangiert, dazu überquerten wir einmal mehr die Grenze und fanden uns in den USA wieder. Wir erfuhren Einiges über die Grenzsituation zwischen den beiden Ländern, auch über Probleme wie beispielsweise Schmuggel, der noch ziemlich aktiv betrieben wird. Der Sankt Lorenz Strom ist die natürliche Grenze und dank dieses Flusses kann sich Schmuggel weiterhin halten. Die Rückreise nach Kanada gestaltete sich dank einer säuerlichen Grenzbeamtin etwas schwieriger – aber unserem Charme konnte sie wohl nicht widerstehen. Im Wohnheim hatte ich noch ein Gespräch mit Herrn Elrick und Herrn Glasze, morgen ist mein Programm an der Reihe! Die Vorbereitung musste also im Schnelldurchgang gemacht werden – weil erst seit heute Morgen feststeht, dass das Expertentreffen tatsächlich zustande kommt.

11. August 2015:

Foto: Marijke Heyenga

Spirituelle und historische Einblicke in die Kultur der Mohawk. Foto: Marijke Heyenga

Die Mohawk of Akwesasne, der indigene Stamm, den wir in Akwesasne besuchten, haben ganze Arbeit geleistet. So schwierig die Kommunikation und die Kontaktaufnahme mit ihnen war, so durchorganisiert war nun mein Programmtag! Wir bekamen erst spirituelle und historische Einblicke in die Kultur der Mohawk: traditionelle Geschichten, Besichtigung des Museum und eine traditionelle Getreidesuppe. Anschließend ging es weiter ins Lacrosse-Stadion der Mohawk, deren Gebiet von drei Grenzen durchzogen wird – der us-kanadischen Grenze, der zwischen den Provinzen Quebec und Ontario und der englisch-französischen Sprachgrenze. Im Stadion waren vier Vorträge vorbereitet, eines davon sogar mit Grand Chief Abraham Benedict. Fünf Stunden dauerte der Besuch bei den Mohawk of Akwesasne, danach waren alle am Ende ihrer geistigen Kräfte! Und es lag noch ein langer Weg vor uns: wir mussten noch nach Montreal fahren, der vorletzte Stopp auf unserer Route. Die Unterkunft hier war wieder ein altes Studentenwohnheim – allerdings mit Queensize Betten! Unser Glück war perfekt. Das Stadtbild ist sehr europäisch. Abends waren wir noch im Irish Pub und gingen dann in einem verrückten Club noch ein paar Körbe werfen. Kein Witz. Neben der Tanzfläche gab es einen Basketballkorb! Nach einem Spaziergang durch den Regen – diesmal ohne Orientierungsprobleme – ließen wir uns in unsere flauschigen Riesenbetten sinken.

Leonie Fößel