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Exkursion der Geographen durch Nordamerika – ein Reisetagebuch. Teil 4

Ottawa liegt im östlichen Teil der Provinz Ontario. Foto: Leonie Fößel

Ottawa liegt im östlichen Teil der Provinz Ontario. Foto: Leonie Fößel

Im ersten Teil des Exkursionsberichts haben wir Detroit und den ganz normalen Wahnsinn in den USA kennengelernt. Im zweiten Teil ging es dann weiter nach Toronto und zu den Niagarafällen, bevor im dritten Teil ein Besuch beim indigenen Stamm der Mohawk of Akwesasne auf dem Programm stand. Zum Abschluss geht es jetzt noch in die Metropole Ottawa:

12. August 2015

Nach einer kurzen Nacht im Luxus-Queen-Size-Bett ging es erstmal zum Frühstück. Gestärkt konnten wir dann Marijkes Exkursionsteil zur Infrastruktur in Angriff nehmen. Wir lasen verschiedene Texte in einem extra für uns reservierten Raum im Hotel, äh Studentenwohnheim. Anschließend diskutierten wir lange über die in Montreal recht verfallene Infrastruktur. Irgendwann rauchte allen der Kopf, doch von Pause konnte keine Rede sein: Sonja war ab Mittag mit ihrem Programm an der Reihe: Es ging um Regionalismus und Nationalismus. Wir sollten Leute in der Stadt interviewen. Mein Versuch, mein Schulfranzösisch wieder aufzupeppen scheiterte kläglich. Und dabei wollte ich nur einen Salat bestellen. Vor allem das Viertel Quartier Latin hat es uns angetan. Als wir in unsere Unterkunft zurückkehrten, hatten wir noch einen Termin mit einem Mitglied des Mouvement Nacional de Quebecois pour Quebecois, einer Initiative, die sich für die Selbstständigkeit Quebecs ausspricht. ER berichtete über die Situation mit der Zweisprachigkeit in Quebec und im Besonderen in Montreal. Nach diesem Expertengespräch packten wir ein weiteres Mal unsere Autos voll und es ging weiter zur letzten Station der Exkursion: nach Ottawa. Einen kleinen Zwischenfall gab es auf der Fahrt: Anja ließ ihr Handy auf der McDonald‘s-Toilette liegen und wir mussten in Ottawa alle Hebel in Bewegung setzen, damit sie es wieder bekommt. Da vor lauter Organisieren keine Zeit mehr für Abendessen blieb, mussten leider die Chips, die ich Herrn Elrick schuldete, dran glauben…

13. August 2015

Foto: Leonie Fößel

Foto: Leonie Fößel

Ein trauriger Tag: wir hatten kein tolles Frühstück wie sonst. Allerdings wurde es gleich besser: Jürgen führte uns bei seinem Exkursionsteil nach Gatineau, eine Stadt direkt neben Ottawa. Dort besuchten wir ein Zentrum für die Gleichberechtigung beider Amtssprachen. Wir wurden hochoffiziell empfangen, mussten Sicherheitskontrollen passieren und wurden dann in einem Saal über die Probleme informiert, die es durch die Zweisprachigkeit in Kanada gibt. Der Vortrag dauerte ziemlich lange und irgendwann waren wir alle am Rande der Erschöpfung angekommen, es ist wirklich anstrengender als man denkt, sich den ganzen Tag von einem zum nächsten Expertengespräch zu hangeln. Danach ging es ins Rathaus, dort lernten wir Herrn Elricks Schwiegervater Bob kennen, der vielen von uns im Voraus mit unseren Themen behilflich war. In fünf Minuten mussten wir unser Mittagessen vertilgen und schon stand das nächste Expertengespräch an. John Bennett von der Umweltorganisation berichtete uns unter anderem über Kanadas Fracking Aktivität. In einem weiteren Vortrag erfuhren wir, wie die Ressourcennutzung für Staat und First Nations geregelt ist. Da es unser letzter gemeinsamer Abend mit allen gemeinsam war, gingen wir noch in eine Bar – samt Dozenten und sogar Bob ließ sich das nicht entgehen.

Blick über die Stadt Ottawa. Foto: Leonie Fößel

Blick über die Stadt Ottawa. Foto: Leonie Fößel

14. August 2015

Der letzte Exkursionstag war wieder ziemlich anstrengend und ein wenig chaotisch, da ein paar Dinge nicht so liefen wie geplant. Max führte uns zu einem Stadtplanungsbüro, was vor allem für diejenigen unter uns interessant war, die einmal in die Richtung gehen wollen. Der anschließende Besuch im Canadian Museum of History fiel leider flach, weil die Schlange zu lang war und wir den Zeitplan sonst nicht einhalten konnten. Allerdings konnten sich einige von uns in die Ausstellung über First Nations schleichen, was sehr interessant war (und natürlich aufregend, es war immerhin eine Straftat!). Der letzte Programmpunkt der Exkursion war ein Vortrag in der University of Ottawa über Data. Da die Expertin zu diesem Thema eineinhalb Stunden überzog, musste sich Herr Glasze mitten in ihrem Vortrag verabschieden – ein wirklicher Abschied mit der ganzen Gruppe viel so leider flach, weil einige am selben Abend schon weiter- oder heimflogen. Diejenigen, die noch da waren, ließen den letzten Abend mit ein paar Bierchen in einem Raum mit perfekter Sicht über Ottawa ausklingen. Es waren anstrengende, lehrreiche aber auch extrem witzige zwölf Tage, die wir gemeinsam durch Nordamerika gezogen sind. Danke an alle für die tolle Zeit!

Leonie Fößel