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Flüchtlinge an der FAU – Ein Austausch mit Frau Dr. Perlick, Leiterin des Referats für Internationale Angelegenheiten | Teil 1

Frau Dr. Perlick stellt ihr Konzept „Studienorientierung für Geflüchtete“ vor. (Foto: Anna Appel)

Frau Dr. Perlick stellt ihr Programm „Studienorientierung für Geflüchtete“ vor. (Foto: Anna Appel)

„Integration heißt auch Aushalten von Differenzen“, so Frau Dr. Brigitte Perlick, Leiterin des Referats für Internationale Angelegenheiten der FAU. In einem Austausch zum Thema Flüchtlinge an der FAU am Montag, den 2. November 2015, berichtete Frau Dr. Perlick erfrischend persönlich und aufgeschlossen über Aufgaben, Probleme und Visionen bezüglich ihrer neuen, alten Arbeit. Alt, da sie sich schon lange um Studenten kümmert, die aus dem Ausland an die FAU kommen. Neu, weil sie sich zum richtigen Zeitpunkt für ein neues Aufgabenfeld geöffnet hat: Die neue Aufgabe besteht darin, Flüchtlinge in die FAU zu integrieren. Und, wie bereits erwähnt, heiße Integration auch, Unterschiede zu akzeptieren, sie als Chancen wahrzunehmen – Unterschiede zwischen sozialen Bedingungen, Kulturen und Menschen.

Eine Änderung innerhalb der Universitätsleitung war gewissermaßen der Stein des Anstoßes für das Projekt. Zum Vizepräsidenten für Internationale Angelegenheiten wurde Prof. Dr. Günter Leugering. Dieser sei von Anfang an sehr studentenorientiert gewesen und nehme sich sogar einmal pro Woche Zeit für eine offene Sprechstunde, in der alle Studenten mit den verschiedensten Anliegen auf ihn zukommen könnten. Studenten, die sich im Referat der Stuve gegen Diskriminierung und Rassismus der FAU (AntiDisRa) engagieren, nutzten sein Angebot, indem sie den Wunsch äußerten, dass an der FAU ein Flüchtlingsprojekt etabliert werden solle (beeinflusst vom Modell der Universität Bremen, welche als erste Universität Deutschlands ein Projekt für Flüchtlinge startete).

Daraufhin entwickelte Frau Dr. Perlick ein Programm, das sie dem AntiDisRa vorstellte. Ihr Konzept werde sich in Zukunft aufgrund der neuen politischen Situation (Flüchtlinge dürfen nun früher Deutschkurse besuchen und arbeiten) etwas ändern, bleibe aber in seinen Grundzügen bestehen. Nun bietet Frau Dr. Perlick neben ihrer Arbeit mit Erasmus-Studenten und anderen aus dem Ausland kommenden Studierenden Orientierungsgespräche für Flüchtlinge an, die gerne an der FAU studieren möchten. Sie betont, dass die Flüchtlinge in keiner Weise bevorzugt würden. Das Mehr an Beratung sei lediglich deshalb notwendig, da die Flüchtlinge schlichtweg vorher nicht die gleichen Informationsmöglichkeiten über Universität und Land hätten wie ihre ausländischen Kollegen und des Weiteren völlig auf sich allein gestellt seien. Sie hätten keine Verwandten oder Freunde, die hinter ihnen stehen und sie unterstützen würden.

So bräuchten sie zusätzliche Strukturierungshilfe und mehr persönliche Betreuung, um diesen Rückstand aufzuholen. Das Ziel der Beratung sei, die Flüchtlinge auf den richtigen Weg aufmerksam zu machen beziehungsweise diesen erst einmal herauszufinden. Dieser bestünde meist darin, dass sie zunächst eine Übergangsklasse und anschließend die Abiturklasse an einer normalen Schule besuchen sollten, um sich dann für ein Studium bewerben zu können. Denn wegen der oft mangelhaften akademischen Qualität in den Herkunftsländern und der großen Sprachbarriere hier in Deutschland, bleibe auch denjenigen Menschen ein Studium an der FAU meist vorerst verwehrt, die in ihrer Heimat einen abiturähnlichen Abschluss oder sogar ein angefangenes oder abgeschlossenes Studium in der Tasche hatten.

Für viele Flüchtlinge, die von Frau Dr. Perlick aufgrund der guten Chancen, dort Deutsch zu lernen, auf das Besuchen einer Berufsschule hingewiesen werden, trifft dieser Vorschlag auf völliges Unverständnis. Denn sie hatten doch zu Hause schon eine Ausbildung, ein Abitur oder Ähnliches erfolgreich abgeschlossen. Für die wenigen allerdings, welche bei dem Feriensprachkurs der letzten Semesterferien besonders geglänzt haben, heißt es nun: Schnupperstudium. Sie könnten alle Gastvorlesungen an der FAU besuchen, außer solche, die bestimmte Sicherheitseinweisungen oder sonstige Vorkenntnisse erforderten. Außerdem sei jeder dieser Flüchtlinge nun mit einer Bibliothekskarte ausgestattet, was vor allem deshalb so wichtig sei, weil sie im Gegensatz zu allen anderen Studenten keinen Computer besäßen und nur so das Internet nutzen könnten. Viele der anderen Teilnehmer des Feriensprachkurses besuchen nun einen der Semestersprachkurse, die extra für die Flüchtlinge eingerichtet wurden. Auch in dem Stockwerk unter Frau Dr. Perlicks Büro finden regelmäßig Deutschkurse, sogar für Anfänger, statt.

Man merkt, dass wirklich alle Mittel, die für die Flüchtlinge bereitgestellt werden, lediglich der Chancengleichheit oder einer Annäherung an diese dienen und keineswegs eine Besserstellung oder Bevorzugung darstellen. Frau Dr. Perlick nennt ihre Orientierungsgespräche übrigens auch ein Vermitteln von Normalität, Abläufen und der Unistruktur. Und Normalität ist sicher eines der Dinge, wonach sich die Flüchtlinge sehnen. Wie gut, dass die FAU etwas dazu beitragen kann.
Fortsetzung folgt in Teil 2.

Anna Appel

Ein Kommentar zu “Flüchtlinge an der FAU – Ein Austausch mit Frau Dr. Perlick, Leiterin des Referats für Internationale Angelegenheiten | Teil 1

  1. Steffi sagt:

    Sehr gut geschriebener Artikel der auch in der Schweiz auf Interesse stösst.

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