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Frauenpower an der TechFak

Corinna Böhm (oben 2.v.l.) und ihre Material Girls. Foto: SFB/Transregio 103

Am 31. Juli fand das traditionelle Fußballturnier der Werkstoffwissenschaftler auf dem Uni-Sportplatz nahe der TechFak statt. Zum ersten Mal trat eine Frauenmannschaft gegen sieben männliche Mannschaften an. Das Spiel wurde vom SFB/Transregio 103 unterstützt, einem gemeinschaftlichen Forschungsprojekt der FAU und der Ruhr Uni Bochum (RUB) zum Thema einkristalline Superlegierungen (Superalloy Single Crystals). Ich habe mich mit Corinna Böhm, einer der Gründerinnen der Material-Girls und Frauenbeauftragte des Departments für Werkstoffwissenschaften, getroffen und mit ihr über ihre Mannschaft und über Frauen in technischen Berufen gesprochen.

Sind die Teilnehmer des Turniers Mitglieder bei dem Forschungsprojekt?

Corinna Böhm: Ja, aber nicht alle. Die Mädels verbindet vor allem, dass sie alle am Department Werkstoffwissenschaften studieren oder arbeiten, jedoch unterschiedlichen Lehrstühlen zugehörig sind. Da es die Mannschaft zum ersten Mal gab, brauchten wir Trikots und den Platz, der finanziert werden musste und die meisten anderen Teams wurden von ihrem Lehrstuhl finanziert. Dadurch, dass wir nicht alle aus einem gemeinsamen Lehrstuhl kommen, mussten wir uns irgendwie anders finanzieren. Wir haben unter anderem beim SFB Transregio 103 (Transregionalem Sonderforschungsbereich der FAU und der Ruhr Universität Bochum) angefragt, der auch sofort bereit war uns zu unterstützen.

Wie kamt ihr auf die Idee eine Frauenmannschaft zu gründen?

Corinna Böhm: Wir hatten lange überlegt, wie wir es schaffen könnten mehr Frauen in das Fußballturnier mit einzubinden. Schließlich geht es bei dem Turnier nicht nur um Fußball an sich, sondern auch ums Networking mit den Leuten aus den eigenen und allen anderen Lehrstühlen. Mit der Frauenmannschaft haben sich die Mädels direkt angesprochen gefühlt und so ging der Plan perfekt auf. Insgesamt haben wir 15 Mädels aus 5 verschiedenen Lehrstühlen zusammenbekommen.

Ich war total fasziniert, wie motiviert die Mädels dabei waren und sich zweimal die Woche zum Training getroffen haben. Dabei waren wir echt ein bunter Haufen, von Ballerina über Handballerinnen, Reiterinnen, Läuferinnen, Schwimmerinnen und auch ein paar Fußballerinnen hatten wir alles dabei. Anfangs waren wir eine Katastrophe! Ich wusste selbst nicht, wie man schießt. Aber wir haben einen gewaltigen Fortschritt hingelegt. Denn nicht nur die fußballerische Leistung hat sich enorm verbessert, sondern auch das Miteinander. Die jüngeren Studentinnen wurden immer mutiger im Umgang mit uns Älteren, es hat viel Austausch über Studium, Promotion und eine mögliche, zukünftige akademische Laufbahn stattgefunden und das Ganze in einem sehr freundschaftlichen und spaßigen Umfeld. Der Gedanke des Networken ging also voll auf.

Hattet ihr das Gefühl, dass auf euch mehr Rücksicht genommen wurde?

Corinna Böhm: Bei der Bekanntgabe der Turnierregeln wurden alle Mannschaften vom Organisator Herrn Beigott explizit darauf hingewiesen, dass fair und rücksichtsvoll gespielt werden soll. Und das wurde auch getan. Wir haben zwar jedes Spiel wie erwartet verloren, aber wir hatten den Eindruck, dass unsere Gegner sich trotzdem anstrengen mussten, gegen uns zu gewinnen. Und unser einziges Tor, das wir im letzten Spiel geschossen haben, hat uns eine riesige Freude bereitet und hat sich für uns wie ein Gesamtsieg angefühlt (und auch angehört, wie mir die anderen Mannschaften später berichtet haben)!

Kann man den Frauenanteil von 1:8 auch auf die Studiengänge der Werkstoffwissenschaften übertragen?

Corinna Böhm: Nein. Im Studium und in der Promotion sind wir ungefähr zu ein Drittel Mädels, also ganz anders als beim Spiel. Mit zunehmender Karrierestufe nimmt der Frauenanteil dann aber massiv ab, so sind es unter den Professoren nur 6%.

Du bist Frauenbeauftragte am Department für Werkstoffwissenschaften. Wofür bist du da zuständig?

Corinna Böhm: Genau dieses Ungleichgewicht von 6% Professorinnen in die Waage zu bringen. Das geht von Networking für Frauen (wie beim Fußballturnier), über Gremientätigkeiten bis hin zu Berufungskommissionen, bei denen ich ein Auge darauf habe, dass alle Bewerbungen die gleichen Chancen bekommen.

Arbeitet ihr auch viel mit dem Büro für Gender und Diversity zusammen?

Corinna Böhm: Ja, wir organisieren zum Beispiel zusammen mit dem Büro für Gender und Diversity den Girl’s Day einmal im Jahr, bei dem Schülerinnen ab der 7. Klasse die Gelegenheit haben, in alle unsere Lehrstühle reinzuschnuppern.

Gehen inzwischen mehr Frauen in die technischen und naturwissenschaftlichen Berufe als in den letzten Jahren? Wenn ja, woran könnte das liegen?

Corinna Böhm: Das kommt ganz auf den Beruf an. Wohingegen in der Informatik noch immer sehr wenige Frauen sind, sind wir in den Werkstoffwissenschaften zu ca. 1/3 Frauen. Ich habe schon den Eindruck, dass es immer mehr Frauen in den technischen Berufen werden. Woran das liegt, hat mit Sicherheit viele Gründe. Eine konkrete Antwort habe ich darauf leider nicht. Ich denke die Veranstaltungen für mehr Frauen in technischen Berufen, der Abbau von Vorurteilen und mehr weibliche Role Models wirken sich sicherlich auf den Frauenanteil aus.

Wird es nochmal so ein Fußballturnier geben?

Corinna Böhm: Ja, wir sind nächstes Jahr auf jeden Fall wieder am Start! Und wir hoffen, auch noch mehr Mädels überzeugen zu können mitzuspielen. Daher an dieser Stelle direkt die Einladung an alle WW-Mädels.

Vielen Dank für das Interview!

Carmen Oberlechner