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Gaming als Beruf – das Praktikum-Tagebuch Teil 2

Unser erstes selbstgemachtes Meme. Foto: Isabel Steuer

Unser erstes selbstgemachtes Meme. Foto: Isabel Steuer

Falls ihr Teil 1 meines Berichts noch nicht gelesen habt, findet ihr ihn hier.

Morgens betrete ich den ruhigen und weiten Raum der Reaktion, alles ist still. Die Sonne erhebt sich und schickt ihre warmen Strahlen durch die Fenster. Meine Kollegen sitzen vor ihren PCs und checken Mails, trinken genüsslich ihren heißen Kaffee. Gerade fahre ich meinen Computer hoch und ziehe die Jacke aus, als plötzlich ein oranges Stück Schaumstoff an meinem Kopf vorbeizischt. „Achtung, Sasha, das gibt Rache!“, schreit mein Kollege und zieht ein Nerf-Gewehr unter seinem Schreibtisch hervor. Der zuvor besagte Sasha hebt seinen Nerf-Bogen an. Bevor man sich versieht, zischt ein Kugelhagel durch die Redaktion, begleitet von Kampfgebrüll. Aus einer anderen Ecke ruft jemand „Ruhe! Hier wollen Leute arbeiten!“ und die ganze Redaktion bricht in Gelächter aus.

Ein ganz normaler Morgen in der Redaktion. So kann der Tag gut beginnen. Weiter geht’s mit einem Check auf Facebook, ob alle Posts gut angekommen sind und ob die zukünftigen auch keine Schreibfehler enthalten. Emails noch kurz kontrollieren. Und jetzt kommt der spaßige Teil: Ein Spiel testen! Bis jetzt durfte ich Grim Dawn, Ultimate Chicken Horse, The Long Dark, The Solus Project und Into the Stars testen. Am besten gefiel mir bis jetzt Grim Dawn und The Long Dark. Grim Dawn ist ein buntes und magisches Spiel im Stile von Diablo. Viele Items finden und Monster bekämpfen mit einer netten Geschichte nebenbei. Wer aber eher auf Überlebenskampf in der kanadischen Wildnis aus ist, sollte sich an The Long Dark probieren.

Jagende Tote

Mein schreibtisch (inkl. dem Enderman aus Minecraft als Stofftier). Foto: Isabel Steuer

Mein schreibtisch (inkl. dem Enderman aus Minecraft als Stofftier). Foto: Isabel Steuer

Meistens schreibe ich Artikel für die Games Aktuell, aber ab und zu soll ich auch ein Spiel für die N-Zone testen. Das letztere Magazin ist ausschließlich für Nintendo-Liebhaber. Bei diesen Inhalten dreht sich alles um den 3DS und den Wii-Konsolen. Auf der Wii-U durfte ich auch „Chasing Dead“ ausprobieren, oder wie es so schlecht ins Deutsche übersetzt wurde: „Jagende Tote“. Doch bei den schlechten Übersetzungen bleibt es leider nicht. Die Steuerung hakt, die Gegner sind schlecht animiert und die Hauptfigur gibt die ganze Zeit abgedroschene Sprüche von sich. Von der papierdünnen Geschichte und den armseligen Schauspielern in den Cutscenes will ich gar nicht erst anfangen. Aber das bringt mich zum negativen Aspekt an meinem Traumpraktikum. Man muss auch schlechte Spiele testen und sie mehrere Stunden durchkauen, um genügend Bildmaterial zu sammeln. Das kann nicht nur frustrierend und langweilig, sondern auch extrem schwierig sein. Wenn ein Spiel einfach doof ist und dir nicht zusagt, was schreibst du dann dazu? Totale Vernichtung des Spiels wird dir nicht erlaubt. Aber viel Positives gibt es nicht zu sagen. Manchmal ist es wirklich eine Herausforderung etwas Vernünftiges zu Papier zu bringen. Auf Knopfdruck kreativ zu sein ist eben nicht einfach.

Cute. Foto: Isabel Steuer

Cute. Foto: Isabel Steuer

Eine kleine Familie

Leider gibt es aber noch andere Unannehmlichkeiten im Praktikum. Ein Heft besteht nicht nur aus Artikeln. Es enthält auch Terminlisten für Spiele, die in diesem Jahr noch erscheinen sollen, Bestenlisten, über die am besten bewerteten Spiele, die Team-Seite und noch viele weitere ähnliche Inhalte. All diese Seiten sind nicht schwer zu erstellen, man muss sie nur regelmäßig weiterpflegen. Es ist eine langwierige Aufgabe, aber sie bedarf keiner besonderen Kenntnisse. Also wird so etwas natürlich immer dem Prakti überlassen. Das sind die kleinen Lasten, die man als Praktikant eben tragen muss. Aber dafür lohnt es sich: Allein in den 2,5  Monaten (bis jetzt) habe ich neue Freunde, ich würde sogar sagen ein kleine Familie, gefunden. Viel Spaß ist garantiert und im Lebenslauf sieht es auch gut aus.

 

Isabel Steuer