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Grenzen überwinden – Der Webkongress Erlangen 2018

Wolfgang Wiese leitet am Rechenzentrum die Abteilung „ Ausbildung & Information“. Foto: Felix Klaassen

Vom 11. bis 13. September veranstaltet das Rechenzentrum den Webkongress Erlangen (WKE). Im Vordergrund der alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltung stehen meist Barrierefreiheit im Internet und allgemein alles, was sich um Webseiten und deren Gestaltung dreht. Initiator und Organisator des Kongresses ist Wolfgang Wiese. Er leitet am Rechenzentrum die Abteilung „ Ausbildung & Information“ und gibt im folgenden Interview einen Überblick über den Webkongress und seine Themen.

Hallo Herr Wiese. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen! Was fällt denn in den Zuständigkeitsbereich Ihrer Abteilung?

Unsere Abteilung ist für die Webauftritte an der Universität und die Öffentlichkeitsarbeit am Rechenzentrum zuständig. Außerdem sind wir für das Schulungszentrum verantwortlich. Darüber werden beispielsweise die IT-Kurse angeboten, die man als Student an der Universität belegen kann.

Wie kam es zu dem Webkongress?

2005 wurde das BGG (Behinderten Gleichstellungsgesetz) erlassen. Damit wurde endlich durchgesetzt, dass Behinderten genau das Gleiche wie allen anderen zusteht. Im Web bedeutet das, dass jeder, egal welche Mittel ihm zur Verfügung stehen, auf die gleichen Inhalte Zugriff haben soll. So braucht ein Bild auch eine Bildbeschreibung, damit einem Blinden nichts vorenthalten wird.

Da ist uns dann der Gedanke gekommen, einen Kongress dazu zu veranstalten, um unser Wissen im IT-Bereich zu vermitteln und mit anderen zu teilen. Dabei war es uns sehr wichtig eine breite Plattform zu bieten, in der Wissenschaft, öffentlicher Dienst und Agenturen vertreten sind. Wir wollen Wissen über Grenzen hinweg austauschen und deshalb auch jedem Zugang dazu ermöglichen! Grenzen überwinden ist auch das passende Motto für Barrierefreiheit!

Zusätzlich hierzu haben wir außerdem den Wunsch, aktiv an der sich ständig erneuernden Weblandschaft und deren Gestaltung teilzunehmen und auch hierzu Know-how auszutauschen, weshalb der Kongress auch noch weitere Themen wie Webtrends oder Webdesign behandelt.

Welche Anforderungen muss eine Website erfüllen um barrierefrei zu sein?

Wichtig ist beispielsweise, dass Titel als solche markiert werden und Kapitel mit Zwischenüberschriften beschrieben werden. So lassen sich Blinde die Kapitel auf einer Website über einen Screenreader vorlesen und können dann bestimmen, welche sie genauer interessieren. Das funktioniert natürlich nur, wen alles auf dieses System angepasst ist. Der bereits erwähnte Punkt der Bildbeschreibung gehört natürlich auch mit dazu.

Außerdem darf der Benutzer zu nichts gezwungen werden, auch was die Nutzung einer Software angeht. Eine Website darf zum Beispiel nicht nur mit einem einzigen Browser aufrufbar sein und ein Text darf nicht nur in einer bestimmten Datei verfügbar sein.

Inwiefern ist Barrierefreiheit im Internet schon realisiert?

Die Technik, um das zu verwirklichen, ist eigentlich sehr einfach. Dennoch hinken die meisten Webseiten noch stark den Anforderungen hinterher. Damit tut man sich jedoch selbst keinen Gefallen, denn barrierefreie und gut strukturierte Webseiten werden von Suchmaschinen deutlich besser gefunden.

Anfang des Jahres haben wir bei einem international anerkannten Testverfahren die Hauptseite der Uni und die Fakultäten auf Barrierefreiheit getestet. Dieses haben wir nicht bestanden. Der Grund hierfür sind viele alte PDFs auf unseren Webseiten, die weder passend formatiert noch zusätzlich als Website verfügbar sind. Abgesehen davon sind wir aber schon sehr gut aufgestellt, was die Barrierefreiheit angeht.

Welche Themengebiete stehen neben Barrierefreiheit noch auf dem Plan?

Von großer Bedeutung ist vor allem die Webentwicklung. Hier ist beispielsweise die Formatanpassung auf verschiedene Geräte wichtig geworden. Eine moderne Website sollte fünf verschiedene Auflösungen unterstützen, damit sie auf Handy, Beamer, PC und anderen Geräten passend angezeigt wird. Für die Umsetzung solcher Herausforderungen bieten wir Informationen und Lösungsmöglichkeiten.

Außerdem dreht sich vieles um neue Trends, wie etwa die Gestaltung von Webseiten, die sich ständig verändert.

Was erwartet die Teilnehmer auf dem Kongress?

Wir haben zahlreiche Referenten aus unterschiedlichen Fachgebieten eingeladen, die auf dem Kongress durch Vorträge ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergeben. Außerdem bieten wir dieses Jahr auch zwei Workshops an. Diese sind aber schon ausgebucht. Wichtiger Bestandteil des Kongresses sind außerdem die Pausen und die gemeinsame Abendveranstaltung, da hier den Teilnehmern ermöglicht wird, untereinander ins Gespräch zu kommen, Gehörtes zu diskutieren und Kontakte zu knüpfen. Uns ist es sehr wichtig, dass auch die Referenten dort mit vertreten sind, um am Austausch teilzunehmen.

Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang noch, dass wir keine kommerziell ausgerichtete Veranstaltung sind. Werbeauftritte für Firmen und deren Produkte gibt es auf dem Webkongress nicht. Damit haben wir ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland.

Ist der Webkongress auch für Laien interessant?

In der Regel nicht. Teilweise gibt es Vorträge, die auch für Leute außerhalb der Fachkreise verständlich sind, aber das ist eher eine Seltenheit. So hatten wir schon beispielsweise eine Blinde zu Gast, die dem Publikum gezeigt hat, wie sie im Internet surft.

Für Studenten aus dem Informatikbereich ist die Veranstaltung aber durchaus interessant. Das Department der Informatik bietet auch die Möglichkeit für Studenten günstigere Karten zu erwerben. Je nach Anfrage kostet die Teilnahme dann nur noch 50 – 100 €, was für einen Kongress dieser Art sehr günstig ist.

Mit welchen Entwicklungstrends ist auf Webseiten in Zukunft zu rechnen?

Ganz klar erkennbar ist, dass der Aufbau von Webseiten immer mehr für Handys angepasst wird. Mittlerweile werden 40% der Webaufrufe in Deutschland vom Handy getätigt und das wird sich wahrscheinlich noch steigern. Auch das Bereitstellen von Informationen für Suchmaschinen wird immer wichtiger. Google spuckt jetzt schon direkte Antworten auf Fragen aus und das wird in Zukunft noch stärker optimiert werden. Wer diesem Trend nicht folgt, wird in der Suchanfrage dann natürlich nicht gefunden.

Interessant wird es in Zukunft auch werden, die Weiterentwicklungen bei Smartglasses und Smartwatches zu beobachten. Auch für diese Geräte müssen die Webseiten angepasst werden.

Man hört oft, dass Deutschland in Sachen IT und Netzausbau verhältnismäßig schlecht da steht. Wie sehen Sie das?

Das ist leider wahr. Deutschland ist im Moment kein Vorreiter im IT-Bereich. Das sieht man schon bei unseren Referenten aus der Schweiz und Österreich, die uns mit ihren Vorträgen immer wieder beeindrucken. Diese Länder sind uns in ihrer Entwicklung mindestens zwei Jahre voraus.

Bisher kommt von der Politik in Deutschland zu wenig Unterstützung für den IT-Sektor. Vor kurzem haben wir ein paar Grußworte von Herrn Söder erhalten. Das ist immerhin ein Zeichen, dass unser Kongress in der Politik ankommt. Hoffentlich tut sich also bald mehr im IT-Bereich!

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Hier gibt es allgemeine Informationen rund um den WKE, die Vorträge, die Referenten und was sonst noch relevant ist.

Und falls du Informatik studierest, dann kannst du dich auch bei dem Department melden um vergünstige Karten zu erhalten.

 

Felix Klaassen

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