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„If I can make it here, I can make it anywhere – It´s up to you, New York“

Ein Teil der FAUMUN-Delegation in der General Assembly Hall der UN in New York. Foto: FAUMUN

New York – eine Stadt deren Name auch heute noch Sehnsüchte hervorruft. Die Stadt der Träume, die niemals schläft. Hohe Gebäude, interessante Menschen und scheinbar unendlich viele Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen. Wer träumt nicht davon, einmal an der Fifth Avenue an den vielen Einkaufsläden vorbeizuschlendern, im Central Park sein Lunch zu essen, Teil des Gewusels auf den Straßen zu werden, im schicken Anzug seinen Kaffee zu bestellen und in einem dieser wunderhohen Wolkenkratzern zu arbeiten?

Dieses Jahr haben sich wieder 20 Studenten der FAU im Rahmen des FAUMUN-Projekts diesen Traum erfüllt. Sie waren Teil der größten UN-Simulation NMUN weltweit, bei welcher sie mit über 6.000 Studenten aus aller Welt Koalitionen geschmiedet, Resolutionen erarbeitet und Reden verfasst haben. 5 Tage harte Arbeit vor Ort, die aber reichlich belohnt wurden: Denn dieses Jahr brachte FAUMUN den „Outstanding Delegation Award“ mit nach Hause, der einem ersten Platz entspricht. Um zu erfahren, wie es dazu kam, wie die Vorbereitungen zu diesem Erfolg aussahen und was für Eindrücke die Studenten aus New York mitgebracht haben, habe ich mich mit Richard Endörfer getroffen, der Projektleiter von FAUMUN ist.

Eine UN-Simulation in New York: Was genau ist das und wie darf man es sich das vorstellen?

Seit über zehn Jahren nimmt die FAU jedes Jahr im Rahmen des FAUMUN-Projekts an der größten UN-Simulation NMUN in New York teil. Dort treffen sich 6000 Studenten aus über 400 Universitäten der gesamten Welt und simulieren in verschiedenen Organen der Vereinten Nationen die Arbeit dieser. Jede Universität vertritt meistens als Delegation ein Land in den verschiedenen Organen, in welchem es auch in „echt“ vertreten ist:  z.B. im Sicherheitsrat, im UN-Flüchtlingswerk oder der Generalversammlung.

Wie sieht die Vorbereitung hierfür aus?

Es gibt ein ganzes Vorbereitungssemester, das im Wintersemester stattfindet, damit man dann im März und April erfolgreich in New York antreten kann. Die Vorbereitung besteht aus drei Modulen: Im ersten Modul „Soft Skills“ geht es um Redetraining, Verhandlungstraining, Kommunikation und Präsentation. Hierbei geht es hauptsächlich darum, den Studenten beizubringen, wie man vor einer großen Menge fremder Leute sicher und professionell auftritt. Die inhaltliche Auseinandersetzung und die Vorbereitung mit dem Land, das man vertritt, finden dann im zweiten Modul statt. Im Rahmen von Position Papers bereiten sich die Studierenden inhaltlich auf die Konferenz vor. Experten geben Vorträge um die Studenten weiter auf das Land oder die Vereinten Nationen vorzubereiten. Dieses Jahr hat neben Prof. Dr. Bielefeldt, in seiner ehemaligen Funktion als UN-Sonderberichtserstatter, auch Prof. Dr. Markus Krajewsky einen Vortrag zur Einführung in das Recht der Vereinten Nationen gehalten. Abschließend gibt es dann die Berlinfahrt. Hierbei fährt die komplette Delegation nach Berlin, um sich dort am Auswärtigen Amt oder an der Humboldt Universität Expertenvorträge anzuhören, die sie für das Land briefen, das sie vertreten. Im dritten Modul geht es dann um die Praxis. Hier wird das Erlernte der ersten beiden Module dann in Form mehrere UN-Simulationen dann in die Tat umgesetzt. Während des Semesters nimmt die Delegation an kleineren UN-Simulationen, wie der SecMUN in München oder der BayernMUN in Nürnberg teil. Dort werden neben der eigentlichen Simulation auch Seminare zu der Arbeit der Vereinten Nationen und deren Geschäftsordnung angeboten – denn die ist ziemlich kompliziert und es braucht wirklich lange, bis man sie richtig verstanden hat und anwenden kann. Nach diesen ersten Erfahreungen ist man dann bereit für den krönende Abschluss: National Model United Nations in New York.

Wie genau sah die Delegation FAUMUNs dieses Jahr aus?

Der Projektleiter Richard Endörfer. Foto: FAUMUN

Dieses Jahr haben insgesamt zwanzig Studierende an FAUMUN teilgenommen, das von vier Personen organisiert wurde. Das allererste Mal wurde der FAU zwei Länder zugeteilt: Kuwait als Hauptland und Ägypten als ein weiteres Land. Und es gab noch eine weitere Prämiere denn zum ersten Mal vertrat FAUMUN ein Land im Sicherheitsrat – nämlich Ägypten.

Wie genau läuft es dann in New York ab?

Alle Studenten kommen bei der Eröffnungszeremonie zusammen und werden danach in ihre eigenen Kommittees entlassen. In den Kommittees fängt dann erst die eigentliche Arbeit an. Wichtig hierbei ist zu wissen, dass es zwei Arten von Sitzungen in jedem Kommitee gibt: formelle und informelle Sitzungen.Bei der informellen Sitzung kann man herumgehen, Verhandlungen führen, Koalitionen schmieden, Resolutionen schreiben und über den genauen Vertragstext der Resolution diskutieren. Im Gegensatz hierzu gibt es die formelle Sitzung, in welcher man Reden zuhört. Jeder Redner hat eine Minute Zeit die Sichtweise seines Landes zu einem bestimmten Problem oder einer Sachfrage darzustellen und Lösungen hierfür anzubieten. Als Publikum kann man sich hierbei ein Bild machen, mit welchen Ländern man Meinungen teilt und eventuell in der nächsten informellen Sitzung zugehen kann um eine Koalition zu schmieden. Dieses Prozedere geht ganze vier Tage so bis die Konferenz in den einzelnen Kommitees insofern geschlossen wird, dass die Voting Procedure anfängt und einzelne Resolutionen dann verabschiedet werden. Am fünften und letzten Tag  findet dann die Closing Ceremony im Generalversammlungssaal im UN Plaza statt, was wirklich sehr beeindruckend ist.

Bleibt da noch Zeit für etwas anderes?

Während der Woche gibt es Möglichkeiten die ständigen Vetretungen zu besichtigen, damit diese noch am Anfang der Konferenz den Studenten ein paar Tipps geben können wie man bei bestimmten Themen das Land genau mit der wahren Position vertritt. Bis jetzt waren diese Besuche meistens erfolgreich und auch dieses Jahr wurde FAUMUN in die Kuwaitische Botschaft eingeladen.

Reine Lernerei – oder auch Vergnügen?

Als Projektleiter ist es Richard Endörfer natürlich wichtig, dass die Gesamtdelegation etwas leistet. Denn nur wer hart arbeitet, kann am Ende auch wirklich erfolgreich sein. Doch für ihn ist auch die Definition von Erfolg für den Einzelnen wichtig: die einen wollen Awards, die anderen definieren Erfolg, indem sie andere Leute kennenlernen – andere einfach dadurch, dass sie Spaß haben. Das ist für Richard komplett in Ordnung, solange die Leistung und der Erfolg der Gesamtdelegtion nicht darunter leidet. Als Gesamtdelegation kann man nur erfolgreich sein, wenn man so weit wie möglich zusammen wächst und das ist nur möglich, wenn man abseits des Projektes so viel Spaß wie möglich hat. Dieses Jahr hat das besonders gut geklappt: Die Delegation war wie eine Einheit und auch deswegen besonders erfolgreich in New York.

Was man so als Projektleiter mitnimmt:

Für Richard ist es unglaublich interessant zu sehen, wie die Leute sich entwickeln und wieviel sie durch das Projekt lernen. Am Anfang bei der ersten Präsentation sind alle sehr nervös, selbst vor einer kleinen Klasse. In New York haben sie dann aber keine Probleme mehr damit vor 400 Leute eine Rede zu halten – Ihre Stimme zitter kein einziges Mal und sie können perfekt Handbewegungen zu ihrem Text machen. Dank Frank Sinatra wissen wir, dass wenn man es in New York schafft, dann auch überall – und nach der erfolgreichen Leistung FAUMUNs dieses Jahr an der NMUN bestehen keine Zweifel, dass FAUMUN und alle teilnehmenden Studierenden einer spannender Zukunft entgegenblicken können.

Wenn ihr Interesse an einer Teilnahme am FAUMUN-Projekt habt oder euch noch weiter informieren wollt, dann schreibt doch einfach entweder eine E-Mail oder informiert euch auf der Website.

Ich danke dir Richard für das tolle Gespräch!

Hannah Riemann