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Interview mit Johannes Wagner, FAU-Student und Jugenddelegierter der Vereinten Nationen

Johannes Wagner engagiert sich seit dem Abitur ehrenamtlich. In den kommenden zwei Jahren wird er bei den Vereinten Nationen die Interessen junger Menschen in Deutschland vertreten. Foto: Deutscher Bundesjugendring

FAU-Medizin-Student Johannes Wagner wurde zum UN-Jugenddelegierten ernannt und darf in den nächsten zwei Jahren neben internationalen Politikern für die Interessen junger Menschen in Deutschland eintreten. Wir haben ihn zum Gespräch getroffen.

Johannes, wie bist du zu dieser spannenden Position gekommen?

Johannes: Nach meinem Abitur habe ich mit dem Freiwilligendienst begonnen und war mit der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) für ein Jahr in Ecuador und habe an sozialen Projekten mitgearbeitet. Dort habe ich eben zum ersten Mal Projekte im Ausland kennengerlernt und konnte viele Eindrücke sammeln, beispielsweise was die Globalisierung angeht. Danach habe ich mich für ein Medizinstudium entschieden, war aber seit dem ersten Semester nebenher weiterhin politisch engagiert, zum Beispiel in der AG Medizin und Menschenrechte und in der Grünen Hochschulgruppe. So konnte ich nebenbei die politischen Geschehnisse mitverfolgen und mein Interesse noch weiter ausbauen. So ging das dann über die Jahre weiter und als ich in meinem Erasmusjahr in Italien viel mit Geflüchteten gearbeitet habe, hat sich das Interesse noch weiter intensiviert und mich zu noch mehr Engagement angespornt. Als ich die Ausschreibung gesehen habe, habe ich mich sozusagen auf gut Glück beworben und es hat tatsächlich geklappt. Ich finde es spannend, dass diese Position viel Einblick in die Politik und andere Dinge bringt, aber auch Mitsprache ermöglicht. Es gibt insgesamt vier Jugenddelegierte für zwei verschiedene Programme. Die anderen beiden begleiten die Generalversammlung der Vereinten Nationen, Jasmin und ich begleiten das HLPF (High Level Political Forum), die sich explizit mit den Nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals)der Agenda 2030 und deren Umsetzung beschäftigen.

Nachhaltigkeit ist ein ziemlich großer und weiter Begriff. Was kann man sich darunter vorstellen und was sind deine Aufgabenbereiche?

Johannes: Das HLPF beschäftigt sich mit den 17 Nachhaltigkeitszielen, die letztes Jahr die Millennium Development Goals abgelöst haben und diese Ziele umfassen nahezu jeden Aspekt des Lebens, zum Beispiel Armut und Hunger, Gesundheit, Frieden, Ausbeutung der Meere, Gender Equality uvm. Man muss sich natürlich breit einlesen, aber mit meinem medizinischen Hintergrund habe ich nochmal besonders die gesundheitlichen Aspekte im Fokus. Ich will mich in den kommenden zwei Jahren unter anderem mit globaler Gesundheit und Armutsbekämpfung beschäftigen.

Wie weit dürft ihr euch dort einbringen?

Johannes: Durch diesen Delegationsposten dürfen wir viele Prozesse begleiten, was schon sehr vorteilhaft ist, weil man dort als „normaler“ Bürger sonst keinen Einblick bekommt. Bei bestimmten Konferenzen haben wir Rederecht und dürfen unsere Meinung kundtun. Gerade in solchen politischen Gremien bedeutet Redezeit viel Aufmerksamkeit und Fokus.

Ihr seid nun Interessensvertreter aller jungen Erwachsenen, die sich ebenfalls für solche Belange interessieren und engagieren. Was liegt dir besonders am Herzen und wie wollt ihr die jungen Leute erreichen?

Johannes: Ja, bei der HLPF stehen wir stellvertretend für alle jungen Menschen in Deutschland und natürlich ist es unheimlich schwer diese Variabilität aller Leute und ihrer unterschiedlichen Meinungen zu bündeln, aber ich bin der Meinung, dass wir viele gemeinsame Punkte haben, die sich überschneiden und darauf werde ich mich konzentrieren. Das spannende an dieser Agenda ist, dass Deutschland ganz konkret in der Pflicht steht, sich zu verändern und Änderungen ins Rollen zu bringen. Was wir beispielsweise ansprechen könnten, wäre der exzessive Kohleabbau, die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und angemessenen und bezahlbaren Wohnraum für junge Erwachsene, die sich noch in der Ausbildung befinden und einfach nicht das große Einkommen besitzen. Um in diesen zwei Jahren möglichst viele zu erreichen und mit ihnen sprechen zu können, werden wir viele Veranstaltungen organisieren und besuchen, an politischen Seminaren teilnehmen und mitdiskutieren. Über unsere E-Mail-Adresse kann man uns anschreiben und zu Veranstaltungen einladen.

Das klingt nach einer zeitintensiven und verantwortungsvollen Aufgabe. Klappt das neben dem Studium?

Johannes: Zum Glück befinde ich momentan in einer Phase, in der ich bereits die meisten Fächer abgeschlossen habe und die übrigen Blockseminare frei einteilen kann. Wahrscheinlich werde ich auch ein oder zwei Urlaubssemester nehmen, um der Aufgabe und den Verpflichtungen gerecht zu werden. Für mich ist das ein spannender Prozess, für den ich auch viel Energie und Zeit mitbringen will, um das Maximum rauszuholen.

Aus aktuellem Anlass: Trump ist dabei einen Erlass abzusegnen, der Organisationen, darunter fallen auch die Vereinten Nationen, finanzielle Mittel zu 40 Prozent oder sogar ganz streichen wird. Ein prominentes Beispiel ist die NGO Planned Parenthood, die unter anderem Abtreibungsberatungen anbietet und bisher u.a. auch vom Staat unterstützt wurde. Wie stehst du zu solchen Entscheidungen?

Johannes: Trump ist eine sehr kontroverse Person, ich habe versucht, das alles so gut es geht zu verfolgen und sehe das sehr kritisch. Natürlich habe ich auch viele Vorbehalten gegen seine Aussagen und Beschlüsse. Die Politisierung der Menschen, die dadurch ins Rollen gekommen ist, finde ich wiederrum bemerkenswert und sehr wichtig. Es ist zwar schade, dass es erst einer solch radikalen Person bedurfte, aber auch ein gutes Zeichen, dass die Leute dadurch motiviert wurden, dagegen anzutreten.

Vielen Dank für das Interview!

Christine Hetterle