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Jeder hat das Recht, ein Mensch zu sein – Das Nürnberger Menschenrechtszentrum

Das Team des Nürnberger Menschenrechtszentrums. © NMRZ

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ Der erste Artikel in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die 1948 von der Generalversammlung der UN verkündet wurde, erklärt alle Menschen als gleichwertig und mit gleichen Rechten. Doch leider wurden und werden Menschen diese Grundrechte oft verwehrt und sie werden verfolgt, misshandelt oder getötet. Das Nürnberger Menschenrechtszentrum hat es sich seit fast 30 Jahren zur Aufgabe gemacht, über Menschenrechte zu informieren, organisiert und fördert Konferenzen und Veranstaltungen und engagiert sich auch politisch für den Schutz der Menschenrechte. Betrieben wird der gemeinnützige Verein von ehrenamtlichen Mitgliedern, eine von ihnen ist Alice Speck. Sie erzählt von ihrer Arbeit und von dem Fotowettbewerb, der momentan vom NMRZ ausgeschrieben wird.

Wer bist du und wofür bist du beim Nürnberger Menschenrechtszentrum zuständig?

Alice: Ich bin Alice, ich studiere im 5. Mastersemester Politikwissenschaften an der FAU und schreibe aktuell meine Masterarbeit. Seit Sommer 2014 engagiere ich mich zudem ehrenamtlich am Nürnberger Menschenrechtszentrum (NMRZ). Begonnen habe ich dort mit einem Praktikum und seit Februar 2015 bin ich Mitglied im Vorstand. Aktuell kümmere ich beim NMRZ um unsere Social-Media-Kanäle, schreibe ab und zu Artikel für unsere Homepage und arbeite im Organisationsteam unseres Fotowettbewerbs mit.

Das Zentrum entstand ursprünglich aus dem Engagement für die Bewahrung/Stärkung von Menschenrechten in Lateinamerika. Warum der Fokus auf Lateinamerika?

Alice Speck, Vorstandsmitglied beim Nürnberger Menschenrechtszentrum. © NMRZ

Alice: Begonnen hat das NMRZ vor bald 30 Jahren als Dokumentations- und Informationszentrum über Lateinamerika. Lateinamerika war in den achtziger Jahren wegweisend im Kampf gegen die Straflosigkeit von Menschenrechtsverbrechen und für alles, was heute unter dem Stichwort „Transitional Justice“ zusammengefasst wird.  Inzwischen arbeiten wir aber an verschiedenen Themen und auch verschiedenen Weltregionen. Das ist natürlich immer auch ein Stück weit davon abhängig welchen Arbeitsschwerpunkt unsere Mitglieder haben.

Seid ihr auch in Kriegsgebieten im Einsatz?

Alice: Nein, wir sind nicht in Kriegsgebieten im Einsatz. Unser Hauptanliegen besteht hingegen darin, über Menschenrechte zu informieren. Wir bieten dazu verschiedene Bildungsprogramme für Schulklassen und andere Gruppen an, z.B. zum Thema Diskriminierung – ein Thema, dass uns auch hier in Deutschland betrifft. Zudem geht es auch darum, auf die Politik einzuwirken, beispielsweise als Mitgliedsorganisation im Forum Menschenrechte oder auch durch die Arbeit einzelner Mitglieder von uns. Beispielsweise war unser Vorstandsmitglied Rainer Huhle Mitglied im UN-Ausschuss über das Verschwindenlassen (Committee on Enforced Disappearances, CED). Ein anderes Beispiel ist unser 1. Vorsitzender Michael Krennerich, der immer wieder als Experte für den Menschenrechtsausschuss des Bundestages hinzugezogen wird. Menschenrechtsarbeit bedeutet eben nicht zwingend in Krisenregionen aktiv zu sein. Es geht auch darum ein allgemeines Bewusstsein für Menschenrechte herzustellen und das beginnt vor der eigenen Haustür.

Was kann man bei euch als ehrenamtliches Mitglied oder bei einem Praktikum machen?

Alice: Es gibt verschiedene Möglichkeiten sich bei uns zu engagieren. Die Mitglieder unseres Bildungsteams zum Beispiel halten Workshops für Schulklassen und andere Gruppen. Zudem haben wir verschiedene Projekte, wie aktuell den Fotowettbewerb, bei denen man sich einbringen kann. Die Arbeit ist also ganz vielseitig und verändert sich ständig. Es kommt auch ganz auf einen selbst an wie stark und in welchen Bereichen man sich einbringen möchte.  Unsere PraktikantInnen werden in all diese Projekte eingebunden – je nachdem was eben gerade anfällt. Im Herbst war es zum Beispiel die Unterstützung beim Begleitprogramm des Nürnberger Menschenrechtspreises.  Zudem sind sie auch für die alltägliche Büroorganisation zuständig und arbeiten vertieft und unter Anleitung zu einem menschenrechtlichen Thema ihrer Wahl. Meist entsteht am Ende daraus ein Artikel für unsere Homepage.

Gab es Situationen, die dich sehr berührt haben und vielleicht auch bestätigt haben, wie wichtig euer Einsatz für Menschenrechte ist?

Alice: Schwierige Frage. Am meisten berührt und motiviert mich der Austausch mit unseren PraktikantInnen aus verschiedenen Ländern – oftmals auch aus Ländern, in denen die Menschenrechtslage prekär ist. Z.B. eine ehemalige Praktikantin und Menschenrechtsaktivistin aus Malaysia, die in ihrer Heimat zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, da sie auf einem Filmfestival eine Dokumentation ohne die vorherige Zustimmung der staatlichen Zensurbehörde gezeigt hat. Der Fall war nicht so bekannt, aber wir haben es geschafft zumindest hier in Nürnberg auf die Geschichte aufmerksam zu machen. Ich denke es ist wichtig auch auf ruhiger sachlicher Ebene ein Bewusstsein für Menschenrechte und Menschenrechtsverletzungen zu schaffen.

Welche Projekte macht ihr im Moment?

Alice: Unser großes Projekt ist aktuell der Fotowettbewerb „Menschenrechte. Meine Rechte. Deine Rechte. Ausgelöst“.  Das nimmt zurzeit die meisten Ressourcen in Anspruch. Deswegen konzentrieren wir uns auch hauptsächlich darauf.

Worum geht es beim Fotowettbewerb, den ihr ausgeschrieben habt?

Alice: Durch Fotografie kann man Menschen auf einer Ebene erreichen, die durch Worte nie erreicht wird.  Es sind also Hobby- und Profifotografen dazu aufgerufen, Menschenrechte fotografisch darzustellen. Konkret lautet die Aufgabe, sich einen Artikel aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte auszusuchen und diesen in zwei bis vier zusammenhängenden Fotografien zu interpretieren. Zu gewinnen gibt es Preisgelder in Höhe von 500 bis 2.500 €, die von unserem Kooperationspartner Nikon zur Verfügung gestellt werden. Ein weiterer Kooperationspartner in diesem Jahr ist zudem das Auswärtige Amt.

Wie erfolgt die Auswahl der Gewinner?

Alice: Die Auswahl erfolgt wie jedes Jahr durch eine Fachjury, bestehend sowohl aus VertreterInnen aus Fotografie als auch aus der Menschenrechtsarbeit, wie beispielsweise unserem 1. Vorsitzenden Michael Krennerich oder der Menschenrechtsaktivistin Maede Soltani. Schirmherrin ist die Menschenrechtsbeauftragte der (geschäftsführenden) Bundesregierung, Bärbel Kofler, MdB.

Werden die Fotos nach dem Abschluss des Wettbewerbs ausgestellt?

Alice: Die Fotos werden zunächst in der KREIS Galerie in der Straße der Menschenrechte in Nürnberg und anschließend im Lichthof des Auswärtigen Amtes in Berlin ausgestellt. Danach werden die Bilder als Wanderausstellung an verschiedenen Orten in Deutschland gezeigt.

Vielen Dank für das Interview!

Der Fotowettbewerb läuft noch bis zum 15. Januar 2018. Informationen und Bewerbungen gibt es hier.

 

Carmen Oberlechner