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Juergen Teller: Ein Po, ein Eintopf und seine Mutter

Bis zum 23. April findet die Ausstellung im Kunstpalais noch statt. Foto: Milena Kühnlein

Er ist zurückgekehrt. Wobei, so wirklich fort war er ja nie. Fotograf Juergen Teller ist auf Du und Du mit den Topstars dieser Welt. Er schaffte es vom beschaulichen Bubenreuth bis nach Hollywood. Immer dabei? Seine Kamera und sein einzigartiger Blick für Portraits. Was der gebürtige Franke dabei niemals vergisst ist seine Heimat. Mehr noch: Er bindet seine Familie und die Region immer wieder aktiv in seine Werke ein und schafft so eine Verbindung zwischen glamourösen Highlife und dem beschaulichen Erlangen. Mittlerweile ist Juergen Teller Dozent an der Akademie der Künste in Nürnberg und stellt aktuell im Kunstpalais in Erlangen aus. Noch bis zum 23. April könnt ihr seine Werke dort begutachten. Warum sich ein Besuch lohnt?

Ein bisschen Groupie sind wir doch alle, oder? Dirk Nowitzki, Kim Kardashian, Kate Moss oder Gisele Bündchen: Wir alle kennen diese Prominenten, pflegen Neid-, Hass-, oder Bewunderungsgefühle für sie und betrachten deren Leben liebend gerne als Außenstehende. Die Glitzerwelt von Hollywood übt eine besondere Faszination aus und doch ist sie vor allem eins: ziemlich künstlich. Juergen Teller begann seine Arbeit mit Prominenten mit der damals noch völlig unbekannten Band Nirvana, als er Kurt Cobain und Co. auf Tour begleitete und porträtierte. Dieser Meilenstein markierte seinen Aufstieg in den Fotografenolymp. Auf einzigartige Weise schafft er es, unnahbar wirkende Schauspieler und Models so zu inszenieren, dass eine andere Seite zum Vorschein kommt. Eine ehrlichere Seite. Eine normalere Seite. Dennoch wirken die Portraitierten in den Fotos immer wie die Stars, die sie sind. Doch erfreut man sich nicht an dem ein oder anderen Pickel oder einem imperfekten Makel eines Models, sondern man erkennt durch Tellers Bilder eine andere Seite von Menschen, die man nie getroffen hat und dennoch kennt. Ein Spagat zwischen Inszenierung und Realität, den Juergen Teller mit Bravour meistert.

Heimliche Stars

Juergen Teller zeigt die Stars wie kein anderer. Foto: Milena Kühnlein

Ein weiterer „Star“ aus Juergen Tellers Leben ist immer wieder in den Werken abgelichtet: seine Mutter Irene. Seine Heimat, die fränkische Provinz und seine Familie sind abermals in den Bildern vertreten. Als Teller 2015 für Phillips de Pury & Co. Bilder für die Schmuckauktion 2015 fotografieren sollte, setzte er kurzerhand seine Familie als Models ein. Ein erneuter Bruch zwischen Glamour- und Alltagswelt. Ein anderes Mal stand seine Mutter mit einer japanischen Metal-Band auf der Bühne: Bilder, die die Welt so noch nicht gesehen hat. Weniger deutlich ist der Kontrast in einem anderen Werk. Tellers Sohn zusammen mit der Fußballmannschaft des FC Bayern München. Wo fängt Familie an und wo hören Stars auf? Eine Frage, die bei diesem Werk garantiert erst auf den zweiten Blick zu beantworten ist. Seine Familie inszeniert er dabei so typisch, dass man unwillkürlich an seine eigene Jugend im Frankenland zurückerinnert wird. Es ist der Eintopf mit Bohnen, den man gleichermaßen liebt und dem man doch entfliehen will. Von Erlangen raus und wieder zurück und doch niemals weg gewesen: Juergen Teller zeigt, dass Parallelwelten existieren.

Zwischen Hollywood und Bubenreuth

Zwischen den Hollywoodstars „versteckt“ Teller auch immer wieder Fotos seiner Mutter und der restlichen Familie. Foto: Milena Kühnlein

Die Ausstellung zeigt nun diesen Schnitt zwischen Hollywood und Bubenreuth, zwischen Stars und Familie. Und sie lässt Juergen Teller als Künstler unheimlich sympathisch wirken. Seine Werke sind authentisch und bizarr und lösen immer wieder Heimatgefühle der besonderen Art aus. Die aktuelle Ausstellung wurde eigens für das Kunstpalais Erlangen konzipiert und schmiegt sich dort ein wie eine Katze im Pappkarton. So ist eine absolut sehenswerte Ausstellung des fränkischen Exportschlagers entstanden, die nicht nur für Fans der Pop-Kultur ein Muss ist.

Milena Kühnlein