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Kann Donald wirklich Präsident werden?

"Als interessierter Beobachter ist das schwer erträglich." FAU-Dozent Wolfram Ridder. Foto: Milena Kühnlein

„Als interessierter Beobachter ist das schwer erträglich.“ FAU-Dozent Wolfram Ridder. Foto: Milena Kühnlein

Es fing an wie ein schlechter Scherz: Donald Trump, der millionenschwere Unternehmer, den man hauptsächlich aus einigen bunten Klatschmedien kennt, verkündete vergangenes Jahr, er würde 2016 als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika kandidieren. Für die Internetgemeinde ein gefundenes Fressen: Memes und Videos von bizarre Auftritte des Unternehmers überfluten seitdem das Internet. Doch der Scherz ist nicht vorbei. Mehr noch: Trump fuhr in den derzeitigen Vorwahlkämpfen schon deutliche und überraschende Siege ein und hat eine durchaus beachtliche Anzahl von Unterstützern hinter sich. Nun stellt sich die Frage ob ein Mann, der sich derart rassistisch und sexistisch äußert, tatsächlich Präsident der Vereinigten Staaten werden kann. Wir haben mit Dozent Wolfram Ridder (M.A.) vom Politischen Institut der FAU ein Gespräch geführt, um genau dieser Frage auf den Grund zu gehen.

Welche Motivation trieb Donald Trump ihrer Meinung nach überhaupt erst dazu an, in das Präsidentschaftsrennen einzusteigen?

Wolfram Ridder: Das ist eine gute Frage. Es ist durchaus so, dass Donald Trump bereits mehrfach mit einem Gedanken an die Kandidatur gespielt hat und sich schon im Status der Bewerbungen oder Vorwahlkämpfen befunden hat. Ich denke, dass er der Meinung ist, dass er den Vereinigten Staaten etwas zu geben hat, weil gewisse Dingen im wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Bereich nicht so laufen, wie viele US-Amerikaner es befürworten würden. Angesichts dessen, was in der Republikanischen Partei in den letzten fünf bis acht Jahren passiert ist, glaube ich, dass er gesehen hat, dass eine gewisse Chance besteht, wenn man den Wahlkampf so aufzieht, wie er es momentan tut.

Wie sehen sie Ted Cruz, der ebenfalls für die Republikaner ins Rennen geht. Hat Cruz überhaupt Chancen gegen Trump?

Wolfram Ridder: Da ist in den letzten zwei Wochen durchaus etwas in Bewegung geraten. Der Vorwahlkampf der Republikaner ging schon immer mehr in die Richtung, dass Donald Trump mehr oder weniger der sichere Kandidat der Republikanischen Partei werden würde. Nun ist es so, dass sich führende Mitglieder der Republikanischen Partei unerwartet dezidiert auf die Seite von Ted Cruz gestellt haben, Lindsey Graham, der Senator aus South Carolina wäre hierfür ein Beispiel. Die Wahlen in Wisconsin werden sehr entscheiden sein. Trump sah hier wie der sichere Sieger aus, nun ist aber ein gewisser Umschwung im Gange. Nichts desto trotz, hat Donald Trump immer noch die Größten Chancen auf Grund des Vorsprungs hinsichtlich der Delegierten, die Kandidatur der Republikaner zu sichern.

Wie sehen Sie persönlich Trumps Wahlkampfstrategie, wenn man in seinem Fall überhaupt von einer Strategie sprechen kann?

Wolfram Ridder: Ich glaube, da muss man unterscheiden. Als interessierter Beobachter ist das tatsächlich, freundlich ausgedrückt, schwer erträglich. Damit meine ich diese Mischung aus Rassismus und Sexismus und aus teilweise sehr unüberlegten und unnötigen Statements, wenn er sich von erfahrenen Journalisten in eine Ecke drängen ließ, in denen er eigentlich nichts mehr Positives sagen kann. Aus wissenschaftlicher Sicht hingegen ist es natürlich hoch interessant, sprich die Fragen „Was passiert dort“ und „Warum passiert es?“. Wenn alle Formen der politischen Korrektheit über Bord geworfen werden, welche in den letzten zehn Jahren in den USA eigentlich schon selbstverständlich waren. Die entscheidende Frage wird sein, ob dieses „Gift“, das in den Wahlkampf gebracht worden ist, sich in den eigentlichen Präsidentschaftswahlkampf überträgt und ob es danach wieder aus der politischen Debatte verschwinden würde.

Sie haben es vorhin schon angesprochen. Trump äußert sich sehr sexistisch und rassistisch. Neulich schockierte er mit einer Aussage, mit welcher er die Strafbarkeit von Abtreibungen befürwortete. Wer wählt denn so eine Person?

Wolfram Ridder:  Das weiß man inzwischen sehr genau. Man kann sagen, dass Trump der Kandidat der weißen, also präziser der nicht-hispanischen weißen Bevölkerung ist. In dieser Gruppe spricht er hauptsächlich die Leute an, die keinen Collegeabschluss haben, sprich die Arbeiterschicht, die berühmten Blue-Collar-Wähler. Diese Gruppe wählt überproportional stark Trump. Das ist etwas, dass sich durch die gesamten Vorwahlen durchzieht. Donald Trump hat aber bereits Probleme Angehörigen der weißen Schicht zu adressieren, die einen Collegeabschluss haben. Noch stärkere Probleme hat er bei Afroamerikanern oder Hispanics, die tendiere markant weniger dazu, Trump zu wählen. Sollte Trump Kandidat der Republikaner werden, würde ihn genau diese Tatsache vor extrem große Herausforderungen stellen.

Mitt Romney hat im Jahr 2012 seine Kandidatur mit ein paar wenigen, unklugen Aussagen ruiniert. Donald Trump äußert sich ständig kontrovers, doch er entschuldigt sich nicht dafür. Wie gefährlich ist diese Tatsache?

Wolfram Ridder: Ich glaube, dass ein bedeutender Teil der Menschen die Donald Trump wählen, genau diese Tatsachen gut finden. Sprich, dass jemand da ist der den wahrgenommenen Mainstream etwas aufbricht, indem dort provokante Statements abgegeben werden. Es war sehr interessant zu sehen, dass Trump in Bezug auf die Aussage zur Strafbarkeit von Abtreibungen das erste Mal etwas zurückgenommen hat, also dezidiert relativiert hat. Seine Berater haben ihm ihr tatsächlich gesagt, dass das ein heißes Eisen ist, wo sicherlich die weit überwiegende Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung ihm so nicht zustimmen würden. Auf der anderen Seite sieht man aber, dass die provokante Rhetorik derer sich Donald Trump bedient viel Zustimmung erhält. Man muss hier unterscheiden: Die provokanten Statements tragen dazu bei, die politische Korrektheit hinter sich zu lassen. Auf der anderen Seite sehen wir wiederholt Statements die schlicht und ergreifend falsch sind.

Welche Chancen sehen sie für Bernie Sanders, der ja das genaue Gegenteil von Donald Trump darstellt?

Wolfram Ridder: Es ist schon sehr überraschend, dass Bernie Sanders überhaupt noch dabei ist. Der momentane Vorwahlkampf hält aber ohnehin Überraschungen am laufenden Band bereit. Bernie Sanders kommen momentan zwei Eigenschaften zu. Zum einen ist es so, dass er gewisse Schwachpunkte von Hillary Clinton verdeutlicht. Das ist ganz eindeutig bei der jüngeren Bevölkerung zu erkennen, die überproportional häufig Sanders wählen. Auf der anderen Seite ist es so, dass Hilary aufgrund der Wahlkampagne von Bernie Sanders einige Punkte relativieren musste, als Beispiel nenne ich hier die transpazifische Freihandelszone.

Was muss die nächsten Monate passieren, dass Donald Trump tatsächlich Präsident wird?

Wolfram Ridder: Er muss die Republikanische Kandidatur gewinnen, da hat er nach wie vor die besten Chancen. Sobald Trump die Kandidatur gesichert hat, ist die Frage, auf welche „winning coalition“ er zielen würde. Auf Grund des derzeitigen Wahlkampfes, den Trump führt, kann ich mich schwer vorstellen, dass da ein Schwenk stattfindet, so dass Trump anfangen würde Angehörige der Hispanics oder Afroamerikaner vermehrt in sein Lager zu ziehen. Wenn Trump sehr niedrige Zustimmungswerte bei Afroamerikanern und bei Hispanics erhält, wovon wir ausgehen können, dann müsste er in Größenordnungen von wenigstens 65 Prozent der weißen Bevölkerungsschicht auf seine Seite ziehen. Dann würde es für eine halbwegs robuste Mehrheit im Wahlmännerkollegium reichen. Dann könnte Trump tatsächlich Präsident werden. 65 Prozent ist allerdings ein extrem hoher Wert, der von Republikanischen Kandidaten zuletzt 1984 von Ronald Reagan erreicht wurde. Dazu kommt, dass Frauen eher weniger dazu kommen werden Trump zu wählen, genauso wie die weiße Bevölkerung, die einen Collegeabschluss hat.

Vielen Dank für das Interview.

Milena Kühnlein