Inhalt

[ki’ta:so] – Das Kurzfilmfestival in Erlangen

Seit Jahren eine künstlerische Instanz in Erlangen: Das [ki'ta:so]-Kurzfilmfestival. Foto: Janine Walter

Seit Jahren eine künstlerische Instanz in Erlangen: Das [ki’ta:so]-Kurzfilmfestival. Foto: Janine Walter

Bereits zum 21. Mal hat am Montagabend, 25. Januar, der [ki’ta:so] Kurzfilmabend in den Lammlichtspielen Erlangen stattgefunden. Und wieder war es ein abwechslungsreicher Abend mit spannenden, lustigen und berührenden Filmen unterschiedlicher Machart, Rahmenbedingungen und Genres.

[ki’ta:so] – Seit Jahren eine Instanz

[ki’ta:so] wurde bereits 2004 als studentische Initiative von Theater- und Medienwissenschaftlern der FAU gegründet. Aus der Leidenschaft für den Kurzfilm heraus, fand bereits im Januar 2005 der erste Kurzfilmabend in den Lammlichtspielen statt. Seitdem haben sich das kleine Filmfestival und [ki’ta:so] selbst zu einer wahren Instanz in der Kulturszene Erlangens entwickelt. Die Grundidee des Filmabends ist einfach: jungen Filmemachern eine Bühne bzw. Plattform bieten, auf der sie ihre Kurzfilme präsentieren können, damit diese nicht nur auf der Festplatte verstauben.

Ein Abend, zehn Filme

Am Montagabend bekam das Publikum insgesamt zehn Filme zu sehen. Davon liefen drei außer Konkurrenz (dazu später mehr). In drei Blöcken wurden die Kurzfilme gezeigt, am Ende konnten die Zuschauer mittels eines Abstimmungszettels die Sieger wählen. Das Projekt mit den meisten Stimmen konnte sich auf einen Gutschein für eine Digitalisierung ihres Filmes ins Kinoformat im Wert von 300 Euro freuen. Durch den Abend führte Lukas Worm, der auch zu Diskussionen in den Pausen aufrief. Mit Witz und Charme moderierte er die Filme an und kitzelte noch so einige Informationen aus den Filmemachern heraus.

Die Sieger des diesjährigen [ki'ta:so]-Wettbewerbs. Foto: [ki'ta:so]

Die Sieger des diesjährigen [ki’ta:so]-Wettbewerbs. Foto: [ki’ta:so]

Die Filme

Der Abend startete mit dem Film „Die Prüfung“ von Claudio Franke und handelte von Léon, der seinen zwölften Geburtstag feiert. Ein schicksalhaftes Alter, denn der Staat zieht alle Kinder im Alter von zwölf Jahren zu einem Intelligenztest ein. Léon kann die Aufregung seiner Eltern nicht verstehen, denn er ist doch immer gut in den Tests der Schule. Was er nicht ahnt – Intelligenz ist im Staat nicht geduldet. Léon ist zu schlau und muss deswegen „bestattet“ werden. Eine gesellschaftskritische Dystopie, die zum Nachdenken anregt! Auch das Publikum wusste dies zu würdigen und belohnte „Die Prüfung“ mit dem zweiten Platz.

Weiter ging es mit „Träume“ von Jan Weißmuth. Die Handlung spielt in Hamburger Plattenbauten, die eine Tristesse ausstrahlen. In mitten dessen leben die Jugendlichen Adil und Lucia mit ihren Träumen. Adil möchte sich einen Sportwagen kaufen, Lucia Schauspielerin werden. Der Film geht um die Freundschaft der beiden, an der Schwelle zum Erwachsenen werden und um erfüllte und geplatzte Träume. Komplett in schwarz-weiß gehalten, einzig ein selbstgedrehtes Bewerbungsvideo Lucias wird farbig dargestellt, als Symbol für den Ausbruch aus dem Alltagstrott.

Nach den beiden ernsteren Themen sorgt „A Ruha is“ für Lacher. Der fünfminütige vollanimierte Film handelt von einem alten Bauer, dessen Nachtruhe von einem Siebenschläfer, der zwischen den Wänden wohnt, gestohlen wird. Mit verschiedensten Methoden versucht der alte Grießkram das ungeliebte Tier los zu werden. Nachdem das nicht gelingt kommt es zu einem Happy End: der alte Bauer baut seine Scheune in einen kleinen Vergnügungspark für den Siebenschläfer um – so ist dieser nun beschäftigt und der Bauer kann wieder schlafen. Der Film ist ein Semesterprojekt von Sathya Schlösser, Tatjana Thüring und Sarah-Maria Wolf der Ohm-Hochschule Nürnberg – alle Frames sind selbstgezeichnet und das wird am Ende auch mit dem ersten Platz gewürdigt.

Mit dem nächsten Kurzfilm #NOFILTER von Sarah Oerlicke wird ein sehr präsentes Thema aufgegriffen: die Sucht sich jederzeit auf den sozialen Netzwerken selbst zu inszenieren. Im kompletten Film wird daher auf Dialoge verzichtet, die gesamte Kommunikation findet digital statt. Die Hauptprotagonistin schießt Selfies nach dem Aufstehen, vom Frühstück, beim Sport und schließlich auch im Auto. Durch das Smartphone abgelenkt, kommt es zu einem Unfall mit ungewissem Ausgang. Ein Film mit einer deutlichen Message!

Die Lammlichtspiele sind ein würdiger Austragungsort des Event. Foto: [ki'ta:so]

Die Lammlichtspiele sind ein würdiger Austragungsort des Event. Foto: [ki’ta:so]

Wahl und Auswahl

Der längste Film des Abends ist „Wahl und Auswahl“ von Christiane Specht. In dieser Dystopie geht es um eine Gesellschaft, in der die pränatale Diagnostik mehr zählt als das Individuum. Jede Schwangere ist zu Untersuchungen verpflichtet, dabei wird knallhart selektiert: Gibt es Anzeichen, dass das Ungeborene mit einer Behinderung auf die Welt kommen könnte, so wird eine Abtreibung angeordnet. Daniel arbeitet seit kurzem in der Geburtsverwaltung, als er das Formular seiner Freundin auf den Tisch bekommt – erst dadurch erfährt er von deren Schwangerschaft und von der Diagnose, dass sein eigenes Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit an einem genetischen Defekt leiden wird. Daniel muss sich entscheiden. Starker Film, der ein heikles Thema anspricht!

Auch der nächste Film „Scherbenhaufen“ von Marius Mühlhaupt thematisiert ein gesellschaftlich relevantes Thema: Scheidung. Jakob lebt für das Theater. Am Abend vor seinem großen Auftritt teilen ihm seine Eltern mit, dass sie sich scheiden lassen wollen. Plötzlich steht er vor der Entscheidung bei welchem Elternteil er bleiben möchte – zieht er, wie vorhergesehen, zu seiner Mutter, muss er die Theatergruppe aufgeben. Jakob steht inmitten eines Scherbenhaufens und trifft eine unkonventionelle Entscheidung.

Beim letzten Film „Uncarpeted“ treffen wir auf zwei alte Bekannte: Sathya Schlösser und Tatjana Thüring, die schon mit „A Ruha is“ an den Start gingen. Sie stellen einen weiteren Animationsfilm vor. Diesmal sind die Figuren jedoch nicht gezeichnet, sondern ausgeschnitten bzw. gebastelt. Die Handlung ist gleichermaßen lustig: Ein Sultan sucht einen neuen fliegenden Teppich, doch er ist zu schwer für die herkömmlichen Exemplare. Zum Glück naht Hilfe: Ein Teppichhändler wandert mit seinem Kamel durch die Wüste, im Gepäck hat er den passenden Spezialteppich. Leider hat das Kamel großen Hunger und frisst den Teppich – doch nur halb so schlimm, denn jetzt kann das Kamel fliegen und dient als neues Transportmittel für den Sultan. Und auch dieser Film der beiden jungen Kreativen erntet Anerkennung und den dritten Platz.

Das [ki'ta:so]-Team, welches jedes Jahr mit viel Herzblut an die Sache geht. Foto: [ki'ta:so]

Das [ki’ta:so]-Team, welches jedes Jahr mit viel Herzblut an die Sache geht. Foto: [ki’ta:so]

In 32 Stunden abgedreht

Zwischen den Filmen, die auch zur Auswahl zum besten Kurzfilm des Abends standen, liefen auch drei Filme außer Konkurrenz. Diese entsprangen dem Wettbewerb „In 32 Stunden abgedreht“ der Uni Bayreuth. Innerhalb von 32 Stunden muss der komplette Film gedreht, geschnitten und vertont sein. Eine weitere Hürde: Es sind nur Handykameras erlaubt. Das Thema des letzten Wettbewerbs war „In der Ferne so nah“. Auf dem [ki’ta:so] Kurzfilmabend waren die Filme „Bird of Prey“- eine abstrakter Film, der die Beziehung zwischen zwei Menschen zeigt, unterlegt mit Gedichten von Jim Morrison, „Pina Pineapple“ ein lustiger Kurzfilm über das sonst so ernste Thema Alkoholismus und zuletzt „Hautnaht“ zu sehen.

Fazit des 21. [ki’ta:so] Kurzfilmabend

An diesem Abend kam jeder auf seine Kosten, es konnte gelacht und zum Nachdenken angeregt werden. Ganz Emotionale konnten hier und da sogar ein Tränchen verdrücken. Auch das [ki’ta:so]-Team zeigt sich zufrieden: „Es war auch für uns ein gelungener Abend, wir freuen uns dass die Filme beim Publikum gut angekommen sind und dass die Filmemacher sich wohl gefühlt haben! Wir freuen uns schon auf den nächsten Abend!“

 

Janine Walter