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Kleidertauschparty am 30. Januar – gut für Geldbeutel und Gewissen

Kleidertauschparty Flyer

Am kommenden Wochenende können in Erlangen Kleider munter getauscht werden.

„Wo hast du denn diese tolle Jacke gekauft?“, fragt eine Freundin. „Getauscht“, antworte ich prompt. Wenn ihr euch jetzt fragt, wo so etwas möglich ist, dann kann ich euch versichern: hier, in Erlangen und zwar bei der Kleidertauschparty von Greenpeace Erlangen am 30. Januar von 10 bis 16 Uhr im FreeWilly in der Hauptstraße 84.

Ich laufe durch die Arcaden und mache bei jedem zweiten Geschäft halt, weil da so ein schicker Pulli hängt oder das Kleid, welches ich mir genauso selbst geschneidert hätte, wenn ich es könnte. Aber da ich es nicht kann, müssen es andere für mich tun und wie deren Gehalt und Arbeitsbedingungen aussehen, will ich mir meist lieber nicht vorstellen. Vor allem bei Kleidung, welche extrem günstig ist, einen chemischen Geruch hat und in Ländern wie China oder Bangladesch produziert wurde, kann man mit gutem Gewissen eigentlich nur dann zugreifen, wenn man die Menschen ausblendet, deren Hände den Stoff verarbeitet haben. Aber auch bei einem etwas höheren Preis kann man oft nicht sicher sein, wer davon profitiert. Außerdem sind es nicht nur die eben genannten Länder, in welchen billig produziert wird auf Kosten der Arbeiter, bei denen es sich meist um junge Frauen, häufig Minderjährige, handelt. Dies belegen beispielsweise TV-Dokumentationen wie der Markencheck von ARD. Und was für eine enorme Wasserverschwendung sich hinter einer gewöhnlichen Jeans verbirgt, kann man sich wirklich kaum vorstellen, gibt es doch beinahe kein Bekleidungsgeschäft, in dem sie fehlt: laut Greenpeace beträgt der indirekte Wasserverbrauch beim Kauf einer Jeans etwa 10.000 Liter!

Alternative Second-Hand

Foto: Anna Appel

Interessante Frage: Was steckt eigentlich in unserer Kleidung? Foto: Anna Appel

Also lasse ich den schicken Pulli schick sein und träume weiter von meinem Lieblingskleid. Das schlechte Gewissen ist meist einfach zu groß. Manchmal gefällt mir der Pulli auch so gut, dass ich ihn doch kaufe oder ich brauche dringend eine Hose für einen bestimmten Anlass und möchte nicht allzu viel Geld ausgeben. Aber mal ehrlich: so richtig toll fühlt es sich nicht an, wenn man an der Kasse steht und das Wissen über die Textilindustrie doch nicht ausblenden kann. Auch wenn man sich nach dem Kauf mit dem neuen T-shirt oder Rock ziemlich gut anfreunden kann, bleibt da doch irgendwie ein negativer Beigeschmack. Also schaue ich mich im nächsten Second-Hand-Laden um. Hier hat man neben den meist erheblich günstigeren Preisen eine viel größere Auswahl, da es alles nur einmal gibt. Gerade für kreative Leute, die gerne einen eigenen Stil haben und sich nicht immer nach der neuesten Mode richten wollen, bieten Second-Hand-Läden einen außergewöhnlichen Mix an Trends. Die modernen Sachen findet man natürlich auch. Ein weiterer Vorteil: das leidige Waschen vor dem ersten Tragen aufgrund der giftigen Chemikalien fällt hier weg. Second-Hand-Kleidung wurde meist schon so oft gewaschen, dass man sie sofort bedenkenlos in den Kleiderschrank legen kann.

Auf in den Umsonstladen FreeWilly

Bereit zum Tauschen. Foto: Anna Appel

Bereit zum Tauschen. Foto: Anna Appel

Letzten Sommer habe ich über einen Greenpeace-Newsletter von der Aktion Kleidertauschparty erfahren und mich gleich ans Ausmisten meines Kleiderschranks gemacht. Mit einer großen Tasche voller Klamotten ging es dann ab zum Umsonstladen FreeWilly im Zentrum Erlangens. Dort angekommen traf ich auf eine gemütliche Atmosphäre, nette Greenpeace-Aktivisten und eine Bar mitten im Tauschgeschäft, an der man sich ein Getränk zur Abkühlung holen konnte – und natürlich jede Menge Kleidung. Diese war gut sortiert, sodass man sich schnell zurechtfinden konnte. Beim Abgeben der mitgebrachten Kleidung kontrollierte eine Mitarbeiterin, ob irgendwo Löcher oder sonstige Mängel vorhanden sind und gab einem die betreffenden Kleidungsstücke gegebenenfalls wieder zurück. Für jedes Teil, welches man zum Tausch abgab, durfte man sich dann ein neues aussuchen, wobei man höchstens acht Kleidungsstücke abgeben durfte. Dazu bekam man einfach ein kleines Steinchen mit einer Zahl darauf, welches man vor dem Gehen wieder zurückgeben musste, während die eingetauschte Kleidung kurz gezählt wurde. Was super war: ab einer bestimmten Anzahl an abgegebener Kleidung, durfte man so viel dafür mitnehmen, wie man wollte. Bei etwa acht Kleidungsstücken habe ich das Steinchen mit dem entsprechenden Symbol bekommen und bin mit einer Ausbeute von mindestens zehn Kleidungsstücken nach Hause gegangen. Ohne auch nur einen einzigen Cent auszugeben, habe ich meine alte Kleidung ohne Entsorgung losbekommen und dafür sogar mehr gebrauchte Kleidung in einem super Zustand erhalten. Es hat sich also in jeglicher Hinsicht gelohnt: für meinen Kleiderschrank, für meinen Geldbeutel und für die Umwelt. Nun findet eine solche Kleidertauschparty erneut statt. Meine aussortierten Klamotten liegen schon bereit. Wie sieht es bei euch aus? Ab 10 Uhr kann man Kleidung abgeben und von 11 bis 16 Uhr tauschen. Los zur Kleidertauschparty!

Anna Appel