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Kulturgeografie in Erlangen: Eine Exkursion auf die Philippinen

Arm und reich: Die Wolkenkratzer im Finanzzentrum von Makati nebenWellblechhütten einer informellen
Siedlung. Foto: Scheerin Alouo

7107 Inseln mitten im pazifischen Ozean: Die Philippinen sind nicht nur ein beliebtes Reiseziel, sondern auch politisch und gesellschaftlich enorm spannend. FAU-Masterstudentin Scheerin Alou hat zusammen mit 23 anderen Studenten und Dozent Dr. Boris Michel eine Exkursion dorthin gestartet. Was sie zwischen Meeresrauschen, Palmen und türkisblauem Wasser alles erlebt hat, erzählt sie uns im Interview.

 In welchem Rahmen an die Exkursion zu den Philippinen denn stattgefunden?

Scheerin: Das ist im Studium der Kulturgeografie so vorgesehen. Wir müssen sowohl im Bachelor als auch im Master eine große Exkursion machen und diesmal waren es eben die Philippinen. Wir waren zwei Wochen dort.

Wieso wurde dieses Exkursionsziel festgelegt?

Scheerin: Das hängt immer davon ab, wo unsere Dozenten ihren Länderschwerpunkt haben. Dr.  Boris Michel hat eben in Manila gelebt und dort über Städteentwicklung promoviert.  Er kannte sich dementsprechend gut aus.

Nun seid ihr als Studenten sicherlich nicht dort gewesen, um Urlaub zu machen. Was waren eure Aufgaben?

Meistens auf zwei Rädern unterwegs: Straßenszene in Manila. Foto: Scheerin Alou

Scheerin: Wir durften die Exkursion ein Stück weit selbst organisieren. Im Vorfeld gab es ein Begleitseminar zum Thema, dort haben wir uns in Gruppen zusammengetan und Themen herausgesucht, die wir dann auch vor Ort bearbeitet haben. Wir mussten uns selbst überlegen, wie wir unser Thema so didaktisch aufarbeiten können, dass wir es den anderen Teilnehmern auch vermitteln können. Zudem mussten wir im Vorfeld passende Ansprechpartner vor Ort finden, die uns mehr über unsere Themen erzählen konnten.

Mit welchen Themen habt ihr euch genau befasst?

Scheerin: Mit Migration, der Stadtentwicklung von Manila, dem Thema Ökotourismus und auch Landkonflikten vor Ort. Es waren sehr unterschiedliche Themen dabei.

War die Exkursion ein Erfolg?

Scheerin: Ja! Wir hatten im Vorfeld riesige Probleme die Termine vor Ort zu organisieren und festzumachen. Auf manche Mails wurde monatelang nicht geantwortet. Erst kurz vorher und als wir dann dort waren hat alles geklappt. Das Programm war dann doch ziemlich dicht.

Wie seid ihr mit der Armut dort umgegangen?

Scheerin: Die Armut ist schon ziemlich präsent. Wobei gerade Manila ein Sonderfall war. Auf engstem Raum drängen sich SUVs und Wolkenkratzer neben bettelnden Kindern auf der Straße.  Die Lücke zwischen Arm und Reich war deutlich sichtbar.

Welches Ereignis der Reise ist dir am besten im Gedächtnis geblieben?

Eine ärmliche Siedlung
und Fischerboote am Rande von Puerto Princesa auf Palawan.
Foto: Scheerin Alou

Scheerin: Da gab es natürlich viele. Viele Philippinos wandern aus, um in anderen Ländern zu arbeiten, was auf den schlechten Arbeitsmarkt vor Ort zurückzuführen ist. Es gibt schlichtweg zu wenig Arbeitsplätze. Von der Regierung wird explizit gefördert, dass die Menschen zum Beispiel in den arabischen Ländern arbeiten. Das wird deshalb so gefördert, weil enorm viel Geld wieder ins Land zurückfließt. Etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes wird auf diese Art im Ausland erworben. Diese ganze Thematik ist aber sehr problematisch, weil die Arbeitsbedingungen teils schlecht und undurchsichtig sind. Zu diesem Thema haben wir uns mit Vertretern von NGOs getroffen, die sich für Rechtsbeistand und faire Bedingungen einsetzen. Die persönlichen Geschichten einiger Arbeiter zu hören, war sehr emotional.

Empfiehlst Du die Philippinen zum Urlaub machen?

Scheerin: Ja, auf jeden Fall. Es ist unglaublich interessant und vielfältig dort. Jede Insel ist anders. Politisch und gesellschaftlich ist es spannend, die Menschen sind sehr nett. Und landschaftlich kann man natürlich ganz viel sehen!

Was hat Dir an dem Seminar und der Exkursion gut gefallen?

Scheerin: Ich fand es super, dass wir uns vorher kritisch mit unserer Rolle als Tourist auseinandergesetzt haben. Als westliche Gruppe dort hinzureisen, um „einfach mal zu gucken“ kann man durchaus kritisch bewerten, da war es vorher wichtig abzuklären was unsere Aufgabe ist.

Vielen Dank für das Interview!

Milena Kühnlein