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Mit der Kulturkarte durch Nürnbergs Museen

Eindrücke aus dem Tucherschloss. Foto: Leonie Kästner

Die vorlesungsfreie Zeit ist eine gute Möglichkeit wenigstens ein paar der Dinge durchzuführen, zu denen man zwischen Seminaren und Vorlesungen nicht gekommen ist. Egal wie viele Verpflichtungen auf einen warten, manche Tage sollten sich trotzdem anfühlen wie Sommerferien. Zu den erwähnten „Dingen“ gehörte unsererseits eine Museumstour durch Nürnberg, mit der Kulturkarte im Geldbeutel, die man, insofern an einer Universität immatrikuliert, für 5 Euro kaufen kann und die einem ein Kalenderjahr über freien Zutritt zu vielen Museen der Stadt gewährt.

Die erste Station der Tour an diesem Tag war das Tucherschloss und der Hirsvogelsaal, unweit vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften entfernt. Erbaut wurde die „steinerne Behausung“, wie es eigentlich anstelle von Schloss heißen sollte, 1533 bis 1544, im Zweiten Weltkrieg wurde es es zu großen Teilen zerstört und dann zwei Jahre lang ab 1967 wiederaufgebaut. Da es nur noch zehn Minuten bis zur „Kostümführung“ um 14.00 Uhr dauerte, meldeten wir uns zu einem Aufpreis von 2 Euro an. Letztendlich waren wir zwei die Einzigen, die daran teilnahmen, wodurch sich das Gefühl einer Privatführung einstellte. Wir folgten „Katharina Tucher“, deren Vermögen entscheidend für den Bau gewesen war, von Raum zu Raum, rätselten über Blumensymbolik und setzten uns an die gedeckte Hochzeitstafel im zweiten Stockwerk, wo wir, den Schildchen nach zu urteilen, in die Rollen des Bräutigams und seines Bruders schlüpften. Es ging die Wendeltreppe hinauf und hinunter – einmal hätten wir „Katharina“ beinahe verloren, weil wir ein paar Momente zu lang in ein Gemälde versunken gewesen waren. Wir fanden uns wieder – und hinaus ging es in den Innenhof und Garten. Dort befindet zurzeit eines der Open Air Kinos der Stadt, weswegen wir über Kabel steigen mussten und vorbeigingen an Leinwand und Reihen an Gartenstühlen. Der Garten lädt zum picknicken ein und scheint ein großartiger Ort zu sein, um sich vom ganzen Studieren und Arbeiten nebenan eine kleine Pause zu gönnen. Apfelbäume, Pavillon, Sitzgelegenheiten. In der Hitze ging es zügig hinein in den kühlen Hirsvogelsaal, der ebenfalls ein Blick wert ist. Hier endete nach rund eineinhalb Stunden der Rundgang, der Spaß mit Wissen vermischte, „Katharina“ verschwand, um sich die Kopfbedeckung herunterzureißen und wieder ein Mensch des 21. Jahrhunderts zu werden.

Spontanführung durchs Pellerhaus

Das Pellerhaus. Foto: Leonie Kästner

Wir machten uns ebenfalls auf dem Weg, hatten wir schließlich für diesen Tag noch große Pläne. Mit einer kleinen Stärkung zwischen den Zähnen kamen wir am Pellerhaus vorbei. Da die Tür weit geöffnet war, warfen wir einen neugierigen Blick hinein, was uns die Aufmerksamkeit zweier Damen einbrachte, die sich offenbar dort befanden, um die Neugierigen unter ihre Fittiche zu nehmen. Wir wurden dazu eingeladen, uns den Innenhof anzusehen, der nun endlich nach aufwendigen Renovierungsarbeiten fertiggestellt worden war. Darauf wiederum wurde uns empfohlen, einen Stock höher die Galerie entlangzugehen, wo wir uns möglichst unauffällig an einem Fotoshooting vorbeistahlen, während wir den Innenhof aus einer anderen Perspektive betrachteten. Doch damit endeten die Empfehlungen nicht, erst wurden wir hinunter in den geräumigen Keller gewiesen, der an die Kulisse eines Fernseh-Thrillers erinnerte und eine Gelegenheit zur Abkühlung bot, dann wieder hinauf, diesmal die Wendeltreppe des Turms, der mit aufwendigen Deckenverzierungen versehen ist. Zum Schluss bekamen wir einige Infobroschüren in  die Hand gedrückt.

Als wir, nach dieser ungeplanten, doch lohnenswerten Station, hinaus auf den den Egidienplatz traten, war einige Zeit vergangen. Wir mussten uns von unseren ehrgeizigen Plänen verabschieden. An diesem Tag würde es nichts mehr werden mit dem Germanischen Nationalmuseum und nun mussten wir uns zwischen Fembo-Haus und Spielzeugmuseum entscheiden. Nach kurzer Beratung machten wir uns mit einem kleinen Umweg – eine Baustelle in der Stöpselgasse – auf in Richtung Fembo-Haus. Erneut zeigten wir unsere Kulturkarten vor und schon befanden wir uns mit Audioguides im Aufzug, der uns in das vierte Stockwerk und direkt zu einer Videoinstallation brachte. Dabei werden bei einem Modell Nürnbergs die gerade besprochenen Gebäude angestrahlt, die bei den heruntergelassenen Rollos zu leuchten scheinen. Abermals stellte sich die bereits vertraute Mischung aus treppauf und treppab, von Zimmer zu Zimmer ein. Die Holzwände scheinen besonders gut dafür geeignet zu sein, Hitze zu speichern und zusätzlich in stickige Luft zu verwandeln, interessant war es dennoch, zudem merkte man wie sich die ganzen Informationen des Tages mit dieser dritten Station ergänzten, z.B. befand sich hier ein Modell des Pellerhauses. Es dauerte nicht lange, dann verkündete bereits eine Durchsage, das Museum schließe in 15 Minuten. Die Zeit reichte nicht aus sich alles anzusehen, doch es bleiben noch genug Tage in diesem Jahr, um diese Lücken zu schließen.

Leonie Kästner