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Ort der Begegnung: Der Internationale-Studierenden-Treff

Das "Nachtisch-Team". Foto: Salome Mayer

Das „Nachtisch-Team“. Foto: Salome Mayer

Viele, die selbst bereits im Ausland waren, kennen das Gefühl: Anzukommen in einem fremden Land, niemanden zu kennen, oft selbst die Sprache nicht. Um dem entgegenzuwirken, gibt es den Internationalen-Studierenden-Treff (IST). Jeden Donnerstagabend treffen sich etwa 20 Studierende aus aller Welt, um miteinander zu essen, sich über Gott und die Welt auszutauschen und viel Spaß zu haben.

„Ich finde diese weichen Teile, Kloß glaube ich, heißen sie, ziemlich seltsam“, erzählt Chen aus China. Einige stimmen ein: „Ja, die sind wie Gummi!“ Die heutige Zusatzfrage in der Vorstellungsrunde lautet: „Welches Essen findest du hier in Deutschland nicht so gut oder seltsam?“ Andere finden Ziegenkäse nicht so lecker, eine Schlachtsuppe oder den „Vogel“, den man in der Mensa mit Messer und Gabel essen musste. „Ach, du meinst ein Hähnchen!“, sagt einer der deutschen Studierenden lachend. „Dazu kannst du ruhig die Hände nehmen!“ Alle müssen lachen – ähnliche Erlebnisse hatten wohl schon mehrere in Deutschland.

Jede Woche treffen sich Studierende aus derzeit etwa acht Nationen, um Gemeinschaft zu haben. An diesem Donnerstag steht das „Kochduell“ auf dem Programm: Jeder hat eine Zutat mitgebracht: Mais, Karotten, Salat, Auberginen, Hackfleisch, Kartoffeln, Reis, Bananen, Erdbeeren, Orangen, Sahne, Milch und Käse. In drei Gruppen kocht man daraus nun Vorspeise, Hauptgang und Dessert – was ist wohl in einer Stunde das Ergebnis?

Beim Schnibbeln von Obst und Gemüse kommt man schnell ins Gespräch. Welche Tiere werden bei euch nicht gegessen, welche Früchte wachsen in deinem Heimatland? Abdo aus Syrien kocht ein Gericht aus seiner Heimat: Jogurt mit Tahina (Sesampaste), Knoblauch, Zitrone, gekochten Bohnen und Kichererbsen vermischt. Er ist erst seit kurzem im IST. „Meine Mitbewohnerin Amelie hat mich eingeladen“, erzählt er. Viele kommen durch einen persönlichen Kontakt zu den Treffen, andere haben einen Flyer bekommen.

„Wir wollen gute Freunde sein“

Fertig ist das Buffet. Foto: Salome Mayer

Fertig ist das Buffet. Foto: Salome Mayer

Den Internationalen-Studierenden-Treff gibt es nun schon seit zehn Jahren in Erlangen. Er ist Teil der christlichen Hochschulgruppe SMD. „Wir wollen gute Freunde sein, es soll ein Ort der Gemeinschaft sein“, sagt David. Der Medizinstudent ist seit 2010 als Mitarbeiter dabei. Alle zwei Wochen steht Bibellesen auf dem Programm. Für viele Internationale ist es das erste Mal. Es hilft ihnen, die westliche Kunst, Literatur und Musik besser zu verstehen, die maßgeblich vom Christentum beeinflusst wurden. Gelesen wird hauptsächlich das Neue Testament. „Die Person Jesus Christus steht im Mittelpunkt“, erklärt David. Ruosi studiert Medien-Ethik-Religion. Seit über einem Jahr besucht sie regelmäßig die Treffen. „Ich finde es spannend, über den christlichen Glauben zu sprechen. Und es gefällt mir sehr, dass ich hier Menschen aus vielen verschiedenen Kulturen treffe.“

Erasmusstudenten kommen ab und zu, einige Chinesen sind regelmäßig dabei, aber auch aus Südamerika und afrikanischen Ländern besuchen Studierende den IST. Jede Woche startet man mit einem gemeinsamen Essen – eigentlich um 19 Uhr, heute ist es, weil das Kochen Programm ist, 20:45. Lara, eine Mitarbeiterin verkündigt, dass alles fertig gekocht ist. „Nur 15 Minuten später als geplant – nicht schlecht für einen internationalen Kreis“, sagt sie schmunzelnd. Jeder stellt kurz sein Gericht vor. Eine chinesische Fisch-Reis-Pfanne, Ofengemüse, Salat, Reis und Hackfleisch, Erdbeeren in einer Sahne-Schoko-Sauce mit Eis und Obstsalat zieren den Tisch. Nach einem kurzen Gebet tönt es „Guten Appetit“ in verschiedenen Sprachen. Fröhliches Stimmengewirr erfüllt den Raum. In der einen Ecke des Tisches diskutiert man, ob und wenn ja wie man im Englischen Guten Appetit wünscht, in der anderen Ecke reden Studierende aus Indien, Syrien und Äthiopien über Deutschkurse. Niveau B1 oder B2? Was sind Halblaute? Manche erzählen von ihrer Abschlussarbeit, andere von ihrer Sprachprüfung, andere sind auf Arbeitssuche. Man merkt: Der IST ist tatsächlich ein Ort der Begegnung.

Wenn du mal vorbeischauen möchtest:

Jeden Donnerstag um 19 Uhr in der Martinsbühlerstr. 5

Herzliche Einladung! Hier findest du das Programm

 

Salome Mayer