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Reinhören lohnt sich!

Der Nürnberger Hauptbahnhof lädt aktuell zum Lauschen ein. Foto: Susanne Krüger

Nicht erst seit Netflix und Co. wissen wir: Studenten können wahre Serien- und Film-Junkies sein. Gebannt werden in einer Nacht ganze Staffeln geschaut, sehnsüchtig wird die Veröffentlichung der Fortsetzungen erwartet. Wieso kommen die neuen Folgen eigentlich immer zur Prüfungsphase?

Besonders, wenn man Filme nicht in ihrer Produktionssprache schaut, steht man bei einer Frage oft wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg: Woher kenne ich diese Stimme? Je mehr Filme oder Serien man schaut, je mehr Hörbücher man hört, desto öfter denkt man sich: die Stimme kenne ich doch irgendwoher! Es sind längst nicht alle Film-Stimmen so bekannt, wie die von Forrest Gump. Und genau genommen ist es ja auch nicht die Stimme von Forrest oder von dessen Schauspieler Tom Hanks, sondern vom viel unbekannteren Synchronsprecher Arne Elsholtz, der vor einem Jahr verstarb. Trotzdem denkt man sich noch heute, wenn die Werbung des Black Forest-Mineralwassers im Radio läuft: Ah ja, das Wasser mit dem Forrest-Gump-Werbespot. Arne Elsholtz war wohl einer der bekanntesten seiner per definitionem sehr anonymen Zunft. Millionen von Deutschen können seine Stimme im Schlaf Tom Hanks zuordnen. Wie der Mann hinter der Stimme aussieht, weiß kaum jemand.

Das Projekt macht das Warten auf verspätete Züge am Nürnberger Hauptbahnhof erträglicher. Foto: Susanne Krüger

Der Berliner Fotograf Marco Justus Schöler hat das Projekt „Faces Behind The Voices“ auf die Beine gestellt. Namenhafte Firmen aus der Film- und Hörbuchbranche wie z.B. Audible, aber auch die Deutsche Bahn beteiligen sich und unterstützen die interaktive Bahnhofsausstellung. Ziel ist es, Licht ins Dunkel der Synchronsprecher zu bringen, die Gesichter hinter den Stimmten zu zeigen. Genau passend zur Verlängerung der Baustellenarbeiten zwischen Erlangen und Nürnberg macht dieses Projekt das Warten auf verspätete Züge am Nürnberger Hauptbahnhof erträglicher. Direkt in der Haupthalle vor der Bahnhofsbuchhandlung sind große schwarze Stellwände installiert. Sie zeigen Bilder von Menschen, die den meisten Passanten absolut unbekannt sind. Jeder der Abgebildeten könnte neben einem in der verspäteten S-Bahn sitzen und so lange er oder sie nicht den Mund auf macht, wären sie absolut anonym. Würde einer von ihnen sich einen Spaß erlauben, hätte man auf ein mal Homer Simpson neben sich oder zum Beispiel Claire Underwood, Dexter, Spider Man oder Minerva McGonagall. Neben jedem Portrait befindet sich ein Kopfhörer und man kann Hörproben der jeweiligen Person hören. Zuerst darf um die Filmidentität gerätselt werden und am Schluss folgt dann die Auflösung.

Wer in Eile ist oder noch nicht genug hat, kann sich sogar einen interaktiven Bildband zur Ausstellung kaufen, eine App gibt es auch.

Eine super Möglichkeit, endlich zu erfahren, wer die Serienhelden im Deutschen spricht. Und dazu noch eine gute Überbrückung für lästige Zugausfälle.

Susanne Krüger