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Spielhölle: Impro meets Gameshow

Auf der "Spielhölle"-Bühne brach der kontrollierte Wahnsinn aus. Foto: Funklust

Auf der „Spielhölle“-Bühne brach der kontrollierte Wahnsinn aus. Foto: Funklust

„Ich fühl’ mich emotional mitgenommen…“

„Emotion, Interaktion, Sex – was will man mehr?“

„Eine kryptische, postdramatische Improvisation!“

Das sind einige der Eindrücke, welche die Fachjury, bestehend aus drei Dozenten, zu den Ereignissen auf der Bühne von sich gab. Der eine ein wortgewandter Virtuose im Spiel mit Fachtermini, die andere eher zurückhaltend (oder einfach sprachlos) und der andere ein Interpretationstalent mit Hang zur Dramatik. Was an diesem Abend abgeliefert wurde, war zutiefst verstörend, mitreißend, tragikömisch, ein Tsunami an Emotionen, ein menschliches D… aber fangen wir von vorne an:

Dass der Abend zu einem heißen Spektakel avancieren würde sah man bereits am Eingang, an dem sich Menschenmassen tummelten, die man vielleicht sonst nur aus den Nachrichten kennt, wenn Bilder von einem Apple-Store am Black Friday gezeigt werden. Die Orga-Teams der Spielhölle und Funklust hatte mit einem solchen Andrang nicht gerechnet, Stühle wurden hin- und hergeschoben, Fluchtwege mussten geräumt werden, Verzögerungen im Ablauf, Nerven auf Glatteis… aber immer professionell. „Die Vorbereitungen haben im November letzten Jahres begonnen, da steckt also eine Menge Arbeit und Organisation dahinter: wo müssen die Requisiten platziert werden? Wo bekommt man die Technik her? Das hat schon eine Weile gedauert.“, verrät Gina Klomfaß vom Funklust-Team. Die Spielhölle ist das große, gemeinschaftliche Semesterabschluss-Projekt von Funklust, dementsprechend war der Aufwand groß und das konnte man auch erkennen. Mit viel Hingabe zum Detail wurde die Bühne mit Requisiten bestückt und geschmückt.

Schließlich legte sich die Aufregung und die Show konnte beginnen.

Das Funklust-Team hatte hinter den Kulissen alle Hände voll zu tun. Foto: Funklust

Zum Glück wurde die Show festgehalten – wir warten schon auf das Video. Foto: Funklust

Zur Gameshow traten drei Impro-Teams an: Holterdipolter aus Nürnberg, FAUst aufs Auge (Uni-Impro!) aus Erlangen und 6 auf Kraut aus Nürnberg/Fürth. Jedes Mitglied aller drei Gruppen musste aus einem Stapel verschiedenfarbiger Karten eine auswählen und bekam damit seine Rollenzuteilung. Die Spielregeln wurden erklärt, die beim erstmaligen Hören nicht viel Sinn machten, aber es wurde versprochen, dass man es „am Ende verstehen wird.“ Die Rollen waren eine Combo aus Charakteren, die willkürlicher und explosiver nicht hätte sein können: Da gab es also „Justin“, den Moderator (oder Moderatorin, Gender war kein Thema an diesem Abend). Justin hat ein Problem mit körperlicher Nähe und ist ein bisschen Hygienefanatiker und seiner Meinung nach der eigentliche Star der Show. Der nächste Part war „Ulrike“, sie (oder er) ist der größte Fan der Show, aber ein noch größerer Fan und Verehrer des Moderators, die während der Show versuchen musste, ihr Objekt der Zuneigung dreimal zu umarmen – Justin wird das nicht so cool finden. „Peter“ war ein Kleinkrimineller, der mit Hilfe von „Nummerngirl Maria“ (Maria wäre eigentlich als sexy Nummernschildhalterin in der Show auf und ab gelaufen, war aber unerklärlicherweise nicht da) eine Bank ausgeraubt hat. Nummerngirl Maria ist aber blöderweise mit dem Geld abgehauen und jetzt versucht Peter die Beute unauffällig im Studio zu suchen. „Unauffällig“ war hierbei Auslegungssache der drei Peters. Zu guter Letzt wäre da noch die Regieassistenz „Michaela“, er oder sie war etwas cholerisch, weil nichts nach Plan lief und griff schonmal heimlich zum Flachmann.

Das Funklust-Team hatte hinter den Kulissen alle Hände voll zu tun. Foto: Funklust

Das Funklust-Team hatte hinter den Kulissen alle Hände voll zu tun. Foto: Funklust

Was danach kam erinnerte an Gott des Gemetzels in herrlicher Kammerspiel-Manier, tolle Dialoge, durchwegs überzeugend verliebte Ulrikes, authentische Wutausbrüche der Michaelas und das Publikum durfte mehrmals das Nummerngirl Maria vor der Kamera vertreten. Was die Spiele der Gameshow betraf, so waren die ein ähnliches Kaliber wie bei Schlag den Raab – Briefumschläge in Papiereimer werfen, Konfetti mit dem Staubsauger aufsaugen und drei Schnipsel deutlich sichtbar übrig lassen, Tischtennisbälle mit Papiertröten aus der Schüssel wegtröten, menschliche Türme bauen. Next Generation Entertainment.

Nachdem jedes Team seine 15 glorreichen Minuten auf der Bühne hatte, kam es zur Entscheidung. Die Jury konnte jeweils einen Punkt vergeben, während das Publikum sein Favoritenteam mit Gegenständen bewerfen durfte, die sich unter dem Stuhl befanden. Das Team, das am meisten Sachen vor die Füße (oder ins Gesicht) geworfen bekam, sicherte sich den Publikumspunkt. Damit auch alles rechtens vonstattengeht wurde ein Notar beauftragt, der die Gültigkeit des Ergebnisses bestätigt hat. Für alle drei herausragenden Teams wurde es sehr knapp, aber 6 auf Kraut hat sich den wohlverdienten 1. Platz und somit die begehrte „Medienrex“-Trophäe sichern können.

Für alle, die es versäumt haben, vorbeizukommen oder vielleicht nicht mehr reingekommen sind, die sollten unbedingt die Facebook-Seite von Funklust im Auge behalten, denn in Kürze wird dort die ganze Show als Aufzeichung ausgestrahlt!

Christine Hetterle