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Start with a Friend – Wie aus Fremden Freunde werden

Integration von Geflüchteten fördern? Schon immer ein klares Ja für mich gewesen. Also habe ich mich endlich von meinen Ausreden – wie etwa, dass ich gerade keine Zeit habe und nächstes Semester es mir dann besser passt– verabschiedet und mich auf die Such nach einer Möglichkeiten mich aktiv einzubringen gemacht. Die Auswahl von Hilfsorganisationen im Raum Nürnberg-Erlangen ist groß und das Angebot zu helfen reicht von Sprachförderung, über Unterstützung bei Bewerbungen und Hilfe bei der Wohnungssuche, bis hin zu Lese- und Sportpaten. Eine Initiative ist mir dabei besonders ins Auge gefallen. SwaF – kurz für Start with a Friend – verfolgt einen eher unkonventionellen Ansatz: Flüchtlingen keine Hilfe, sondern Freundschaft bieten.

Die Initiative gibt es seit 2014 und kommt ursprünglich aus Berlin. Mit Start with a Friend hat die Gründerin Franziska Birnbach eine Organisation ins Leben gerufen, die Flüchtlinge und Locals zusammenbringt. Dabei werden je nach Interessen, Hobbies und Zeitbudget Tandempartnerschaften „gematcht“. Ganz nach dem Prinzip eines Tandemfahrrads, bei dem beide Fahrer in die Pedale treten müssen, um schnell und sicher vorwärts zu kommen, besteht auch eine Tandempartnerschaft zwischen einem Neuankömmling und einem Einheimischen aus dem gegenseitigen Geben und Nehmen.

Auch wenn der Sprachaustausch eine wichtige Rolle spielt, steht bei einem Swaf-Tandem die Freundschaft im Fokus: Die beiden Tandempartner begegnen sich auf Augenhöhe und geholfen wird ganz im Sinne eines Freundschaftsdienstes. Flüchtlinge sollen nicht als Hilfsbedürftige stigmatisiert werden. Bei SwaF interessieren sich die ehrenamtlich Engagierten für die Menschen und ihre Geschichte. Der Austausch aus dem eigenen Privatleben schafft Vertrauen und kann so schnell zu einer Freundschaft führen. Daher kommt auch der Leitsatz der SwaF-Organisation: Aus Fremden können Freunde werden.

Das SwaF-Team am Standort Nürnberg. Foto: Julia Denisenko

Das hat mich überzeugt und ich habe mich als Mitglied für das Team in Nürnberg, das von Verena Martin geleitet wird, beworben. Verena studiert soziale Arbeit und ist seit einigen Monaten die erste SwaF-Fellowin am Standort Nürnberg. „Ich habe von der Organisation über soziale Medien erfahren. Die Idee fand ich so gut, dass ich mich gleich für ein Fellowship in Nürnberg beworben habe.“ Als SwaF-Fellowin übernimmt Verena die Rolle der

Botschafterin für Ankommenskultur und darf ein eigenes Team aufbauen, das sie bei der Vermittlung von Tandems, bei der Planung von Community-Events und im Bereich PR unterstützt. Das Team besteht mittlerweile aus drei Studentinnen und vier berufstätigen Frauen, die sich gemeinsam für eine nachhaltige Intergration von Flüchtilingen und eine vielfältige und offene Community vor Ort engagieren – genau das wofür ich mich auch einsetzen will. Meine Aufnahme in das Team war sehr herzlich und die Einarbeitung ging schnell. Denn ein wichtiges Event stand bereits an: die erste Info-Veranstaltung für Locals in Nürnberg.

„Es kann sein, dass 10 aber auch 100 Leute kommen. Wir dürfen gespannt sein und uns darauf freuen“ bereitete Verena uns auf alle Eventualitäten vor. Mit 180 Interessierten und 20 Zusagen auf Facebook lag alles im Bereich des Möglichen. Wichtig für uns war erstmal, dass die Idee des Projekts SwaF richtig bei den Menschen ankam. Die Gespräche mit den Interessierten an dem Tandemprogramm waren für mich informativ und haben mir nochmal gezeigt, dass Integration in der Theorie einfacher aussieht als in der Praxis. Denn die Erwartungen sind bei jedem doch recht unterschiedlich und ein gemeinsames Verständnis von Integration muss erstmal geschaffen werden.

Verena Martin als SwaF-Sprecherin beim Infoabend. Foto: Julia Denisenko

Der erste Info-Abend verlief für uns erfolgreich. Neben 17 Anmeldungen für das Tandemprogramm können wir uns bald über ein neues Mitglied freuen. Yamen kommt aus Syrien und wohnt seit 2016 in Nürnberg. Der 28-Jährige hat Psychologie studiert und arbeitet jetzt als Sozialpädagoge. „Diese Arbeit macht mir Spaß, aber ich möchte bald mein Studium fortsetzen.“ erzählt er von seinen Zukunftsplänen. Menschen in schwierigen Situationen zur Seite stehen, ist etwas, was Yamen machen möchte und deshalb kann er sich ein Engagement als Vermittler bei SwaF sehr gut vorstellen. Für uns wäre das in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung: Mit Yamen bekommt das Team nicht nur eine männliche Verstärkung, sondern ein Teammitglied, das zeigen kann, was bei der Kommunikation und Vermittlung von Tandems wichtig ist aus der Perspektive eines Flüchtlings.

Wer auch an einem ehrenamtlichen Engagement bei SwaF oder an einer Tandempartnerschaft interessiert ist, kann zum nächstes Infoabend kommen oder einfach eine E-Mail an das SwaF-Team Nürnberg schreiben. Alle Infos rund um das Tandemprogramm und Möglichkeiten mitzumachen gibt es auf der SwaF-Internetseite.

Julia Denisenko

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