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Studieren mit Beeinträchtigung – Barrierefreiheit an der FAU

Viele der Gebäude lassen sich aufgrund ihrer Bauweise nicht komplett barrierefrei umbauen, das Kollegienhaus verfügt allerdings über Eingänge mit Rampen und einem Aufzug. Foto: Carmen Oberlechner

Wir Menschen sind komplex, sind divers in unserem Charakter und in unseren Fähigkeiten. Ein großes Spektrum an Diversität gibt es auch an unserer Uni. Dementsprechend sind auch die individuellen Anforderungen an das Studium unterschiedlich hoch. Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen benötigen spezielle Software und Hardware, um mit Texten arbeiten zu können (siehe auch den Blogbeitrag Inklusion als Selbstverständlichkeit) und das Video Blind studieren an der FAU und blindengerechte Informations- und Orientierungshilfen in Brailleschrift . Studierende mit chronischen Erkrankungen und psychischen Problemen können sich vom StudiCare-Team der FAU beraten und unterstützen lassen und für Leute, die auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind, ist ein barrierefreier Zugang zu Universitätsgebäuden und Räumen besonders wichtig. An der FAU gibt es den Behindertenbeauftragten Dr. Jürgen Gündel, der sich um verwaltungstechnische Hilfestellungen  wie z.B. dem Nachteilsausgleich bei Prüfungen kümmert.

Mit dem Rollstuhl in der Uni

Bernhard Nemerth ist einer der Studenten, die auf die barrierefreie Ausstattung angewiesen ist.

Stellen Sie sich bitte kurz vor.

Bernhard Nemerth: Mein Name ist Bernhard Nemerth; ich bin 21 Jahre alt und studiere Rechtswissenschaften im 4. Semester. Ich leide an einer progressiven Muskelerkrankung und bin auf einen Elektrorollstuhl angewiesen. Meine Muskelkraft ist stark eingeschränkt, sodass ich z.B. auch meine Arme nicht selbständig heben kann.

Auf welche Hilfen sind Sie in ihrem Alltag und im Studium angewiesen?

Bernhard Nemerth: Während meines Studiums werde ich ständig von meinem Studienassistenten unterstützt. Er hilft mir die Räumlichkeiten zu wechseln; welches leider recht häufig der Fall ist. Zusätzlich trägt er meine Tasche mit den Büchern und meinen Arbeitsmaterialien und richtet sie mir auf den Tisch. Er unterstützt mich auch bei Recherchen in der Bibliothek. Des Weiteren benötige ich neben meinem Rollstuhl, auf den bin ich immer angewiesen, einen Laptop. Dies hört sich zunächst vielleicht etwas banal an, da vermutlich die meisten Studenten einen Laptop benutzen. Es hat jedoch eine Zeit lang gedauert bis ich eine PDF Version der Gesetzestexte gefunden habe, die ich auch bearbeiten kann. Wer noch nie einen Schönfelder gesehen hat, muss sich einfach ein Buch mit 4500 Seiten vorstellen. In diesem Buch zu blättern ist für mich fast unmöglich. Um in die einzelnen Stockwerke zu gelangen ist ein Aufzug hilfreich; ein funktionierender Aufzug wohl gemerkt. Dies ist jedoch bei fast allen Gebäuden der Universität der Fall. Selbst wenn der Aufzug defekt ist, kann ich aus meinen Erfahrungen berichten, dass es auch kein Problem darstellt die Übung in einem anderen Stockwerk stattfinden zu lassen. Für meinen Alltag zu Hause ist die „Rund-um-die Uhr“ Anwesenheit einer Pflegeperson erforderlich.

Sind an der FAU Hilfestellungen und Mittel vorhanden?

Bernhard Nemerth: Die Breite der Türen, mindestens 90 cm lichte Breite, erleichtert Rollstuhlfahrern das manövrieren und ist eher ein Garant für „heile“ Türstöcke. Mein E-Rollstuhl ist einer der kleinsten mit 60 cm Breite, aber andere Rollstuhlmodelle bauen breiter. Der Rollstuhlplatz in den verschiedenen Hörsälen der Universität ist oft am Rand gelegen, sodass ich an manchen Tagen, wenn die Vorlesungen nur in diesen Hörsälen stattfinden, der Nacken verspannt ist und ich oft Kopfschmerzen bekomme. So muss ich bei der Zusammenstellung des Stundenplans immer darauf achten, dass ich nur die Übungen in den Räumen besuche, die für mich passend sind. Dies ist leider nicht immer möglich. Es wäre hilfreich, wenn es, zumindest in größeren Hörsälen einen Rollstuhlplatz gibt, der in der Mitte gelegen ist. Weiterhin ist es jedoch oft schon ein Thema überhaupt einen Tisch zu bekommen, da in den Räumen freistehende Tische in Flucht – und Rettungswegen nicht gestattet sind. Dabei wäre es nicht kompliziert, man müsste einfach nur zwei Sitzplätze ohne Stühle installieren, sodass der Tisch genutzt werden kann.

Alte Gebäude: Umbau oft schwierig

Man sieht: Ansätze sind da, aber es gibt noch Ausbaubedarf. Ein positives Beispiel für ein barrierefrei ist die Hauptstelle der Unibibliothek, die neben einem ebenerdigen Eingang auch einen Aufzug und breite Türen und Gänge bietet und die über eine gute Ausschilderung zur Orientierungshilfe verfügt. Auch das Kollegienhaus ist mit einem Rollstuhl befahrbar. Doch nicht bei allen Gebäuden ist so ein Umbau möglich. „Die FAU hat einen großen Bestand an Altbauten, die noch nicht komplett barrierefrei zugänglich sind“, so Dr. Jürgen Gündel, Leiter der allgemeinen Studienberatung. „Die Universität ist bestrebt, nach und nach Barrierefreiheit in ihren Gebäuden herzustellen. Sollten Studierende vor dem Problem stehen, nicht zu ihrem Ziel, etwa zu ihrem Hörsaal oder zu einem Büro zu gelangen, dann sollen sie sich umgehend bei mir in meiner Eigenschaft als Behindertenbeauftragten melden.“

Carmen Oberlechnter