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Stürmischer Beifall für die English Dramatic Society mit ‚The Tempest‘

Die English Dramatic Society bei der Arbeit. Foto: Uli Bertrams

Die English Dramatic Society bei der Arbeit. Foto: Uli Bertrams

 

Was ist die English Dramatic Society (EDS)?

Die English Dramatic Society (EDS) ist eine Theatergruppe des Sprachenzentrums der FAU, welche seit 1972 jedes Jahr zwei englischsprachige Stücke zur Aufführung bringt. Mitmachen können Studenten aller Fachrichtungen und aufgrund der englischsprachigen Ausrichtung auch internationale Studenten und Menschen, die nicht an der FAU eingeschrieben sind.

Märchenhafte Kulisse und mystische Musik

Eine aufwändige Kulisse erwartet mich am 18. Februar 2016 im Experimentiertheater des Instituts für Theater- und Medienwissenschaft der FAU. Eigentlich bin ich schon ziemlich müde, aber beim Betreten des Raums tauche ich in eine fantastische Märchenwelt ein und bin wieder hellwach. Vorne rechts nehme ich Platz und sitze direkt vor einer kleinen Musik-Insel. Drei junge Männer, ein Cajon, Schlagzeug, E-Gitarren in verschiedenen Größen. Eine junge Frau vor einem Mikrofon. Sie sehen aus wie eine Mischung aus Feen und Piraten, tragen kurze Hosen beziehungsweise einen weißen Tüll-Rock, türkisfarbene Shirts und türkisfarbene Strähnen im Haar. Feenartige Ornamente aus Schminke bedecken ihre Wangen. Auf dem Boden vor mir befindet sich ein Aufbau aus Pedalen, mit welchem man elektronische Soundeffekte erzeugen kann. Eine Hängeleiter baumelt in der Mitte der Bühne. Daneben liegen Teile von Baumstämmen auf dem Boden. Links ein von Blumen umrankter, kleiner Holzsteg. Hinten ein mächtiger, schiffsähnlicher Aufbau. Rechts hinter der Band ein Zelteingang. Es ist dunkel, aber sehr belebt im Raum. Neben mir hat ein älteres Paar platzgenommen. Ein sehr gemischtes Publikum. Die Band eröffnet den Abend. Immer wieder füllt sie die Umbau-Phasen auf der Bühne mit leisen, mystischen, aber auch poppigen Songs aus. Einige Melodien erinnern an keltische Klänge. Die Live-Musik passt perfekt zu Kirsten Henrys Inszenierung von Shakespeare’s ‚The Tempest‘.

Besondere englische Aussprache

Zuletzt stand die Inszenierung von Shakespeare’s ‚The Tempest' auf dem Programm. Foto: Uli Bertrams

Zuletzt stand die Inszenierung von Shakespeare’s ‚The Tempest‘ auf dem Programm. Foto: Uli Bertrams

Erik Schulte und Elisa von Issendorff betreten als Prospero und Miranda die Bühne. Die Kostüme sind historisch angelehnt und versetzen den Zuschauer zurück in die Zeit des elisabethanischen Theaters. Die dramatische Darstellungsweise der EDS scheint auch einige Oberstufen-Kurse von Gymnasien angelockt zu haben, welche die Aufführung zusammen mit ihren Lehrkräften besuchen. Sobald die Akteure zu sprechen beginnen, ziehen sie mich in ihren Bann. Nicht, weil ich das Shakespeare-Englisch perfekt verstehen würde… Vielmehr bewundere ich von Beginn an ihre Aussprache, welche absolut „native“ klingt, jedenfalls bei den meisten und soweit ich das beurteilen kann. Die Studenten spielen sehr natürlich, authentisch und überzeugend, was sich gut in den Stil der gesamten Inszenierung einfügt. Vor allem Elisa von Issendorff als Miranda, aber auch Daniel Augustin als Ariel stechen durch ihre enorme Bühnenpräsenz und ihre sensible Spielweise heraus. Oleg Stepanov geht voll auf in der Rolle des Caliban, dem wilden, bestienartigen Sklaven Prosperos. Sowohl Maske und Kostüm, als auch der Einsatz seiner Stimme sind großartig – roh, rau, wild und gruselig. Dazu passt auch die einzige Zuschauerfrage am Ende der Aufführung: „Wie lange hat es gedauert, dich zu schminken?“. Der betrunkene Alte namens Stephano, gespielt von Rita Glas, kommt drollig daher und bringt alle zum Lachen. Ein musikalischer, fantastischer und humorvoller Abend mit einer besonders schönen Sprache! Die Regisseurin der EDS ist momentan Kirsten Henry, Lehrbeauftragte für Englische Philologie am Sprachenzentrum, welche sich netterweise zu einem kurzen Interview bereiterklärte.

Kirsten Henry, seit wann leiten Sie die EDS und wie kam es dazu?

Kirsten Henry: Seit 2007 bin ich leidenschaftlich gerne Regisseurin der EDS. Als Studentin der Theater- und Medienwissenschaft war ich früher selbst Mitglied der EDS, bis mich der damalige Regisseur, Damian Quinn, fragte, ob ich nicht die neue Leiterin werden möchte. Nun habe ich bereits 19 Inszenierungen zusammen mit den Studenten der EDS erarbeitet. Eine Historie aller Inszenierungen seit 1972 kann man übrigens auf unserer Homepage finden.

Warum spielt ihr ausschließlich englischsprachige Stücke?

Regisseurin Kirsten Henry, Lehrbeauftragte für Englische Philologie am Sprachenzentrum. Foto: Anna Appel

Regisseurin Kirsten Henry, Lehrbeauftragte für Englische Philologie am Sprachenzentrum. Foto: privat

Kirsten Henry: Da die EDS eine Gruppe des Sprachenzentrums ist, liegt es nahe, fremdsprachige Stücke zu spielen. Außerdem ist so eine Mischung von Inlands- und Auslandsstudenten innerhalb eines Kurses möglich. Dies stärkt das soziale Miteinander. Jeder kann mitmachen – egal, woher er kommt.

Wie oft probt ihr für eine Inszenierung?

Kirsten Henry: Für die Winterinszenierungen beginnen im Oktober die Leseproben. Szenische Proben biete ich dann vier Mal pro Woche an, jedoch hängt es sehr von den Mitgliedern des Kurses und den Rollen des Stücks ab, wie oft tatsächlich geprobt wird beziehungsweise wie viele Studenten regelmäßig anwesend sind.

Was sind besonders lustige Momente, an die Sie sich als Regisseurin erinnern können?

Kirsten Henry: Ach, da gibt es etliche Momente! Während der Proben dieses Semester kamen einige Male Schauspieler zu spät auf die Bühne. Ein Grund war dann zum Beispiel, dass ein falsches Kostüm angezogen wurde. Oder ein anderer Student sagte prompt: „Ich war auf dem Klo“. So etwas ist dann einfach nur komisch. Heute gab es den Moment mit der Schaukel, als Miranda sich beim Gespräch mit ihrem Vater Prospero auf die Hängeschaukel setzen wollte und diese in sich zusammensank. Bei einer anderen Aufführung kam es sogar einmal dazu, dass eine große Bühnenwand langsam in Richtung Zuschauerraum kippte. Bei meiner ersten Inszenierung spielte ich auch selbst mit. In meinem Blickfeld befand sich plötzlich eine Stofftierkuh, welche für das Publikum nicht sichtbar war. Es war so schwer, sich das Lachen zu verkneifen.

Vielen Dank für das Interview!

Anna Appel