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„Satire darf nicht alles“ – Interview mit Prof. Schicha zur Causa Böhmermann

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Professor Christian Schicha ist Experte für Medienethik. Foto: Salome Mayer

Man kann von Böhmermanns „Schmähgedicht“ halten, was man will, aber fest steht: Es hat mächtig Wirbel ausgelöst. Die Bundesrepublik diskutiert neu über grundlegende Freiheitsrechte, die Beziehung zur Türkei ist fast im Eimer und auch zwischen SPD und CDU kriselt es mächtig. Ich habe darüber mit Professor Christian Schicha gesprochen, der an der FAU Medienethik lehrt. Der Spiegel spricht von einer Staatsaffäre und seit Freitag ist es offiziell: Die Bundesregierung erteilte die Ermächtigung, ein Strafverfahren gegen Böhmermann einzuleiten.

Sind Sie überrascht von diesen politischen Auswirkungen von Jan Böhmermanns „Schmähgedicht“?

Prof. Dr. Christian Schicha: Nein, überrascht bin ich nicht. Das war abzusehen. Böhmermann hat ja bereits schon früher stark provoziert. Ich erinnere an den Varoufake, bei dem große Verwirrung darüber herrschte, ob das Video, in dem Yanis Varoufakis den Stinkefinger zeigt, echt oder manipuliert war. Dieses Mal ist der Fall jedoch eingebettet in die Debatte um flüchtende Menschen und dem Vertrag zwischen der EU und der Türkei. Dadurch werden verschiedene Dinge vermischt. Und durch den Paragrafen 103 StGB erhält der Fall eine andere Dimension. Was ich daran problematisch finde, ist die Aufhebung der Gewaltenteilung. Die Politik ermächtigt die Justiz zu ermitteln.

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